Feldblog und das Urheberrecht

Christian am Monday, 12. January 2004, 14:46

Juristen sind die Legastheniker des Fortschritts, hat schon die Neue Juristische Wochenschrift 2001 richtig erkannt. Wo bleiben also maschinenlesbare Verträge und Lizenzen, die so vieles im Geschäftsleben einfacher machen würden? Selbst in einer Anarchie wäre das ein ultimativ hilfreiches Werkzeug ... Doch zur Praxis: Auf dem Feldblog kommen Artikel, die im allgemeinen Interesse liegen könnten. Welche Rechte sollen die Leser an unseren Werken bekommen?

Ich bin kein Fan des Urheberrechts. Im Zeitalter der problemfreien Vervielfältigung von Werken wird es täglich abstruser, wie man an den Aktionen der RIAA, MPAA und Konsorten ablesen kann. Nun ist es so, dass wir das hier produzierte Gut "Information" anbieten wollen. Automatisch aber unterstehen alle Texte hier dem Urheberrecht - wenn auch praktisch egal, ist die Weiterverbreitung illegal.

Ich für meinen Teil (und einige andere Autoren hier sicher auch) möchten nicht ihre Texte juristisch vor anderen wegschließen. Also, liebe Leser, welchen Weg sollen wir gehen, um jedem das mit den Texten zu erlauben, was der Autor wünscht, ihm zu erlauben? Some Rights Reserved, vielleicht sogar No Rights Reserved? Letzteres geht im kontinentaleuropäischen Urheberrecht nicht mal...

Ich hätte einen Vorschlag dazu, der wie folgt aussieht. Die CreativeCommons Initiative vom Harvard(?)-Professor Larry Lessig sieht "Some Rights Reserved"-Lizenzen vor, bei denen der Autor mit Hilfe einer Web-Schnittstelle die Rechte auswählt, die er behalten/weggeben möchte ((keine) Namensnennung, (Nicht-)Veränderbarkeit, ...). Hinten raus kommt ein menschenlesbares "Deed", was man darf, eine echte und juristisch valide Lizenz und eine maschinenlesbare Kodifizierung derselben.
Den Link zur ausgewählten Lizenz stellt ein Autor unter den Artikel, den er auf diese oder jene Weise freigeben möchte.

Meinungen, Tipps, Wünsche, Ideen, Anregungen, etc. ?

Ich mache es mal vor:


Creative Commons License

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Kommentare

  1. Von Mickey am Tuesday, 13. January 2004, 08:17

    Was wollt ihr? Eure Meinung sagen? Wollt ihr, dass soviele Menschen wie mgl sie auch mitbekommen? Wenn ja, warum dann irgendwelche "Rechte" darauf? Seid doch froh, wenn eure Ansichten weitergetragen, weiterverarbeitet werden. Ob nun euer Name oder was auch immer mir auftaucht spielt doch keine Rolle, die Idee, die Aussage (eure Aussage) wird publik!

  2. Von Norbert am Tuesday, 13. January 2004, 12:39

    @Mickey: Ich glaube, du hast das falsch verstanden. Wie Christian ja schon sagte, gilt in Deutschland erstmal generell das Urheberrecht, also verstößt jeder gegen das Gesetz, der "einfach so" Texte nimmt und kopiert.

    Genau deshalb machen sich die Leute ja Gedanken, um Möglichkeiten zu entwickeln, das Urheberrecht durch anderes, selbstgestaltetes Recht zu ersetzen. Eine neue Art der Kooperation zwischen Schreiberlingen und Verbreitern sozusagen, wenn ich das richtig verstehe.

    @Christian: Inwiefern ist das, was du mit dem Link nun gemacht hast, maschinenlesbar? Die Rechte, die du deinem Text mit dem Link offenbar gegeben hast, sind im Grunde ja völlig aufgehoben: Er ist somit frei für ALLES, oder? Wie aber können denn einzelne Rechte vergeben werden (bzw. entzogen werden), welche Links müßte ich dafür nutzen, wie kann ich mir eigene Rechte-Kombinationen zusammenstellen? Das hab ich auf der Seite noch nicht ganz kapiert...

  3. Von Christian am Tuesday, 13. January 2004, 17:52

    @Norbert: Der Link ist menschenlesbar bzw. juristenlesbar. :-) Wenn Du in den Quelltext dieser Seite guckst, wirst Du 12-15 auskommentierte Zeilen lesen, in denen Nicht-HTML-Tags (es handelt sich um RDF) vorhanden sind, die die gewährten Rechte maschinenlesbar vermitteln. Zukünftige Software soll darauf zugreifen können bzw. solche Informationen sind bereits mit Browser-Add-Ons auslesbar (Mozilla: "mozCC").

    Mein Text erfordert lediglich die Nennung des Autorennamens bzw. eine gültige Quellenangabe ("Autor 'Christian' auf www.feldpolitik.de/feldblog" müsste hier schon rechtlich reichen). Ansonsten: kommerzielles und nichtkommerzielles verwurschteln, wiederum auch in Dokumenten, die selbst nicht frei sind, ist beliebig erlaubt.

    Zum Zusammenstellen einer Lizenz: Du gehst auf http://www.creativecommons.org/. Dort wählst Du den Punkt "Choose License". Auf der Seite stehen nun die Rechte, die Du jemand anderem an dem Werk zugestehen kannst. Das für Kontinentaleuropa mindestens nötige vorbehaltene Recht ist "Attribution", d.h. die Nennung des Autors (die Kehrseite des Droit d'Auteur ...). "Allow commercial use" und "allow modifications" ist wohl klar. Als Format gibst Du dann "Text" an und klickst auf "Select a license". Die nächste Seite gibt Dir eine Übersicht über Deine Auswahl. Der Button "learn how to mark your content" führt auf eine Seite mit einem Editierfeld. In diesem Editierfeld sind die HTML-Tags drin, die für den CreativeCommons-Banner samt Link und maschinenlesbaren Informationen nötig sind. Die kopierst Du dann vollständig unter den feldblog-Text, abspeichern, fertig.

  4. Von Mickey am Wednesday, 14. January 2004, 04:00

    Also hab ich das jetzt richtig verstanden, selbst wenn der Autor sagen wuerde "Mir doch egal, was mit den Texten passiert, die duerfen ruhig ohne Einschraenkung kopiert werden..." (siehe die vielen Texte um das Freigeld/Zinssystem) waere das trotzdem illegal?

  5. Von Thomas Koudela am Wednesday, 14. January 2004, 11:41

    Ohne Kläger keine Klage. Wenn es jedoch nicht explizit dabei steht, dass jeder den Artikel unverändert übernehmen kann, ist es rein theoretisch möglich für den Autor Dich zu verklagen. Zitate und den Inhalt "klauen", um ihn mit eigenen Worten niederzuschreiben ist jedoch meines Wissens immer erlaubt.

  6. Von Christian am Wednesday, 14. January 2004, 15:36

    @Mickey: Wenn ich zum Text hinzuschreibe, "macht was ihr wollt", ist das juristisch schon als Lizenz zu werten, Du darfst dann alles machen, was im Rahmen des dt. Urheberrechts möglich ist. Wenn Du nichts hinzuschreibst, dürftest Du gar nichts damit machen (abgesehen von Zitieren und anderen Ausnahmen im Urheberrecht).

    @Thomas: Richtig. :-)



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