Loch in Handelsbilanz klafft so groß wie nie

Norbert am Dienstag, 14. Dezember 2004, 18:12

Ein Sklave ist ein Mensch, der seiner persönlichen Freiheit beraubt ist, als Sache behandelt wird und als solche im Eigentum eines anderen steht. Wichtiges Merkmal ist das Festhalten der Person gegen ihren Willen, mittels (physischer, psychischer oder institutioneller) Gewalt, zum Zweck der wirtschaftlichen Ausbeutung. Offiziell ist die Sklaverei heute in allen Staaten der Welt abgeschafft.

wikipedia:Sklaverei, 14.12.2004, Hervorhebungen von mir.



"Loch in Handelsbilanz klafft so groß wie nie" übertitelt Der Spiegel einen Artikel zum Thema "Kaufwütiges Amerika". Was für Leute lesen Artikel mit solchen Titeln?

Kaufwütiges Amerika. In Zeiten, in denen der Wert einer Menschengruppe darin gemessen wird, wieviel sie kaufen, kann uns ein "kaufwütiges Amerika" natürlich nur lieb und teuer sein. Wachstum, Wachstum über alles! Denn wenn Amerika viel kauft, dann heißt das doch, daß der Rest des globalen Kaufhauses ordentlich einnimmt. Ist doch super, oder? Ich meine: Darum gehts doch, oder? Ist es nicht das, was sie uns erzählen wollen...?

Kaufen ist gut, sagt man uns. Vor allem, wenn es "bei uns" passiert. Exportnation Deutschland. Man klopft sich auf die Schultern. Freut sich, ist stolz - und zugleich unglaublich dumm. Denn warum klingen Artikel über Handelsbilanzen der USA so negativ, anstatt daß sich die Autoren darüber freuen, wie toll es doch ist, daß die USA so viel im Rest der Welt einkaufen gehen?

Weil man Geld nicht essen kann.
Deshalb klingen die so skeptisch.
Und langsam, ganz langsam; ganz langsam kapieren wir es...

Das Problem ist: Die USA bezahlen die Leistungen des globalen Dorfes nicht. Oder besser: Sie lassen anschreiben! Sie kaufen auf Pump. Sie häufen Schulden an. Sie versprechen uns, daß sie irgendwann zahlen werden. Aber sie werden es nie wirklich tun...
Sie lassen sich Schiff um Schiff und Flugzeug um Flugzeug Waren und Dienstleistungen ins Land schaffen, aber sie zeigen sich nicht erkenntlich, wie das bei einem guten Handel der Deal ist. Sie liefern keine Gegenleistung. Natürlich haben die Verkäufer die Möglichkeit, mit den angeschriebenen Dollars in den USA einkaufen zu gehen. Aber zum einen ist ja der ganze Rest der Welt bereits Exportwirtschaft, hat also offensichtlich mehr Kapazitäten als die eigene Bevölkerung braucht - wozu also noch in Amiland shoppen? Haben die überhaupt noch was, was sie exportieren können, oder sind die Kapazitäten schon so abgebaut, wie die Ford-Werke in Flint/Michigan? Und zum anderen stelle mensch sich vor, alle würden plötzlich ihre Schulden bei den USA geltend machen und sagen: Wir fordern unsere Gegenleistung jetzt. Ginge das überhaupt? Nicht umsonst importieren die USA ja so viel mehr Leistungen als sie exportieren...

Als gute Kumpels könnten wir sagen: Wißt ihr was, liebe Amis, wir erlassen euch eure Schulden. Wir wissen ja, ihr zahlt eh nicht mehr wirklich dafür. Dazu sind die Schulden einfach zu groß. Schließlich kauft ihr schon eine ganze Weile von der ganzen Welt ein, ohne Gegenleistung. Naja, "ohne" ist übertrieben, ihr habt den Irak befreit und Osama Bin Ladin verschreckt und den Kalten Krieg habt ihr beendet und ... jetzt muß ich aufpassen, daß ich nicht ins Zynische abgleite...

Dieses Universum ist so gebaut, daß früher oder später alles ins Gleichgewicht kommt. Irgendwie. Irgendwie kommt also auch die Handelsbilanz der USA wieder ins Gleichgewicht. Wenn irgendwann der Wirt sagt "Tut mir leid, anschreiben is nich mehr", spätestens dann ist die Kacke am Dampfen. Wenn keiner mehr Dollars nimmt, weil ja sowieso klar ist, daß man dafür nix kriegt, weil soviel Dollars rumliegen, daß man damit ganze Straßenzüge tapezieren könnte, dann nehmen die Leute lieber was anderes. Wie die Amis dann ihr Öl kriegen dürfte spannend werden. Naja, vielleicht ist ja die heim ins Reich geholte irakische Ölkolonie ja dann soweit ausgebaut und befriedet, daß sie als Öllieferant ein Weilchen aushält. Wie gehts eigentlich Venezuela? Ist der Staatssturz nun schon erfolgt oder was braucht die CIA da diesmal so lange? Ihr wart auch schonmal besser!

Die fetten Jahre sind vorbei. Eigentlich hat eine Filmempfehlung ja nichts in einem Artikel über Handelsbilanzen zu suchen. Aber wo siegt schon pure Vernunft, wenn der Wahnsinn doch schon längst Methode hat? Und doch gilt der Titel dieses wirklich sehenswerten Filmes auch für die US-Amerikaner: Die fetten Jahre sind vorbei. Eure Dollars nimmt spätestens dann keiner mehr, wenn eure Führer den Rest der Welt nicht mehr mit militärischer Gewalt dazu zwingen können. Bin gespannt, was nach dem Dollar kommt.... Und wir hoffen - ganz ehrlich! - daß es inzwischen einige bei euch da drüben gibt, die der (wirtschaftlichen) Sklavenhaltermentalität (südstaatliches Erbe?) endlich den Todesstoß versetzen. Es ist ja kaum noch auszuhalten, auf diesem Planeten!


PS: Da hat man beim Spiegel doch glatt die schöne Überschrift geändert, klingt "Loch in US-Handelsbilanz so groß wie nie" besser?

Peak Oil


Kommentare

  1. Von markus am Mittwoch, 15. Dezember 2004, 10:55

    , die letzte chance wäre noch eine hochzeit von dollar und euro , möglicherweise wars von anfang an so geplant , deswegen auch der ähnliche wert , dann noch schnell israel in die eu und die nwo ist fertig

  2. Von leichenzähler am Mittwoch, 15. Dezember 2004, 15:59

    "...die heim ins Reich geholte irakische Ölkolonie ja dann ..."

    also meinen freudschen verleser grade kann ich nicht für mich behalten wo dieser doch ne ganze erkenntnislawine ausgelöst hat. aus "ölkolonie" ists ja schliesslich nicht ganz so weit zur "ölkonomie", was durchaus sinn macht. nur zur bedeutung von "ölkologie" bin ich noch am rätseln...hat sicher was mit dem tanker in alaska zu tun ;)

  3. Von parzival am Mittwoch, 15. Dezember 2004, 16:17

    Y€$, I want!

    Natürlich wird versucht werden, eine Weltwährung zu etablieren, und damit defakto auch die Weltherrschaft (des Geldes) zu zementieren. Eventuell, je nachdem wie gross die Katastrophe durch den Crash des jetzigen Geldes wird, wird sie zwecks Vertrauen sogar goldgedeckt sein - wie gut dass die USA den Löwenanteil des Notenbankgoldes besitzt und somit auf jedenfall auch bei der neuen Währung viel zu sagen hat.

  4. Von AxB am Mittwoch, 15. Dezember 2004, 18:21


    Zur Zahlungsbilanz gehört auch die Vermögensbilanz.


    1800 deutschen Töchter von US-Firmen einen Umsatz von 547 Mrd. Euro erzielen
    http://www.wno.org/newpages/eco14.html

  5. Von franz am Mittwoch, 15. Dezember 2004, 23:04

    Was meint ihr: wie lange haben wir noch zeit, vorhandene euros in sachwerte umzutauschen???

    [= "schnell noch einkaufen", wie die amis, solange das bedruckte papier noch "einen wert" hat]

    -> zwei wochen?
    -> zwei monate??
    -< zwei jahre???

  6. Von Norbert am Donnerstag, 16. Dezember 2004, 00:16

    @franz: Du hast alle Zeit der Welt! Die Frage ist: Wieviele Sachwerte kriegst du zu welchem Zeitpunkt? ;-)

    Pure Vernunft Darf Niemals Siegen! ;-)

  7. Von Missy am Donnerstag, 16. Dezember 2004, 15:02

    "Offiziell ist die Sklaverei heute in allen Staaten der Welt abgeschafft."

    *lach mich weg* - aber wirklich gut geschrieben dein Eintrag hier...

    Ich glaube auch dass versucht wird eine Weltwährung zu etablieren und ich bin völlig überfordert was ich mir noch schnell kaufen soll *g* - hab ja alles erstma was ich brauch.

    Halt, mir fehlt noch ein Laptop welches mit Brennstoffzellen oder Solar funzt sowie die Solarzellen aufm Dach - hm...

    Ich darf dazu voller Stolz verkünden, dass ich meine Vorratskammer so aufstocken konnte dass ich mehr als vier Wochen versorgt sein würde im Ernstfall *g*.

    Sollen se doch alle um ihr blödes Leben kaufen bis die janze Luftblase geplatzt ist - so oder so ähnlich ;-)



  8. Von Volkswirt am Freitag, 17. Dezember 2004, 11:28

    Der US-Notenbankchef Alan Greenspan, also der Leiter der privaten Gelddruckinstitution "FED".
    Gibt dem USD noch ca. 2-3 Jahre. Warum er das so rel. präzise prognostizieren kann?

    Nun, ersitzt an den entscheidenden Hebeln. Die US-Ökonomie lebt von seinen geldpolitischen Impulsen - also Zins und Geldmenge. Problem: Viel Luft ist bei den Zinsen nicht mehr nach unten. Erste Nebenwirkungen der historischen Tiefstzinsen und der Dollargeldschwemme sind unübersehbar. Der point of no return ist überschritten - seit 2000 ist es allein Greenspan, Bush und den asiatischen Notenbanken (die den USD stützen) zu verdanken, dass die USA noch nicht in der Depression gelandet sind - aber das Pulver geht allen beteiligten langsam aus. 2-3 Jahre sind keine lange Zeit, um noch Sachwerte (vorzugsweise Gold, Silber, Diamanten) anzuhäufen und sich gut verschanzt für ein paar Jahre aufs Land zurückzuziehen.

    Meine EMpfehlung: Kauft den europäischen Notenbanken schnell noch deren Gold zu schleuderpreisen ab - die Talerchen könnten eine neue Existenzgrundlage nach der "Währungsreform" hin zum EURODOLLAR darstellen.

    Also, anschnallen und cool bleiben!!

  9. Von Helfried Krug am Freitag, 17. Dezember 2004, 17:53

    Loch in Handelsbilanz
    Artikel gut aufgebaut,nur leider etwas einseitige Kritik an USA.Kaufwut"nach Motto Brot und Spiele".
    Das HB-Defizit wird 2004 ca.600Mrd.$ betragen. Eine Größe die nachdenklich macht.
    Bedeutung für USA = De-Industriealisierung
    Bedeutung für Asien = Industiealisierung
    Asien kennt den Preis($-Käufe aus HB-Defizit)
    USA kennt noch nicht die Rechnung
    ich glaube das amerikanische Jahhundert endet.

  10. Von Andre´Hothas am Samstag, 18. Dezember 2004, 01:09

    Leider treten Imperien für gewöhnlich nicht freiwillig von der Weltenbühne ab. So sollte man Weitblick und Arglist der US-Hochfinanz keinesfalls unterschätzen ! Da etwa 80 % der Dollarbestände vom Ausland als "Währungsreserve" gehalten werden, haben es unsere "Verbündeten" selbst in der Hand durch Abwertung ihrer "Leidwährung" ganze Völkerstämme zu entreichern, und daß auch erst dann, wenn sie mit ihren selbstgedruckten Blüten, klammheimlich den Rest der Welt aufgekauft haben. Es ist halt (historisch gesehen) immer das gleiche: Der Streß ist schon wieder vorprogrammiert !
    http://www.zeit-fragen.ch/ARCHIV/ZF_123c/T01.HTM



Empfehlung:
Peak Oil