Was es mit dem Kampf gegen die Raucher auf sich hat
Karl am Montag, 12. Januar 2004, 07:55
Wie in „TK aktuell“ 1/2003 berichtet, werden immer mehr Krankheiten und Risikofaktoren durch die Pharmaindustrie bzw. in deren Interesse erdichtet, die überwiegend eine möglichst teure Medikation erfordern (siehe auch hier). Dieselbe Problematik wurde bereits im Spiegel 33/2003 „Die Abschaffung der Gesundheit“ aufgegriffen – dort wurde das Phänomen als „systematisch“ bezeichnet. Als Ursache nennt der Wissenschaftsjournalist Jörg Blech in TK aktuell den Umstand, daß der Pharmaindustrie immer weniger Durchbrüche in der Behandlung von bestehenden Krankheiten gelingen. Bedeutet das also, daß man sich für vorhandenen Medikamente die passende (virtuelle) Krankheit sucht, damit die Gewinne der Pharmakonzerne trotz dessen nicht sinken? Zumindest erscheint es gesichert, daß immer mehr alltägliche Phänomene (Lernstreß, Schüchternheit, etc. – vgl. auch die intensive Medikation hyperaktiver Kinder in den USA) zur Krankheit befördert werden.
Nun erscheint es heutzutage fast ausschließlich als selbstloses, tugendhaftes Verhalten, wenn Personen oder auch Firmen (in welcher Form auch immer) gegen das Rauchen aktiv werden. Zum Rauchen mag man stehen, wie man will – so naiv, maßlose Spenden aus der Großindustrie als Selbstlosigkeit zu interpretieren, kann niemand sein.
Dieselbe aber gibt man bei der Robert Wood Johnson Foundation vor, wenn man, um nur das Jahr 1999 als Beispiel zu nennen, folgende Summen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) gegen das Rauchen spendet:
-zu
Forschungszwecken im Zusammenhang mit dem Rauchen
-599.681 $ an die University of California in San
Diego
-123.670 $ an die Brandeis University
           -452.641
$ an die Firma Health Research, Inc., Buffalo, NY.
-außerdem
im Zusammenhang mit dem Rauchen:
738.222
$ an den Entertainment Industries Council
155.338
$ an die Morehouse School of Medicine (Atlanta)
476.816
$ an die Alliance for Health Reform
323.592
$ an die Northwestern University Medill School of Journalism
294.680
$ an die Columbia University Graduate School of Journalism
968.784
$ an die Initiative SmokeLess States
49.942
$ an das „Center for the Advancement of Health“
2,4
Mio. $ an die Boston University School of Public Health
15
Mio. $ für die Medienkampagne „Partnership for a Drug-Free America“
2 Mio.
$ an das Programm „Addressing Tobacco in Managed Care“
Soviel zur Selbstlosigkeit – und nun zu etwas völlig anderem.
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Die Robert Wood Johnson Foundation gehört zu 100% dem Pharmakonzern Johnson & Johnson (siehe hier, Abschnitt 5 und hier), dem Hersteller u.a. des Nikotinentwöhnungsmittels „Nicotrol“. Und dieser Konzern weiß, wofür er investiert. In ihrer Gesamtheit üben die Pharmakonzerne einen nicht hoch genug zu schätzenden Einfluß nicht nur auf die nationalen Gesundheitsorgane, sondern auch auf die Weltgesundheitsorganisation aus (siehe auch hier), die zu einem guten Teil von deren Spenden abhängig ist. Und so kam es in den letzten Jahren zu folgenden dubiosen Ereignissen:
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1.Die amerikanische „Environmental
Protection Agency“ stellte 1992/93 eine Untersuchung über den Zusammenhang
zwischen Passivrauchen und Lungenkrebs an.
Sie kam zu dem Ergebnis, daß das Passivrauchen jährlich 3000 Todesfälle
verursache [Referenz: Seite
der EPA]. Bei der Studie handelt es sich um eine
sogenannte Metastudie, d.h., sie analysiert bereits bestehende Daten früherer
Studien. Zur Datenerhebung machte man 33 Untersuchungen aus (was etwas mehr als
der Hälfte der insgesamt vorliegenden Untersuchungen entspricht), die sich mit
demselben Zusammenhang beschäftigten. Aus diesen selektierte man weiter, so daß
am Ende noch elf „geeignete“ übrigblieben. Über die Hälfte der ausgewählten
Daten wurden also von vornherein ignoriert. Dennoch ließ sich mit einem
Konfidenzkoeffizienten (KK) von 95 % noch kein erhöhtes Risiko
feststellen. (Ein Konfidenzkoeffizient von 95 % ist statistischer Standard und
bedeutet: das statistische Risiko, daß die Ergebnisse auf Zufällen basieren, beträgt 5 %. Damit kann ein
Risikofaktor von 1 [kein erhöhtes Risiko] gültigerweise als 0,95 [vermindertes
Risiko] oder auch als 1,05 [erhöhtes Risiko] ausgedrückt werden.) Man
verdoppelte also die Fehlertoleranz, sodaß der KK noch 90 % betrug. Damit
konnte dann eine Risikoerhöhung von 19 % „bewiesen werden“ [S.28 Abs.5
der Studie, Link s.u.]. Eine
Risikoerhöhung über 200 % wird als Standard für einen statistischen Beweis
angesehen, unter 100 % gilt üblicherweise (außer bei „Beweisen gegen das
Rauchen“) in der Medizin als insignifikant. Auf Seite 3-46 ihrer Analyse kommt
die EPA selbst zu dem Schluß, daß ein Nichtraucher in Raucherumgebung täglich
einem „Äquivalent von etwa 0,2 Cigaretten pro Tag“ ausgesetzt sei. Die EPA
machte dennoch aus dem Ergebnis mittels einer einfachen Hochrechnung „jährlich
3000 Tote“ (Download
der gesamten Studie). Die Forschungskommission des Amerikanischen
Kongresses befaßte sich mit dieser Analyse und kritisierte
sie aufgrund ihrer Methodik und der Art, wie sie Schlüsse zieht. Die Sache war
damit noch nicht zu Ende, sondern zog auch noch die Aufmerksamkeit eines
amerikanischen Gerichtes auf sich. Richter William Osteen
befaßte sich sehr genau mit der Analyse und stellte 1998 folgendes fest: Die
Methodik entspreche nicht wissenschaftlichen Standards, nicht einmal den
eigenen statistischen Bestimmungen der EPA, da im Nachhinein die Fehlertoleranz
verdoppelt wurde, als die Standardmethode nicht das gewünschte Ergebnis liefern
konnte. Damit erklärte er die Ergebnisse der Analyse aufgrund mangelnder
statistischer Signifikanz in einer 92seitigen Erklärung für null und nichtig.
Die Untersuchung wird dennoch bis heute gern zitiert, um die Gefahren des
„Passivrauchens“ zu „belegen“ (etwa hier, hier oder hier).
2. Über den gleichen Zusammenhang veröffentlichte
die WHO 1998 eine Fallstudie,
untersucht anhand von knapp 2200 Nichtrauchern über einen Zeitraum von sieben
Jahren. Im Gegensatz zur „Analyse“ der EPA liefert diese Studie keinen
Anhaltspunkt für Kritik, weder methodisch noch logisch. Die Ergebnisse seien
kurz genannt:
- Nichtraucher, deren Ehepartner rauchen, sind einem relativen Risiko von 1,16
ausgesetzt
- Nichtraucher, deren Kollegen am Arbeitsplatz rauchen, sind einem relativen
Risiko von 1,17 ausgesetzt
- bei Nichtrauchern, die beiden potentiellen Risikofaktoren ausgesetzt sind,
beträgt das kombinierte relative Risiko 1,14 - mithin also weniger als jeder
der beiden Einzelfaktoren (!)
- das relative Risiko für Exposition in der Kindheit beträgt 0,78 - der Studie
zufolge hat diese also einen schützenden Effekt
- ein Zusammenhang zwischen Menge an gerauchten Cigaretten und Risiko konnte
nicht festgestellt werden.
[Referenz: Zusammenfassung
der WHO-Studie, verfaßt vom Internationalen
Büro für Krebsforschung, Lyon]
Die Zahlen sollten natürlich niemanden veranlassen, darin Belege für reale
Zusammenhänge zu sehen - warum sollte für ein Kind gesund sein, was für
Erwachsene schädlich ist? Tatsache ist aber, daß für einen schützenden und
einen schädigenden Effekt gleichviele Anhaltspunkte vorliegen. Die Koexistenz
beider Aussagen läßt nur den Schluß zu, daß die Daten keinen statistischen
Aussagewert besitzen. Das mußte die WHO auch offiziell zugeben [Zitat WHO: „However, due
to small sample size, neither increased risk was statistically significant.“]. An die meisten Zeitungen wurde aber nur gemeldet
„Gefahren des Passivrauchens endlich belegt!“, was damals auch in dieser Form
weitergegeben wurde (etwa hier oder
hier).
3. Diese und ähnliche Unregelmäßigkeiten führten dazu, daß die WHO nicht nur ihre Definition von „Sucht“ änderte (nach der neuen kann jede Tätigkeit Sucht verursachen) [vgl. hier und hier], sondern auch den Tabakkonsum an sich allen Ernstes als „Krankheit“ definierte (nicht: so schlimm WIE eine Krankheit oder: VERURSACHT Krankheit , sondern per definitionem EINE Krankheit!).
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4. Eine
neuere Studie, veröffentlicht im British Medical Journal, kommt (mit fast
120.000 Teilnehmern als bislang umfassendste Studie) zu dem Ergebnis, daß
zwischen Passivrauchen und „rauchertypischen“ Krankheiten (Lungenkrebs,
Herzgefäßkrankheiten etc.) bei Nichtrauchern kein Zusammenhang ersichtlich ist.
Die Gefahren des aktiven Rauchens dagegen werden als gewichtig und
dosisabhängig bestätigt. Ein Restrisiko könne zwar nicht ausgeschlossen werden,
die Risikoerhöhungen von bis zu 30 %, die einige ältere Studien suggerierten,
seien allerdings nicht plausibel. Die Studie rief den Zorn der American
Cancer Society hervor, da zwar deren Daten teilweise benutzt wurden, das
Ergebnis dagegen nicht das gewünschte sei. Journalist Tom Utley kommentierte im Daily
Telegraph, „die Ergebnisse suggerieren, daß die systematische Verfolgung
der Raucher durch Regierungen, Arbeitgeber und lokale Behörden auf falschen
Annahmen beruht.“ Der wissenschaftliche Leiter der Studie, Prof. Enstrom,
mutmaßte allerdings: „Möglicherweise
sind wir aber an einem Punkt angelangt, an dem die Wahrheit niemanden mehr
interessiert.“ (Referenz: British Medical Journal, 16. Mai 2003)
5. Zusammengefaßt:
-Es hat bis heute keinen Beweis für die Schädlichkeit des Passivrauchens gegeben, aber sehr viele Indizien dagegen
-Meldungen, die das Gegenteil besagen, werden klein gehalten; wer sich auf Gefahren des aktiven oder passiven Rauchens bezieht, muß mindestens die jeweils letztgenannten Zahlen nennen, sie aber möglichst noch übertreffen, um nicht als Journalist oder Wissenschaftler disqualifiziert zu werden (Beispiel: vergleiche A, B und C, Absatz 9 der gleichen (!) Ausgabe)
-auf all dem aufbauend, werden immer mehr Maßnahmen gegen Raucher getroffen, finanzielle (für Cigaretten [statistisch vor allem eine Angewohnheit von Armen [siehe z.B. hier, Abb. 3], nicht etwa für die Cigarren der Elite) und praktische (immer mehr Verbote, wo man nur hinschaut)
-die Großindustrie reitet mit auf dieser Welle, um Reinigungskosten zu sparen (Deutsche Bahn und etwa die Lufthansa [Absatz 9], bald evtl. auch Kettenrestaurants etc.)
-der Staat kann mehr Tabaksteuer einnehmen und fördert folglich alle Maßnahmen
-die Tabakindustrie kann mit jeder Erhöhung unauffällig ihre Marge erhöhen; außerdem wird bei niedrigeren Grenzwerten für Nikotin nachweislich mehr geraucht (vergleiche A und B) – sie macht also ebenfalls mit
-die meisten Linken/Kritischen haben Angst, einer „Opfergruppe“ unrecht zu tun, und schreiten daher ebenfalls nicht ein (unter den wenigen Ausnahmen etwa Wiglaf Droste, Karl Pawek)
-und so wird das Rauchen immer unangenehmer und teurer – da man den Leuten aber eingeredet hat, eine „Nikotinsucht“ sei nicht durch Willenskraft, sondern nur medikamentös zu lösen (wer schon daran glaubt, der findet zum praktischen Gegenbeweis unter www.rauchertest.de wirksame Methoden zum Aufhören aus eigener Kraft), werden Nikotinpräparate und tödlichere Mittel (etwa „Zyban“) zunehmend genutzt. Und so hat der „edle Spender“ am Ende sein Geld wieder.
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Ich behaupte nicht, daß es falsch wäre, etwas für die Gleichberechtigung von Rauchern und Nichtrauchern zu tun. Viele Menschen finden es schlicht unangenehm, wenn andere Rauchen. Eine Einteilung in R/NR-Zonen bietet dagegen jedem die freie Wahl. Auch könnten neuere Belüftungs- und Rauchverzehrsysteme viele Probleme klären.
Es ist also nicht so, daß nichts getan werden könnte, um die Lage BEIDER SEITEN zu verbessern.
Nur, wenn eine Bewegung erst ein paar Nichtraucherzonen fordert (Anfang 80er Jahre), diese dann weiter ausdehnt (bis Anfang der 90er Jahre), anschließend das Rauchen auf wenige Zonen beschränkt und diese schließlich abschaffen will (heute) und ihren nächsten Schritt: Rauchen im Freien zu verbieten, schon in Angriff genommen hat, dann ist das Maß eindeutig überschritten. Natürlich, nur wer in kleinen Schritten plant, kann eine Indoktrinierung der Bevölkerung erreichen (Absatz 4). Aber das Endziel ist schon ziemlich nahe und für jeden sichtbar, der es sehen will:
Totales
weltweites Rauchverbot, auch draußen und im eigenen Haus, Tabak als
illegale (unter Strafe gestellte) Droge, Rauchen
im Beisein von Kindern als Körperverletzung.
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Ich wehre mich gegen Eingriffe, die ein solches Maß annehmen, und gegen die Moralisierung der Frage, ob, und wenn ja, wo, das Rauchen verboten werden soll - gegen einen Mythos, der auf dem Mist der Pharmaindustrie gewachsen ist.
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Zur weiteren Information:
-Wissdok, beschäftigt sich u.a. mit
verschiedenen Formen von Wissenschaftskriminalität
-noch zwei Beispiele, wie weit man die Sache treiben kann:
„Passivrauchen schädigt Katzen“
außerdem ein interessanter Beitrag im FP-Forum