Zeitenwende

Norbert am Tuesday, 14. March 2006, 15:04

(No Dollar - No War)

Ein Imperium fällt. Und wir werden dabei sein...

Dollar-Scheine sind materiell gesehen dasselbe wie die Werbeblättchen, die jeder von uns schonmal aus seinem Briefkasten geklaubt hat: Papier. Nichts als Papier. Dollar-Scheine haben genau so lange einen Wert, wie man sie gegen andere Dinge eintauschen kann. Währungen funktionieren nach dem Vertrauens-Prinzip: Haben viele Leute Vertrauen in das Papier und sind bereit, ihre Waren&Leistungen dafür herzugeben, so akzeptieren auch viele andere Leute die Scheinchen. Doch speziell beim Dollar ist absehbar, daß diese Phase endet...

Jeder Mensch sollte sich bewußt sein: Durch die Akzeptanz einer Währung nimmt er am Wirtschafts-Netzwerk all jener Menschen, Unternehmen und Institutionen teil, die dieselbe Währung akzeptieren. Durch den Tausch seiner Leistungskraft innerhalb dieses Netzwerkes wird er Teil dieses Netzwerkes. Wer eine Währung annimmt unterstützt damit (bewußt oder unbewußt) die Richtung dieses Währungs- und Wirtschaftsraumes.
In Europa genau wie in den USA haben die Individuen aktuell kaum Alternativen: Euro und Dollar haben ein Monopol inne, welches nahezu jedermann zwingt, innerhalb des jeweiligen Wirtschaftssystems zu agieren und damit Teil seiner Entwicklung zu sein.

Das heißt beispielsweise, daß jeder, der Dollar akzeptiert Teil der Militärmaschinerie des Dollar-Raumes ist. Jeder, der Dollar annimmt gibt seinerseits Leistung in das Dollar-System ab. Diese Leistung wird indirekt in all den Output "verbaut", die das Dollar-System produziert - und Militär ist in diesem Sinne ein Output des Systems.
Grade am Beispiel des Militärs wird es deutlich: Militär produziert nichts Konstruktives. Keinerlei Nahrung. Keinerlei nutzbare Produkte. Keinerlei nutzbare Dienstleistungen. Aber trotzdem müssen alle, die in diesem nutzlosen Bereich arbeiten, versorgt werden. Durch wen? Natürlich durch alle anderen Teilnehmer des Systems: Alle anderen Dollar-Akzeptanten, die wirklich Leistung erbringen (von denen einen Teil zur Aufrechterhaltung des Sub-Systems "Militär" benötigt wird).

No Dollar - No War! Ohne Dollar gäbe es keine US-Kriegsmaschinerie. Wenn von heute auf morgen die produzierenden Wirtschaftsteile eine andere Währung nutzen würden, so könnte das Dollar-finanzierte Pentagon keine Leistungen mehr zukaufen und damit keinen Rekruten versorgen. Die Soldaten wären gezwungen, sich neue Aufgaben zu suchen...

Auf Seite 19 des aktuellen Attac-Rundbriefes ist die deutsche Übersetzung einer Rede von Ron Paul abgedruckt. Er hat diese vor dem US-Repräsentantenhaus gehalten. Und auch wenn ich nicht jeder (suggierierten) Aussage zustimme, so zeigt diese Rede doch die fundamentalen Zusammenhänge zwischen den imperialen Ansprüchen der US-Regierung, der Aufrechterhaltung der US-Armee, der Öl-Versorgung der USA sowie (beispielsweise) dem Exportüberschuß der Bundesrepublik.
Ron Paul versucht darzulegen, wie der US-Dollar heute die globalen Märkte dominiert, wie die US-Wirtschaft abhängig von den Exportnationen ist und die Exportnationen abhängig von den USA sind. Und wie zerbrechlich das dreibeinige Fundament Öl-Dollar-Militär ist.

Ende März will der Iran eine Börse eröffnen, welche Öl nicht in Dollar, sondern in Euro abrechnen soll. Auch dazu findet sich in dem Attac-Rundbrief ein interessanter Artikel. Die Gefahr für das US-Imperium besteht darin, daß die Bedeutung des US-Dollars schwindet und andere Zahlungsmittel (und damit andere Wirtschaftsnetzwerke) an seine Stelle treten. Dies würde eine Umstrukturierung der gesamten Weltwirtschaft bedeuten, denn derzeit formt der US-Dollar dies Wirtschaft. Eine andere Währung würde eine Umformung bedeuten; neue Geschäftsbeziehungen würden entstehen und da die US-Wirtschaft vergleichsweise wenig wirklich produktive Wirtschaftsbereiche hat, würde das Imperium verblassen...

Wie wahrscheinlich das ist?
Bereits seit Jahrzehnten importieren die USA Lieferungen aus aller Welt und zahlen damit mit Dollars. Würden diese Dollars vom Rest der Welt wirklich eingelöst werden, so hätten die USA nur wenig, was sie dafür hergeben können (sonst würden sie ja nicht Importweltmeister sein). Andererseits müssen die Völker der Welt irgendwann einmal ihre Ansprüche an die USA einlösen - wozu hätten sie denn sonst produziert, exportiert und Dollars in Empfang genommen? Dieses Außenhandelsdefizit gepaart mit den riesigen Krediten der US-Regierung ist eine explosive Mischung, die sich irgendwann entladen muß. Wann und wie dies geschieht sind die schlecht vorhersagbaren Fragen, aber daß es sich abzeichnet, zeigt ein heutiger Blick in die FTD: In dem Artikel, der mit Zinsängste treiben Anleger aus dem Forint übertitelt ist dürfen wir ganz am Ende lesen:

Der Euro erhielt vorübergehend Unterstützung aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Das Land überlegt, bis zu 10 Prozent der Währungsreserven von Dollar in Euro zu konvertieren. Entscheidend sei dabei die mögliche Signalwirkung für die Reservehaltungen anderer OPEC-Staaten...

Was hier ein kleines Zeichen am Rande ist kann sich schnell zu einer Flucht aus dem Dollar und massiven Auflösungserscheinungen des US-Imperiums entwickeln. Und der Rest der Welt muß plötzlich schauen, wie exportabhängige Industriebereichen die Kunden wegbrechen (ein Hurra auf die Exportnation Deutschland - Dummheit muß belohnt werden!) und wie die Welt auf das entstehende globale Machtvakuum reagiert...

Peak Oil


Kommentare

  1. Von Tobias am Tuesday, 14. March 2006, 21:12

    Hallo Norbert,

    du hattest das ja neulich schon per Mail rumgeschickt. Der Kollaps der USA steht nun schon seit Jahren unmittelbar davor (und es ging trotzdem immer weiter). Mal ehrlich: Wie hoch schätzt die du Wahrscheinlichkeit, dass es jetzt - noch im März - im Karton rappelt (Notstand, Lebensmittelmarken, Inflation etc.)? Also so, dass nicht nur die Linken, sondern auch Lieschen Müller, die sich sonst nicht für Wirtschaft und Politik interessiert, etwas mitkriegt. Bitte um Prozentangabe!

  2. Von Norbert am Wednesday, 15. March 2006, 12:51

    @Tobias: Also mein Apokalpyse-Barometer steht aktuell bei 15%, hängt aber immer'n bissl vom Luftdruck ab und je nachdem, wie ich an die Scheibe klopfe, geht der Zeiger mal weiter nach links oder nach rechts. Naja, Ikea-billig-Produktion, was willste machen?

    Mal im Ernst: Die strukturellen Probleme in den Wirtschaftssystemen müssen sich irgendwie "entladen". Ich bin (gottseidank) auch von dem Trip runter, daß alles plötzlich und genau wie gedacht geschieht, aber ich bin sicher, daß sich entsprechende Verwerfungen zeigen. Ich glaube, wir sind im Grunde bereits in dem Kollaps drin: Wir sehen Kriege, wir sehen Überschuldungen (& Eigentumsübertragungen), wir sehen Reaktionen des Systems (Stichwort: Geheimhaltung der Geldmenge M3 durch die FED), wir sehen Lebensmittelmarkenniveau (wenn wir an Harzt IV denken) usw.
    Nur wie lange die "Umstrukturierungen" des Gesamtsystems dauern und welche Entwicklungen wie und wo ablaufen, das läßt sich schlecht sagen, aber beobachten können wir gewisse Prozesse bereits.

  3. Von Dondon am Wednesday, 15. March 2006, 18:49

    Hallo,

    lange kanns nicht mehr dauern, auch Paris und Berlin versuchen ihre Schäfchen ins trockene zu bringen.
    Siehe:
    http://www.handelsblatt.com/pshb/fn/relhbi/sfn/buildhbi/cn/GoArt!200013,200051,1049733/SH/0/depot/0/
    Also demnächst US-Bomben auf Paris und Berlin?
    Gruß,

    Dondon

  4. Von joblack am Wednesday, 15. March 2006, 19:50

    Ja der Crash wird schon lange vorausgesagt. Die USA hat sich durch die jahrelangen Kriege diesen immer etwas nach draussen geschoben.
    Das klappt aber natürlich nicht ewig, einen Kaugummi kann man auch nicht immer länger ziehen ;=)

  5. Von Plöppi am Wednesday, 15. March 2006, 21:28

    und nu wasch machsch jetzt, keene Dollar´s mehr goofen, eiverpipschnochemal gann den hier nich mal was normal ablaufe

  6. Von Frank Drozdowski am Thursday, 16. March 2006, 10:28

    Endlich bekommen die mal eins vor den Bug gesetzt... Konnta ja nicht so weitergehen, nachdem die andere verbrecherische Weltmacht, die UdSSR als Gegengewicht nicht mehr existiert. Es geht also aufwärts.

  7. Von Gmorrk am Thursday, 16. March 2006, 21:10

    Ihr vergeßt alle eins. Um nicht wieder ellenlange Texte abzufassen, halte ich mich mal plakatisch kurz. Die "Amis" besitzen mittlerweile schon einen Großteil Europas, d.h. die Leute in den USA, die Geld und Macht besitzen und des Landes "Furunkel" darstellen werden einfach ihre Dollars rechtzeitig in handfesteres investieren. Juckt die also herzlich wenig.
    Ein Ami mit dem Rücken zur Wand, soweit wirds nicht kommen. Condi hat nicht umsonst einen IQ von über 200 und es gibt genug schlaue und genauso skrupellose Leute in entscheidenden Gremien, die der Welt größte Armee durchaus zu ihrem Vorteil einsetzen können. Und das werden sie. In der Not gibt es halt ein paar Schurkenstaaten mehr. Und das schlimmste. Wer sind wir denn als Europäer. Glaubt ihr allen ernstes das eine Nationalregierung, geschweige denn ein Europa- Komissariat, Parlament, Rat in rgendeiner Weise vom großen Bruder emanzipiert wäre. Wir sind so tief mit denen verflochten, daß deren Fall auch unserer wär. Nun denn, laßt uns sehen was wird...

  8. Von Wieauchimmer am Friday, 17. March 2006, 15:10

    .....auf das Meiste werde ich net eingehen (da werden wir uns eh nicht einigen können) , aber ob Condoleeza einen IQ von über 200 hat wage ich zu bezweifeln, zumahl die meisten IQ-Tests nur einen Wert von ca. 150-160 erfassen und demzufolge ein solcher IQ auch schwer festzustellen ist (nichtsdestotrotz sollte man George Bush jr. und seine Truppe nicht unterschätzen - ist doch immer gut wenn die Gegner einen für einen Idioten halten) .

  9. Von Beorge M Gush am Friday, 17. March 2006, 17:11

    @Gmorrk
    das zeigt doch mal wieder das IQ nichts mit "Intelligenz" zu tun hat, Condi und Konsorten führen uns in den gepflegten Untergang. Und das "Good Old Europe" mit in den Untergang spazierengeht - warten nicht "viele" darauf, endlich mal auch "unter dem Sofa" den Dreck wegzuwerfen? Es riecht schon so komisch...

  10. Von Dieda am Tuesday, 21. March 2006, 13:23

    Scheiß Condi! Sie kann so schlau sein wie sie will, so ist trotzdem saudoof.

  11. Von Denkender am Thursday, 06. April 2006, 22:07

    Mich würde interessieren, ob jemand weiß mit wieviel Gold der Euro abgesichert ist und wo dieses Gold gelagert ist. Soweit mir bekannt ist, sind die ganzen Goldvorräte in den USA gelagert. Außer Frankreich, da hatte De Goul das Gold wieder ins Land gebracht, scheint in Europa niemand mehr Gold in ausreichender Menge zur Verfügung zu haben. Weiters würde mich interessieren, wenn die OPEC Statten von nicht gedeckten Dollars in Euro umsteigen, wie wird sich wohl der Euro verhalten. Wenn soviel Geld, in physischer oder Computerform in den Euro übergeführt werden, wird doch auch unsere Währung erheblichen Schaden nehmen. Wir sind unsere eigenen Gefangenen, sodaß niemand wirklich Glauben kann, daß die entscheidenden Personen eine Weltwirtschaftkrise heraufbeschwören würde. Gold ist meiner Meinung die einzige wirkliche Absicherung vor einer Krise. Es gibt schon erste Anzeichen in den USA, daß die Immobilienpreise gestützt werden. Wenn diese wegbrechen, dann geht es rapid bergab. Schon Greenspan sagte: Nur Gold wird uns retten.

  12. Von jfk am Friday, 07. April 2006, 22:13

    @Denkender
    was genau erwartest du vom gold? darf immer nur so viel hergestellt bzw. an produkten oder dienstleistungen "geliefert" werden, wie gold zur deckung der scheine in der schatzbank liegt?
    wenn plötzlich alle autoritäten des planeten übereinstimmend feststellen, dass zu viel scheine im umlauf sind im verhältnis zur golddeckung - und dass werden sie -, was dann?
    die überschüssigen scheine einziehen?
    ein preisschock vom feinsten. die krise der krisen sofort. die preise fallen, keiner kauft mehr, denn morgen ist die ware oder dienstleistung garantiert billiger als heute, aber teuerer als übermorgen wenn noch weniger geld am markt ist. die gewinne - alle gewinne - brechen vollständig weg, nicht aber die schulden. pleiten im sekundentakt. die arbeit wird eingestellt. genug?
    was würde mit einer golddeckung wirklich besser?



  13. Von Denkender am Thursday, 13. April 2006, 18:31

    Einziehen ist der falsche Ausdruck - Inflation nennt man das so denke ich. Die USA hat ein gigantisches Außenhandlsdefizit. Die ganze Welt befindet in Geiselhaft. Japan hat die meisten US-Dollars in seiner Nationalbank, danach kommt China und Russland. Die ganze Welt zahlt einen Tribut an die USA. Die USA benötigt 2,o Milliarden Dollar, pro Tag, um Ihre Wirtschaft aufrecht zu erhalten. Für jeden Dollar der für ausgegeben wird, müssen bereits 0,25 cent bei der FED (private Organisation) für Kredite aufgenommen werden. Ein Chaos per excenlan. In diesem Sinne: ein schönes Osterfest.



Empfehlung:
Peak Oil