betriebsinterna
Norbert am Monday, 13. March 2006, 19:40
'ne wunderbare party. während sich sonorous in südasiatischen haupstädten rumtreibt, erkunden wir das dicke b in mitteleuropa. kostümparty. masken nicht nur erlaubt, sondern explizit gefordert. da redet es sich doch viel einfacher...
der strassenbahnfahrer hatte eingeladen und die ganze comic-welt schlug auf. und während der weihnachtsmann durch den bart ins treppenhaus kotzte und der hospitality-club allgegenwärtig war plauderten wir über betriebsinterna.
er, anfang dreißig. den job langsam leid. die krawatte haben sie ihm nach zähem ringen an den hals gequatscht, die haare wurden aus protest trotzdem immer länger. sympathisch! nur der job macht nicht mehr so die laune, seitdem jede abteilung zeigen muß, daß sie wirklich wichtig für den konzern ist. seit unser monopoly neuen schwung bekommen hat, merger & aquisitions wieder in sind und personalkürzungen, umstrukturierungen, synergieeffekte und betriebswirtschaftliche diätenpläne verordnet werden, scheint betriebsame hektik in den abteilungen der großkonzerne ausgebrochen. wo es sonst manchmal zugeht wie in einer planwirtschaftlichen staatsunternehmung muß plötzlich jeder wichtig sein, um nicht dem rotstift des modern(d)en kapitalismus zum opfer zu fallen. selbst die unkreativste abteilungsleiterin wird so zum sprühenden ideengenerator. leider führt die mangelnde kommunikationsrückkopplung zwischen planendem führer und ausführendem volk zu realitätsfremden verhalten ganzer unternehmensteile, aber wen juckt das schon? bei 5 millionen arbeitslosen ist es halt gefährlich, einen job zu haben...
sie, mitte zwanzig. clever und tv-geschädigt, meint: es gäbe schließlich mehr als einen kapitalismus. was sie dazu bringt, wirtschaft und ethnologie zu verknüpfen und der hoffnung, menschen (oder auch völker) würden wieder eingang in die wirtschaftliche sichtweise spezialisierungs- und bilanzgeschädigter bwler finden. die idee ist gut, aber die welt...
ein wenig angst hat sie vor ihrer letzten seminararbeit. das marxismusseminar war anstrengend, aber ob die idee so gut war, dem marxnahen professor nun ausgerechnet eine marxismuskritische arbeit vorzulegen? da ist man und frau als student echt in der bredouille: soll man gleich kuschen oder damit doch lieber bis zum berufsanfang warten?
die mutter, ende zwanzig, und dabei behilflich, die 16 milliarden zu verwalten, die da jedes jahr kameralistisch verwaltet werden müssen. "wenn die steuerzahler wüßten, was die mit ihrem geld anstellen." aber gottseidank fragt ja keiner, die meisten zahlen fleißig und nur die, bei denen genug kleingeld regelmäßig klingelt wissen sich durch kluge steuerberatende hilfe dem gemeinwohl zu entziehen.
auf der suche nach alternativen? sicher. nach mehr als 4 jahren machen die meisten jobs sowieso kaum noch spaß, wenn man sich nicht mehr weiterentwickeln kann. er, anfang dreißig, will dann doch lieber zurück in den dschungel, krokodile sortieren statt software skizzieren - da sieht man wenigstens, was der tag gebracht hat...
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