Ein alternatives "Aufbauprogramm Ost"
Norbert am Thursday, 02. December 2004, 17:30
Nach der Öffnung mancher Grenzen nach 1989 waren die Ost-Warenhäuser voller im Westen hergestellter Produkte. Das neue Westgeld der Ossis floß also Richtung Westen, in Richtung der Produktionsstellen dieser Güter und schuf bzw. bewahrte dort Arbeitsplätze. Ostprodukte waren in der Mehrzahl von einem Moment zum nächsten aus den Regalen verschwunden. Die Ostfirmen gingen pleite, die Massenarbeitslosigkeit war nur logisches Resultat der Währungsunion.
Der Osten war daraufhin gar nicht mehr in der Lage, eigene Produktionsmöglichkeiten zu errichten, waren die meisten Läden doch schon "von Westprodukten besetzt" und Absatz nur in Nischen möglich. Also floß weiterhin das Geld aus den Brieftaschen der Ossis an Firmen aus dem Westen. Und da Arbeitsplätze nur dort entstehen, wo Geld hinfließt, flossen die Ossis dem Geld hinterher. Gen Westen.
Deshalb ist der ganze Westen von Ossis "durchsetzt"! Die Geldströme bestimmten über den Zwang zur Versorgung der Familie die Völkerwanderströme. Vor allem die Jugend folgte dem Ruf nach Flexibilität und Eigenverantwortung. Der ländliche Raum im Osten wird nur am Wochenende von Jugend bevölkert, ich höre zunehmend Berichte von vereinsamenden Paaren, die sich ihrem Nachwuchs und ihrem Familienleben beraubt sehen.
Die durch den Konsum von Ost nach West fließenden Geldströme wurden durch eine Besteuerung der Bevölkerung und die staatliche "Förderung Ost" wieder zurückgeführt. Ohne diese Zahlungen aber mit Westprodukten im Supermarkt wäre der Osten völlig verarmt, weil die Menschen nicht mehr am gesellschaftlichen Produktionsprozeß beteiligt gewesen wären. Bei diesem Förderungsprozeß werden jedoch weiterhin durch die Behörden Fehler gemacht. Weil das verfügbare Geld knapp ist wird Druck auf die Beamten und Angestellten ausgeübt, Aufträge vor allem nach dem Preis zu vergeben. Das führt erneut dazu, daß Geld gen Westen fließt - offenbar können Firmen aus den westlichen Bundesländern besonders billig anbieten. Regionale Firmen, die dieselben Leistungen anbieten könnten und damit lokale Arbeitsplätze erthalten könnten, wird damit die Lebensgrundlage entzogen, den Kommunen potentielle Steuern vorenthalten und die Subventionsspirale über "Transferleistungen aus dem Westen" noch beschleunigt. Schildbürgertum meets Bürokratie. Die Ratlosigkeit in der großen Politik, die zudem viel zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt ist, ist groß.
Dabei ist der Osten an sich sehr gut in der Lage, sich selbst zu helfen. Die Infrastruktur ist inzwischen sehr gut ausgebaut (Danke für das viele Westgeld! ;-) ), das Know How haben sich die Ossis im Laufe der Zeit und zum Teil in den "Lehrjahren" im Westen angelernt und immer mehr Leute sprechen davon, sie würden gern "zurückkommen". Wenn nur die Arbeitsplätze vorhanden wären, wo die große Politik keine Ahnung hat, woher sie sie nehmen soll... Aber auch Millionen Arbeitslose im Osten (und der traditionelle Erfindungsreichtum ;-) ) stellen ein schlafendes Potential dar, was geweckt werden kann.
Arbeitsplätze entstehen da, wo Geld Leistungen nachfragt. Wenn durch die Nutzung einer einzelnen Währung in ganz Europa Geld jederzeit aus geförderten Regionen "abfließen" kann, ist dann die Förderung wirklich nachhaltig, also langfristig wirkend? Wird das Fördergebiet dann nicht nur ein "Geld-Durchflußgebiet", in dem sich die Firmen anderer Regionen durch bloßen Verkauf an den Subventionsströmen bedienen können, ohne durch dortige Produktion am Aufbau der Region wirklich mitzuwirken?
Man stelle sich vor, im Osten Deutschlands würde nicht nur der Euro, sondern zugleich eine regionale, umlaufgebührengesicherte Währung genutzt. Behörden würden dieses Tauschmittel für Steuerzahlungen akzeptieren und parallel zum Euro die Angestellten damit bezahlen. Der Einzelhandel und andere Unternehmer können das "Ostgeld" als Zahlungsmittel akzeptieren und kaufen damit bei Lieferanten und bezahlen ihre Angestellten. Was würde passieren?
Aufgrund dessen, daß das "Ostgeld" in erster Linie nur im Osten akzeptiert wird, werden die damit Einkaufenden damit in erster Linie Leistungen im Osten kaufen - und damit zunehmend regional erbrachte Leistungen nachfragen. Ein "Abfließen" des Geldes aus der Förderregion ist somit nicht mehr möglich. Mit diesem Zahlungsmittel würde die Wirtschaftsregion zuerst bei sich selbst Waren und Leistungen kaufen und dadurch eine aus sich selbst kommende Dynamik entwickeln. Mehr Absatz in der Region heißt mehr Umsatz für die Unternehmer, heißt mehr Arbeitsplätze, heißt mehr Steuereinnahmen für die Kommunen, heißt erhöhte regionale Nachfrage - und alles in allem mehr Wohlstand für die Region. Mehr wirtschaftliche Autonomie. Weniger Bedarf nach Fördermitteln. Steuerentlastung für die Gesamtwirtschaft.
Unter einer "umlaufgebührengesicherten" Währung versteht man ein reines Zahlungsmittel, eine Art Gutschein mit begrenzter Haltbarkeit. Beispielsweise kann solch ein Gutschein nur 1 Jahr gültig sein und danach gegen eine 5%ige Gebühr umgetauscht werden. Im Schnitt kostet die Geldhaltung also 5% pro Jahr, was die Wertaufbewahrung zugunsten der Zahlungsfunktionalität des Geldes verteuert. Durch diesen Druck auf den Geldhalter verändert sich die Zahlungsmoral: Das Verzögern von Zahlungen, wie dies heute im geschäftlichen Verkehr schon fast üblich ist, macht keinen Sinn mehr. Mit umlaufgebührengesichertem Geld werden Lieferanten für erbrachte Leistungen viel schneller bezahlt und deshalb viel eher in die Lage versetzt, selbst Leistungen einzukaufen, ihre Produktion auszuweiten oder in Forschung und Entwicklung oder Weiterbildung der Mitarbeiter zu investieren. Die Wirtschaftsprozesse werden viel flüssiger, wenn die im betriebswirtschaftlichen Bereich störenden Stockungen wegen mangelnder Zahlungsmoral entfallen. Sogar die Vorauszahlung von Steuern ist denkbar, immerhin entgeht der Steuerpflichtige dadurch den Geldhaltekosten. Durch diese "Verflüssigung der Zahlungsprozesse" sinkt der Marktzinssatz für Regionalwährung, da die Geldhalter unter Angebotsdruck gesetzt werden. Dies erlaubt der Region, sich selbst (im globalen Kontext gesehen konkurrenzlos) günstig Kredite für Investitionen zu ermöglichen und auch auf diesem Wege "den Arbeitsmarkt zu beleben".

So könnte es aussehen: 1-Rheingold-Schein, am Rand wird das Gültigkeitsende markiert, beispielsweise durch Lochen von "Dez" und "2005". Quelle
Daß ein regionales Zahlungsmittel dabei zusätzlich zum Euro eingesetzt wird ermöglicht allen Wirtschaftsteilnehmern weiterhin, auch überregional zu handeln. Eine regionale Währung ist neben dem Euro eine zusätzliche Option für die Wirtschaftsteilnehmer, die vor allem in dieser Region aktiv sind (was auf jedes Individuum in der Region zutrifft) oder ihre Tätigkeiten in der Region ausweiten wollen. Regionale Wirtschaftskreisläufe werden gestärkt bzw. überhaupt erst etabliert, wenn Unternehmen, die bisher Leistungen außerhalb der Förderregion eingekauft haben, sich jetzt nach Anbietern innerhalb der Region umsehen. Eine "Innen-Orientierung" einer Region und eine Nutzung des vorhandenen Eigenpotentials vermindert den überregionalen Transport von Gütern. Dies ist umweltpolitisch genauso zu begrüßen wie in Hinblick auf steigende Mineralöl- und damit Transportpreise.
Diese Art der Regionalförderung ist eine der preiswertesten Fördermöglichkeiten, die vorstellbar sind. Während allein in Dresden hunderte Millionen Euro an Subventionen zur Ansiedlung des US-Konzerns AMD verschenkt wurden, um einige hundert Arbeitsplätze zu schaffen, könnte das Bedrucken von Papier um daraus ein regionales Zahlungsmittel zu fertigen, vergleichsweise aus der Portokasse bezahlt werden. Hierzu könnten sich auch Unternehmer aus der Förderregion in Zusammenarbeit mit interessierten Kommunen und Beratern zusammenfinden, um ein solches Projekt in der Selbstorganisation auf die Beine zu stellen und mit Hilfe der regionalen Medienlandschaft der Öffentlichkeit zu vermitteln. Natürlich könnte sich auch die große Politik solcher neuartiger Förderungsmöglichkeiten zu bedienen, um ihre desaströse Ratlosigkeit beim Aufbau Ost und der allgemeinen Wirtschaftspolitik zu überwinden.
Was hier am Beispiel "Ostdeutschland" aufgezeigt wurde, gilt jedoch für jede andere Wirtschaftsregion der Welt. Gerade dann, wenn eine Region von Arbeitslosigkeit geplagt ist, kann diese Arbeitslosigkeit als ungehobenes Potential gesehen werden, was durch eine umlaufgebührengesicherte Regionalwährung aktiviert werden kann. Der Vorteil des regionalen Ansatzes liegt zudem darin, daß die Regionen selbst aktiv werden können ohne auf die vielbeschäftigten und unerreichbar weit entfernten Autoritäten der Bundes- oder Europapolitik warten zu müssen. Flexibilität und Eigenverantwortung in konsequenter Umsetzung.
Mehr Informationen: Regionales-Wirtschaften.de
Kommentare
Empfehlung:
Von Norbert am Thursday, 02. December 2004, 17:58
@Achim: Wie jedes andere Ding auf diesem Planeten können auch Währungen auf dem "Markt" gehandelt werden. Der Preis den dir jemand für einen "Regio" bezahlt, ist der "freie Wechselkurs".
Von Jost Reinert am Thursday, 02. December 2004, 19:02
Wir freuen uns, dass der 1er Rheingold von unserem Designer Michael Margos hier als Illustration dient. Der Artikel sagt etwas Wichtiges und Sinnvolles. Wenn wir Rheingolder einer Initiative Nützliches tun können, dann tun wir das gerne. Bitte e-mailen oder anrufen 0174-6088934.
Mit freundlichen Grüssen,
Jost Reinert
Von Jonas am Thursday, 02. December 2004, 19:06
Das Problem, das ich jetzt sehe, ist: der Geldkreislauf ist erst geschlossen, wenn die Regionalwährung von Arbeitnehmern für ihre Arbeit akzeptiert wird. Und das wird wohl erst passieren, wenn es den Leuten so schlecht geht wie in Wörgl oder Argentinien damals. Insofern müsste der Leidensdruck wohl erst noch um einiges zunehmen.
Erst dann werden auch die Nicht-Euro-gedeckten Systeme interessant, denn dann existiert ein richtiger Kreislauf und der Rücktausch wird unwichtiger. Aber bis zu diesem Leidensdruck müssen wir wohl noch warten... nicht untätig, sondern die Regionalwährungen aufbauend!
Von Jost Reinert am Thursday, 02. December 2004, 19:08
Zu den Einträgen 1 und 2:
In dem speziellen Fall Rheingold ist der Kurs zwei Rheingold zu einem Euro.
Der Vorteil von Regiogeldern ist ja, dass er als reines Kaufmittel kaufkraftstabil gehalten werden kann. Sollte also der Euro hyperinflationieren, bleibt Rheingold stabil. Und so ist das mit allen Regiogeldern, die einen eigenen Wechselkurs zum Euro haben.
Von Achim am Thursday, 02. December 2004, 19:57
@Norbert:
Danke. Eigentlich hätte ich mir meine Frage selbst beantworten können, wenn ich etwas nachgedacht hätte.
Von glady am Thursday, 02. December 2004, 20:39
Das ist Schnee von gestern, auch wenns es für den einen oder anderen neu klingt!
Umlaufgebühr funktioniert nicht (s. Link) und das was im Link steht ist nocht alles.
Die Idee führt auf Silvio Gesells Freiwirtschaft zurück in der er eindeutig erkannte, daß diese "Geldreform" nur in Verbindung mit einer Bodenreform stattfinden kann - was für heute bedeutet unumsetzbar!
Unter dem Strich beschreibt der obige Artikel die Wiedereinführung der Mark der DDR allein auf die, erkennbar vorhandenen Vorteile beschränkt! Die Nachteile, Benzinpreis 3,80; keine Bananen; alles muß Exportiert werden, um Valuta für Rohstoffimporte zu erlangen, und demzufolge Mangelwirtschaft der Mark-Region usf. werden dabei höflich ausgeblendet. Letzendlich wird wohl schon kritisch werden, wenn einer Heizöl kuafen möchte, das gabs für Mark der DDR nahezu auch nicht!
also der Link ist hat das oben beschriebene "Gedankenstadium" längst verlassen und trägt zur realeren betrachtung der Regiogelmöglichkeiten bei!
http://home.knuut.de/EWKberater/Geld/Grundlagen14.html
Gruß Glady
Von jost reinert am Thursday, 02. December 2004, 21:45
Zu dem Kommentar 7:
Ich schätze Egon W. Kreutzer sehr. Nur muss ich leider feststellen, dass er Regiogeld nicht begriffen hat. Er bleibt bei der Idee, dass "Geld" von oben kommen müsse. Das ist unglaublich schade. Insbesondere, wenn er jetzt hier instrumentalisiert wird für Zwecke (kein Regiogeld machen), die er sicherlich nie intendiert hätte.
Die Praxis wird eh erweisen, dass Regiogeld funktioniert, denn es ist eigentlich ganz einfach.
Dein, Gladys, Engagement in Ehren, Regiogeld zu zerreden wird einfach nicht fruchten.
Mit freundlichen Grüssen,
Jost Reinert
Von Norbert am Friday, 03. December 2004, 01:58
Ich schätze Egon W. Kreutzer auch sehr, aber das mit dem Freigeld hat er noch nicht verstanden. Genau wie Glady nicht verstanden hat, daß der Euro durchaus zusäzlich gilt und damit für Importgüter genutzt werden kann, wenn du Angst hast, daß ein regionales Geld die von dir genannten Güter nicht bereitstellen kann (wovon ich alles andere als überzeugt bin). Wie gesagt: Regionalgeld als wirtschaftliches Zusatzwerkzeug zum Euro kann nie schaden, sondern nur ungenutztes Potential wecken.
Was die "Unumsetzbarkeit" einer Bodenreform betrifft: Wenn Airbus in Hamburg Bodenbesitzer enteignen kann, so können sich die Leute einer Region auch entscheiden, dies zu tun. So abwegig ist also eine Rückverstaatlichung einmal privatisierter Sachen nicht. Wurde nicht auch in Argentinien ehemals Großgrundbesitzer-Boden an Landlose verteilt? Wurde nicht auch die privatisierte Bahn in Großbritannien nicht wieder in Staatseigentum überführt? Keine Angst, früher oder später wird auch die Eigentumsdebatte wieder geführt werden. An der Theorie von Marx ist schließlich einiges dran, obs uns nun paßt oder nicht.
Von Egon W. Kreutzer am Friday, 03. December 2004, 10:39
Gut, da habe ich also das Regionalgeld nicht verstanden.
Ein Stück meines Problems liegt vermutlich darin, dass ich versuche, zwischen dem Regionalgeld einerseits und umlaufgesicherten Währungen andererseits, zu unterscheiden.
In meiner ersten, ausführlicheren Würdigung der „Regionalen Komplementärwährungen“ habe ich meine Sympathie für regionale Währungsräume durchaus zum Ausdruck gebracht, aber auch deutlich gemacht, wo übertriebene Regionalisierung kontraproduktiv wird.
“Die Rückbesinnung auf eine regionale Geldversorgung ist daher prinzipiell eine gute Idee. Der Rückfall auf das Niveau von Gemeinde- oder Landkreiswährungen steht allerdings in keinem vernünftigen Verhältnis zu den wirtschaftlichen Gegebenheiten eines hochindustrialisierten und hochgradig arbeitsteiligen Landes.“
Der komplette Aufsatz ist hier nachzulesen: http://home.knuut.de/EWKberater/Geld/Grundlagen13.html
Nun habe ich mich vor ein paar Tagen mit der speziellen Problematik der „Umlaufsicherung“ auseinandergesetzt und dargelegt, warum eine umlaufgesicherte Währung - nach allem was ich weiß und mir vorzustellen vermag - im Rahmen freier Marktbedingungen als Primärwährung eines Wirtschaftsraumes nicht funktionieren kann.
Dieser Aufsatz ist vollständig hier nachzulesen:
http://home.knuut.de/EWKberater/Geld/Grundlagen14.html
Es ist mir dabei durchaus nicht entgangen, dass historische umlaufgesicherte Regionalwährungen (Wörgl, usw.) erfolgreich waren und dass es gegenwärtig Experimente mit umlaufgesicherten Regionalwährungen gibt.
Meine These, dass bei den historisch belegten Währungsexperimenten primär das zusätzliche Geld und seine regionale Bindung für die wirtschaftliche Erholung ausschlaggebend waren, nicht aber die Umlaufsicherung, kann durch die aktuellen Experimente in keiner Weise widerlegt werden, zumal nicht eines der Regiogeld-Vorhaben in seinen positiven Wirkungen auf den regionalen Wirtschaftsraum auch nur annähernd an die Erfolge von Wörgl anknüpfen kann.
Diese These gründet sich auf der Annahme, dass Geldmangel nicht primär dadurch entsteht, dass die breite Masse der Bevölkerung Sparstrümpfe füllt, sondern dadurch, dass die aus Zins und Zinseszins, aus Unternehmensgewinnen, Miet- und Pachteinnahmen resultierenden (leistungsfreien) Einkommen so hoch sind, dass die Empfänger dieser Einkommen auch beim besten Willen nicht mehr in der Lage sind, dieses Geld selbst zu verkonsumieren oder in realwirtschaftlichen Projekten zu „verinvestieren“. Es landet also in Bereichen außerhalb von Produktion und Leistungserstellung, unterliegt der sog. Dynamischen Hortung, ist weg vom Markt.
Dieses Problem ist mit der Umlaufsicherung nicht zu lösen.
Wenn ich nun vorschlage, dem durch die zusätzliche Bereitstellung vollkommen unbelasteten Geldes (keine Schuld entsteht, keine Tilgung erforderlich, kein Zins wird fällig) entgegenzuwirken, was nicht nur der Realwirtschaft erlaubt, sich im Rahmen des vorhandenen Bedarfes frei zu entwickeln, sondern gleichzeitig in einem „sanften Prozess“ die Fähigkeit des Kapitals, leistungsfreie Einkommen zu generieren, mindert, und dabei erkläre, dass dies – wenn es eben nicht zur beliebigen Geldschöpfung durch jedermann kommen soll, was der beliebigen Herstellung von Falschgeld gleichzusetzen wäre – einer zentralen Kontrolle und Steuerung bedarf, um die Geldmenge dem Bedarf entsprechend zu steuern, dann mag man mir das als „Obrigkeitshörigkeit“ auslegen.
Allerdings bin ich davon überzeugt, dass es in jeder „Organ-isationsform“ Funktionen gibt, die sinnnvollerweise dezentral wahrgenommen werden und solche, die sinnvollerweise zentral erledigt werden. Ich z.B. halte es für ausgesprochen angenehm, dass mein Körper für viele wichtige Funktionen zentrale Einrichtungen vorhält, während andere ganz autonom von jeder Zelle dezentral wahrgenommen werden.
Geldversorgung, als eine Aufgabe, die eine breite Wirkung auf alle Wirtschaftsteilnehmer hat, sollte m. E. einer zentralen Kontrolle und Steuerung unterliegen. Wenn ich dabei an Währungsgebiete denke, die zwar immer noch etwas kleiner sein können als Deutschland (darin hielte ich maximal für Währungsgebiete für sinnvoll), dann hat natürlich auch die „Zentrale“, das „Oben“, eine größere Verantwortung, weil ein Währungsgebiet mit einer Bevölkerung von 20 und mehr Millionen Menschen zu betreuen ist.
Doch wenn ich mich recht erinner, hat auch jedes Regio-Geld-Experiment seine eigene, zentrale „Verwaltungs-Institution“, der Unterschied ist also allenfalls quantitativ, lieber Jost.
Zusammenfassend:
Der Euro-Raum ist viel zu groß, um mit einer Währung den unterschiedlichen regionalen Bedürfnissen Rechnung tragen zu können. Das Chiemgau wiederum ist zu klein für eine eigene Währung.
Die von allen Regionalwährungsbefürwortern irgendwo und irgendwann einmal beteuerte „ganz einfache Möglichkeit“ frei zwischen den Regionalwährungen zu tauschen, weist durchaus in diese Richtung. Funktioniert aber nur, wenn ausreichende Transparenz über die zu tauschenden Währungen am Markt herrscht.
Die herzustellen mag mit großen Mühen möglich sein, einfacher ist es, gleich eine gemeinsame Währung zu benutzen.
Die von allen Regionalwährungsbefürwortern erhoffte Akzeptanz ihres Geldes als Zahlungsmittel für Steuerschulden, eine der Grundvoraussetzungen für das Überleben des Währungsexperimentes aus eigener Kraft - ist ein Traum, der eine starke Referenzwährung und eine harte Kursbindung der Regionalwährung an diese Referenzwährung erfordert, aber trotzdem in der „Zahlungsbilanz“ des Währungsraumes zu Verwerfungen führen wird.
Wenn also Regio-Währung, dann bezogen auf ein ausreichend großes, im guten Sinne „autarkes“ Währungsgebiet. Da bin ich dabei und dafür.
Die Umlaufsicherung halte ich für einen Irrtum.
Das Problem sind die viel zu hohen Einkünfte, die sich leistungsfrei aus Eigentum erzielen lassen, nicht in den Kreislauf der Realwirtschaft zurückfließen sondern sich als „Ansprüche auf Geld“ bei wenigen Vermögenden auftürmen und dazu zwingen, in einer endlosen Spirale der Neuverschuldung stets neues Geld bei immer den gleichen Gläubiger zu leihen, um damit Zins und Tilgung aus früheren Krediten zahlen zu können.
Die sind nur zu knacken, wenn der aus der Hortung geschaffene Geldmangel auf andere Weise behoben wird.
Verstanden?
Mit allerbesten Grüßen
Egon W. Kreutzer
Von Norbert am Friday, 03. December 2004, 12:13
@Egon: eMail-Antwort folgt. An und für sich stimme ich dir zu, unser Kern-Miß-Verständnis liegt offenbar in der Umlaufsicherung. Ich denk mal drüber nach, ob mir da noch was einfällt, um die genauer zu erklären.
Wie wärs mit folgendem: Leistungslose Einkommen entstehen aus Eigentum. Eigentum setzt sich aus verschiedenen Arten zusammen, da ist Geldeigentum, Bodeneigentum, Patenteigentum. Um leistungslose Einkommen gegen Null zu drücken muß man sich also jede Eigentumsform im Einzelnen vornehmen und die Umlaufgebühr nimmt sich also das Geld vor. Und dann funktioniert es, wie hier beschrieben: Der Geldhalter wird für die Rückführung seiner Liquidität in den Wirtschaftskreislauf nicht mehr durch Zins belohnt (exponentielles Wachstum + leistungslose EInkommen beim "Eigentum Geld" gebannt), sondern er wird bei Nicht-Rückführung bestraft. Damit wird auch die Wirtschaft regelmäßiger mit Liquidität versorgt, ein Problem, was du ja eher durch zusätzliche Kredite und Ausweitung der Geldmenge lösen willst (Inflationsgefahr!).
Ich sehe auch immer noch den Widerspruch der Geldfunktionen: Geld soll zugleich Tauschmittel und Wertaufbewahrungsmittel sein. Das ist aber, als hätte der Konstrukteur eines Autos Gas und Bremse auf ein einzelnes Pedal gelegt. Die Umlaufsicherungsgebühr zerstört die Wertaufbewahrungsfunktion des Geldes und hinterläßt es als reines Tauschmittel - und fördert damit natürlich eine arbeitsteilige Tauschwirtschaft wie die unsere. Der Widerspruch der Geldfunktionen ist hier der besondere Knackpunkt, den ich als systemisch denkender Wirtschaftsinformatiker als besonders wichtig und auch als besonders anschaulich für das Problem sehe. In einem System kann ein Systemteil nicht widersprüchlich sein, ohne das Gesamtsystem widersprüchlich laufen zu lassen.
Von Egon W. Kreutzer am Friday, 03. December 2004, 12:57
Ist es wirklich gottgegeben, dass eine Umlaufsicherungsgebühr den Zins verschwinden lässt?
Das ist m.E. nur eine Hoffnung, die leicht enttäuscht werden kann, weil
a) nichts einfacher ist, als zusätzliche Kosten durch Preiserhöhungen aufzufangen, dass also die Umlaufsicherungsgebühr schlicht in den Zins eingerechnet wird, genauso wie die Grundsteuer in die Miete.
b) Unser Geld überhaupt nur als Kredit in die Welt kommt. Wer also dem "Kreditschöpfer", dem "Gläubiger" für sein "Guthaben", seine "Forderung auf Geld" eine Gebühr abnimmt, der mindert die Neigung, überhaupt Darlehen zu vergeben und damit die in der Realwirtschaft verfügbare Geldmenge, ohne dass sich an dessen Ansprüchen auf Geld etwas verändert.
Ich gehe davon aus, dass Umlaufsicherung und Zins keinen unauflöslichen Widerspruch bilden, sondern sehr gut nebeneinander bestehen, auch, weil eine einheitlich hohe Umlaufsicherung die Allokationsfunktion unterschiedlich hoher Zinssätze nicht abbilden kann.
Dass Geld mehrere Funktionen hat, wird sich nicht ändern lassen. Ein Tauschmittel, dass keinen Wert repräsentiert, ist kein Tauschmittel. Es muss also zumindest über den (wenn auch minimalen) Zeitraum zwischen der Auszahlung des Lohnes und der Zahlung der Miete Wert aufbewahren können.
Was das Geld von anderen Tauschmitteln unterscheidet, ist nicht seine Wertaufbewahrungsfunktion, sondern seine nahezu uneingeschränkte Akzeptanz und seine oft vernachlässigte Funktion als "Wertmassstab".
Letztlich kann der Mensch alles als Tauschgut einsetzen, von der Biedermeier-Kommode bis zur Swatch-Uhr, vom Goldklumpen bis zur Kauri-Muschel. Die Frage ist weniger, ob diese Tauschmittel werthaltig sind, oder nur einen Wert repräsentieren, sondern ob sie beim Tauschpartner Akzeptanz finden und ob man sich hinreichend schnell über den "Tauschwert" einig wird.
Auch Geld verändert seinen Wert ständig. Jede Preisgestaltung im Supermarkt, die Preiserhöhung der Bahn, das Sonderangebot für den Ballermann-Urlaub verändern den Geldwert. Geld verliert durch Inflation, gewinnt durch Deflation an Kaufkraft im Binnenmarkt, es gewinnt oder verliert durch Währungsdisparitäten im internationalen Handel.
Es ist also keineswegs so, dass Geld das "ideale" Wertaufbewahrungsmittel ist.
Es ist aber andererseits auch keineswegs so, dass umlaufgesichertes Geld ein ideales Tauschmittel ist. Es verliert nämlich durch die Umlaufsicherung nicht nur ständig Wert, sondern auch Tauschkraft. Weil aber nicht alles auf dieser Welt notwendige Tauschen an einem einzigen Tag stattfinden kann, sondern sich über die Zeit in durchaus sinnvollen Abläufen hinzieht, ist die Umlaufsicherungsgebühr - für die von ihr Betroffenen - das gleiche Übel, wie die Inflation.
Wer das Geld am Stichtag hat, hat den Schwarzen Peter.
Ausserdem, leider muss ich es noch einmal wiederholen:
Ich will keine zusätzlichen K r e d i t e in Umlauf bringen, sondern schlicht und einfach zuätzliches Geld, das ist etwas ganz anderes!
(Es ist auch etwas anderes als ein Kredit mit negativem Zins von 100%, wie ich es neulich gelesen habe - es ist von Anfang an ein Geschenk!)
Und weil ich dieses zusätzlich Geld da einbringen will, wo es fehlt, und nur wenn es fehlt und nur solange es fehlt und nur in dem Maße,in dem es fehlt, kann es keine Inflation auslösen.
Und weil ich die gehorteten Ansprüche auf Geld, dadurch und in dem Maße, wie ich zusätzliches "freies, unbelastetes" Geld in den Markt bringe, ihrer Möglichkeit, Geld (und daraus Zins-Einnahmen) zu schöpfen benehme, kann daraus auch keine Inflation entstehen.
Und weil ich außerdem gefährlich hohe Akkumulationen von "Ansprüchen auf Geld" einer hohen Steuer auf das Vermögen unterwerfe und Geld-Transaktionen, die hohe Freigrenzen überschreiten, ebenso besteuern will, kann selbst der böswillige Versuch, eine Inflation zu erzeugen, beherrscht und ausgebremst werden.
Allen Diskutanten ein schönes Wochenende
Egon W. Kreutzer
Von Norbert am Friday, 03. December 2004, 13:22
@Egon: a) Sicherlich werden die Gebühren auf die Preise umgelegt. Aber: 5% Jahresgebühr auf die zirkulierende Geldmenge sind ein Witz gegen 5% Zinsen auf die investierte Geld- und Sachkapitalmenge! Die Geldgebühr ist bezogen auf den Umsatz einer Volkswirtschaft vernachlässigbar gering.
b) Niemand hindert dich, umlaufgesichertes Geld als Geschenk unters Volk zu bringen. Niemand sagt, daß eine Geldmengenausweitung per Kredit unbedingt ein zinsbehafteter Kredit sein muß. Kann ich nicht auch Geld durch 0-Zins-Kredite in Umlauf bringen? Kredit ist also nicht gleich zinsbehaftet!
Die Umlaufgebühr ist kein Ersatz für die Allokationsfunktion des Zinses! Die Umlaufgebühr senkt die Preise am Geldmarkt, weil der Geldhalter unter (Kosten-)Druck steht. Die Allokationsfunktion des Zinses wird nicht abgeschafft! Nur haben bei einem Geldmarktzins von um 0% andere Märkte, die kaum Verzinsung erzielen (Umwelt, Soziales, Bildung) dann erst die Möglichkeit, liquide Mittel zu alloziieren. Der heutige ständig positive Zinssatz an den Geldmärkten benachteiligt die anderen Märkte und hebelt so den Marktmechanismus aus.
Geld ist kein ideales Wertaufbewahrungsmittel, sicherlich. Aber aus Sicht eines Individuums mit beschränkter Information das beste, was man finden kann. Inflation wirkt eher langfristig und wird vom Individuum nicht wahrgenommen, so lange die Inflationraten niedrig sind. Psychologisch gesehen ist Geld damit ein sehr passables Wertaufbewahrungsmittel und diese Funktion sollte eben deshalb besonders beobachtet werden, weil sie in direktem Widerspruch zur Tauschmittelfunktion steht: Geld, was aufbewahrt wird, läuft eben grade nicht um. Die Wertaufbewahrungsfunktion des Geldes torpediert also direkt seine Tauschfunktionalität, die absolute Notwendigkeit in einer arbeitsteiligen Gesellschaft ist.
Von Egon W. Kreutzer am Friday, 03. December 2004, 14:13
Hallo Norbert,
verstehe ich das richtig, du hältst es für ausreichend, die Umlaufgebühr auf das Bargeld und bargeldähnliche Sichteinlagen zu erheben?
Wohin führt das denn?
Zum erwünschten, schnelleren Geldumlauf oder doch nur zum endgültigen Verschwinden des Bargelds und zu dauerhaft negativen Salden auf den Girokonten?
Und wie soll das zu sinkenden Zinsen führen, weil "der Geldhalter" unter Kostendruck steht?
Wer ist denn der Geldhalter, welches Geld hält er denn? Liegen irgendwo massenhaft ungenutzte Euro-Scheine herum, oder was meinst du?
Wir haben Geldmangel, weil die Ansprüche des Geldvermögens Jahr für Jahr mehrere hundert Milliarden Euro vom deutschen Markt räumen.
Es sind Ansprüche auf Geldzahlungen, die in aller Regel laufende Fälligkeiten aufweisen.
Um diese Milliarden bezahlen zu können, müssen Schulden gemacht werden. Aber immer wieder bei den gleichen Gläubigern, die ihre "Ansprüche" Vermögen nennen und daraus von den Banken Geld für den Schuldner "herbuchen" lassen.
Der eigentliche Nutzniesser des Geldsystems, der Zinsempfänger, hat doch keinerlei Nachteil, keinerlei Kostendruck von einer Umlaufsicherungsgebühr, die nur das von ihm erst ermöglichte, in der Wirtschaft (also bei anderen) umlaufende, überwiegend von Schuldnern gehaltene Geld belastet.
Und die Schuldner, die bereits unter der Zinslast stöhnen, werden sich weiterhin sehr wohl überlegen, ob sie ihr Geld, ob umlaufgesichert oder nicht, lieber in den Konsum geben, also die Wirtschaft beleben, oder ob sie damit lieber einen Teil ihrer Schulden tilgen. Sind die Schulden aber getilgt, ist das Geld verschwunden und kommt erst wieder zum Vorschein, wenn ein neuer Kredit ausgereicht wird.
(In Wahrheit muss der neue Kredit ausgereicht sein, bevor getilgt werden kann, weshalb der Vermögensinhaber niemals Geld halten muss, sondern immer nur Ansprüche auf Geld, die von der Umlaufsicherungsgebühr, wie hier besprochen, nicht belastet werden.)
Die Umlaufsicherungsgebühr nur auf Bargeld und Sichteinlagen trifft, was die erhoffte Wirkung angeht, voll ins Leere.
Nochmals
schönes Wochenende
Egon W. Kreutzer
Von Norbert am Friday, 03. December 2004, 14:37
@Egon: Ich halte es für ausreichend, die Gebühr nur auf Bargeld zu erheben! Banken sind nur Nutzer eines solchen Geldsystems und agieren entsprechend den Marktregeln. Giralgeld entsteht demnach nur dann, wenn Wirtschaftsteilnehmer ihr Bargeld zu den Banken bringen und dort verBUCHen lassen. Sammelt sich nun mehr (Bar!)Geld bei den Banken als sie an Krediten ausgibt, so ist auch die Bank von den Gebühren betroffen und reagiert entsprechend. Welche Reaktionsmöglichkeiten hat sie? Sie kann Kunden abweisen (Danke, wir haben schon genug Geld und finden niemanden, der es haben will) oder sie kann die entstehenden Kosten auf die Giralgeldhalter umlegen. Da die Kosten für die Bank aber nur durch das Bargeld entsteht, aber die Giralgelder viel größer sind (Giralgeldschöpfung der Banken auf Basis des Bargeldes), so ist die Gebühr auf dem Giralgeld geringer als auf dem Bargeld. Du kannst, wenn du das willst, es als "negative" Verzinsung von Giralgeldguthaben ansehen. Wirkung: Giralgeld wird in langfristige Geldanlagen umgewandelt. Dabei gilt: Der Giralgeldeigentümer ist immer noch besser dran, wenn er 0% Habenzinsen kriegt, als wenn er die Gebühren tragen muß. Dies verstehe ich als "Druck auf den Geldhalter" und daraus sinkendes Zinsniveau.
Daraus resultiert: Die Bank kann Kredite vergeben bzw. Investitionen fördern, die KEINE RENDITE abwerfen. Aus Sicht der Bank ist auch das lohnend: Anstatt die Gebühr für das "überschüssige Geld" zahlen zu müssen ist es sinnvoller, das Geld in entsprechende Nullzins-Projekte zu stecken. Das meine ich wenn ich sage, Investitionen in Bildung, Soziales und Umwelt werden LOHNEND. Thomas hat dieses Verhalten eines einzelnen Marktteilnehmers in seinem Buch als "lokale Optimierung" bezeichnet.
Natürlich gilt: Wenn du NUR EINE BANK hast, dann wird diese ihr Monopol ausnutzen und trotzdem Zinsen von den Kreditnehmern erpressen. Deshalb ist eine funktionierende Wirtschaft immer nur dann möglich, wenn Monopole jeder Art verhindert werden - und sei es durch Vergemeinschaftung dieser Monopole (="Volkseigentum").
An der Situation im heutigen Euro-System ändert dies erstmal nichts, das gebe ich zu. Die Schuldenlast bleibt gleich. Aber! Aber: Dank Wettbewerb ist ein Regiogeld mit Niedrigzinsen im Vorteil gegenüber dem Euro-System. Investitionen sind im Regiogeldsystem viel billiger, da die Zinsen niedriger sind. Wie jede Wettbewerbssituation wirkt auch diese auf die anderen Marktteilnehmer - In dem Fall auf die Geldbesitzer im Euro-System. Auch dort werden im Laufe der Zeit die Zinsen sinken, wenn erstmal ein Währungswettbewerb existiert. Dann löst sich dein Problem der Schuldenlast der Wirtschaftsteilnehmer langsam auf und zwar beginnend damit, daß zwar noch die Schulden da sind, aber durch die sinkende Verzinsung 1. stagnieren und 2. wesentlich leichter abtragbar sind. Ich denke zwar, so weit kommen wir gar nicht mehr, weil das Euro-System vorher abkackt, aber wenn alles "glatt" läuft wäre das eben der normale Vorgang in einem normalen Markt...
Auch ein schönes Wochenende wünscht
Norbert
Von Achim am Friday, 03. December 2004, 19:23
Zunächst einmal möchte ich sagen:
Es ist sehr schade, dass wir diese interessante Diskussion hier in unserer Freizeit führen, während die Volkswirtschaftler an den Universtäten und anderen Institutionen sich mit dieser ganz Grundlegenden Frage um leistungslose Einkommen nicht beschäftigen, obwohl sie ja sogar dafür bezahlt würden, sich damit zu beschäftigen.
Urprünglich war Wissenschaft ja dazu gedacht, dem Fortschritt für den Menschen zu dienen.
Zwei kleine Anmerkungen zur Inhaltlichen Diskussion:
@Norbert:
Bei einer Umlaufsteuer auf Bargeld, würde das meiste Bargeld nicht bei den Geschäftsbanken landen, wie du oben schreibst, sondern die Geschäftsbanken würde den größten Teil an die Zentralbank zurückgeben. Auch jetzt werden ungenutzte Bargeldreserven kurzfristig an die Zentralbank zurückgegeben, um dadurch die Zinsen zu sparen. Die Geschäftsbanken bezahlen ja auf das ganze im Umlauf befindliche Bargeld Zinsen an die Zentralbank, was dann einen Teil des Zentralbankgewinns bzw. Bundesbankgewinns ausmacht, der an den Fiskus überwiesen wird.
@Egon:
In deinem Ihrem neuen Artikel
http://home.knuut.de/EWKberater/Geld/Grundlagen14.html
gehen sie auf vier Arten der Umlaufsicherung ein, darunter "Gebühr auf Bargeld", Sichtguthaben sind dann in dem Artikel mit eingeschlossen.
Dies ist ja auch die von den meisten Freigeldanhängern befürwortete Art der Umlaufsicherungen.
Hier fiel mir auf, dass ihre Kritikpunkte alle rein technischer Art nicht und nicht die Systematik an sich in Frage stellen. Sie schreiben da von Girokonten, die dauerhaft überzogen sind, um die Gebühr zu vermeiden.
Um solche Tricksereien zu vermeiden, könnte man ein eigenes Gesetzeswerk erlassen. Wir haben schon so viele Gesetzbücher, da kommt es auf einer mehr oder weniger nicht mehr an. Notfalls könnte man auch sämtliche Geschäftsbanken verstaatlichen, oder zumindest von staatlicher Seite regulierend in den gesamten technischen Ablauf von Kontobuchungen eingreifen.
In diesem Thread weiter oben haben sie dann tatsächlich systematisch vom theoretisch abgeleiteten Ansatz her gegen die Umlaufsicherung argumentiert und nicht nur technisch, also dass sie umgangen werden könnte.
Ich gehe darauf jetzt nicht im einzelen ein, da ich mir selbst auch noch nicht ganz sicher bin, was letztlich die zu hohen Geldzinsen verursacht.
Ich möchte aber zu bedenken geben, dass der größte Teil der Schulden und Vermögen schon lange als solche verbucht sind, und nur ab und zu quasi erwachen und wieder dem gerade aktuellen Zinssatz unterworfen werden. Für die Höhe des Zinssatzes sind jedoch die aktuell umlaufenden Geldströme entscheidenend, und nicht die Höhe der längerfristig geparkten Geldvermögen und Schulden. Insofern könnte eine Umlaufsicherung schon Sinn machen.
Von Achim am Friday, 03. December 2004, 19:33
(Rechtschreib- und Flüchtigkeitsfehler ausgebessert)
@Egon:
In Ihrem neuen Artikel
http://home.knuut.de/EWKberater/Geld/Grundlagen14.html
gehen sie auf vier Arten der Umlaufsicherung ein, darunter "Gebühr auf Bargeld", eine Gebühr auf Sichtguthaben ist dann in dem Artikel mit eingeschlossen.
Dies ist ja auch die von den meisten Freigeldanhängern befürwortete Art der Umlaufsicherung.
Hier fiel mir auf, dass ihre Kritikpunkte alle rein technischer Art sind und nicht die logische Systemfunktion der Umlaufsicherung an sich in Frage stellen. Sie schreiben da von Girokonten, die dauerhaft überzogen sind, um die Gebühr zu vermeiden.
Dazu meine ich:
Um solche Tricksereien zu vermeiden, könnte man ein eigenes Gesetzeswerk erlassen. Wir haben schon so viele Gesetzbücher, da kommt es auf eines mehr oder weniger nicht mehr an. Notfalls könnte man auch sämtliche Geschäftsbanken verstaatlichen, oder zumindest von staatlicher Seite regulierend in den gesamten technischen Ablauf von Kontobuchungen eingreifen.
In diesem Thread weiter oben haben sie dann tatsächlich systematisch vom theoretisch abgeleiteten Ansatz her gegen die Umlaufsicherung argumentiert und nicht nur technisch, also dass sie umgangen werden könnte.
Ich gehe darauf jetzt nicht im einzelen ein, da ich mir selbst auch noch nicht ganz sicher bin, was letztlich die zu hohen Geldzinsen verursacht.
Ich möchte aber zu bedenken geben, dass der größte Teil der Schulden und Vermögen schon lange als solche verbucht sind, und nur ab und zu quasi erwacht und wieder dem gerade aktuellen Zinssatz unterworfen wird.
Für die Höhe des Zinssatzes sind jedoch die aktuell umlaufenden Geldströme entscheidenend, dies hat Helmut Creutz gut dargestellt.
Die Höhe der längerfristig geparkten Geldvermögen und Schulden spielt für die Bestimmung des Zinssatzes keine Rolle. Insofern könnte eine Umlaufsicherung schon Sinn machen.
Von Hans Eisenkolb am Friday, 03. December 2004, 19:55
Hallo,
Egon Kreutzer hat die Umlaufsicherung sicher NICHT verstanden, dabei bräuchte er nur einmal bedenken, dass in Wörgl 1/2 Schilling Geldmenge pro Benützer ausreichte um mit 5000 Schillingen unter etwa 10.000 Benützern 3 Millionen Waren zu bewegen, während dieselbe Menge Nationalbankgeld in derselben Zeit nur etwa 40.000 Schilling wert bewegte. DAS ist der Unterschied, den er nicht sieht und den ihm anscheinend niemand zeigen kann.
Die durch das umlaufgesicherte Geld bewegte Waren und Leistungsmenge ist der Unterschied. Wáren nicht umlaufgesicherte 5.000 zusätzliche Schillinge ausgegeben worden, hätten die auch nur 40.000 Schilling wert an Waren bewegt. Die 2.960.000 machten den Unterschied in Wörgl und Umgebung aus.
Uns ist es bisher leider noch nicht gelungen, einen Kreislauf, wie in Wörgl auch nur annähernd zu erreichen. Wir wissen auch warum und sind dabei, dieses Problem zu lösen.
Übrigens, bevor die Zahlen von Wörgl angezezweifelt werden und die einzige Zahl, die angezweifelt werden kann, sind die 3 Millionen, die übrigens auf einer Schätzung eines Gegners beruhen, dann nehmt ruhig nur eine Million an. Selbst dann bleiben 25 mal so viel Umsatz mit umlaufgesichertem Geld übrig als mit normalem Geld. Wie viele Gewerbetreibende möchten den nicht haben?
Gruss Hans
Von Thomas K. am Friday, 03. December 2004, 23:10
Ich habe mir einmal die Mühe gemacht und das erste Drittel von Kreutzers text bis in die Details zu kritisieren. Die anderen zwei Drittel folgen in den kommenden Tagen. Ich kann Kreutzer nur dringend empfehlen mein Buch zu lesen, damit er überhaupt erstmal versteht was Freigeld ist, bevor er es kritisiert.
Von Achim am Friday, 03. December 2004, 23:27
Leute, wir kämpfen doch mehr oder weniger alle auf der selben Seite. Wir sollten uns nicht gegenseitig unfair attackieren.
Formulierungen wie "damit er überhaupt erst einmal versteht...." dienen doch nicht unserer Sache. Bitte konstruktiv bleiben.
Von Ralf am Friday, 03. December 2004, 23:28
Hallo alle zusammen,
das geweckte Interesse ist es denn eher als meine Fachkompetenz in Sachen Finanzpolitik, dennoch ein paar ehrliche Fragen (ich habe erst vor Kurzem vom Wörgl gelesen):
Wer hatte administrierende/regulierende Hoheit? -> Ein mutiger Bürgermeister und die kommunalen Verantwortlichen. Gibts die heute noch, auch mit solch einem rechtlichen Freiraum, um Gebühren auf Geld zu erheben?
Wie viele Gesetze und sonstige Regularien gab es damals, wieviele dagegen heute?
Not macht erfinderisch, das galt für Wörgl oder auch Argentinien. Wie aber holt man den "Verwöhnten deutschen Michel" vom Televisor weg, wo ihm in bunten Werbebildern suggeriert wird, was ihm noch alles fehlt und ihm schließlich die bunten Euroscheine in Form von Krediten förmlich wie Zucker in den A.... geblasen werden, egal was kommen mag?
Die Idee selbst finde ich gut. Die Idee von einer besseren DDR hatten ja auch die meisten Bürgerrechtler der DDR (von denen viele - wie z. B. Robert Havemann sogar Kommunisten waren), dennoch hat sie das Volk übertönt, geblendet von der DM. Heute sind die Bürgerrechtler verstreut, kaum noch wahrnehmbar, von den Parteien geschluckt (die meisten von den Grünen - na dann regieren sie jetzt sogar...!).
Ich denke, da muss es wohl erst ein Schlüsselerlebnis eintreten; es muss ja kein Krieg und erst recht kein 9/11 sein, aber erschütternd für das Volk und deren (finanzieller) Existenz gerade mal.
Von Andre´ Hothas am Monday, 06. December 2004, 02:26
Kann Ralf (21.)nur voll und ganz beipflichten !
Das eigentliche Problem besteht nicht darin, den ultimativen Lösungsansatz für heutige Wirtschafts- und Geldprobleme zu küren, sondern die Masse der Bevölkerung zu gewinnen !Leider konzentriert diese sich mit steigender Belastung immer ausschließlicher auf das tägliche Überleben, anstatt neue Wege in Betracht zu ziehen. Es ist auch absehbar, daß die globale wie nationale Hochfinanz nichts unversucht lassen wird, ihre Position zu sichern, indem sie das "Fußvolk" weiter verunsichert und ausnimmt.
Jedes, auch jedes kranke System, versucht halt zu überleben, koste es was es wolle.
Daher denke ich: Mit einer Revolution von unten ist demnächst nicht zu rechnen. Noch nicht einmal mit einer "sanften".
Von Achim am Monday, 06. December 2004, 09:39
75% der Schuld daran trägt meines Erachtens das Privatfernsehen. Und wer hat das eingeführt? Die Kohl-Regierung. Und warum? Wegen Profiten.
Von Christian am Monday, 06. December 2004, 13:53
@23: Das Privatfernsehen? Ich dachte, Marilyn Manson und die Alt-68er. Oder vielleicht Möllemann? Könnten auch die Illuminaten schuld sein oder, was irgendwie keiner berücksichtigt, die Außerirdischen. Ach was, schuld sind ganz einfach die "terribles généralisateurs". Hehe...
Von Norbert am Monday, 06. December 2004, 14:25
@Christian: *g* Auf jeden Fall sind immer die anderen schuld ;-) Wie auch immer: Die fetten Jahre sind vorbei! *g*
Von Achim am Monday, 06. December 2004, 17:15
Meinen zweizeiligen Beitrag hat ich natürlich nicht so fundiert recherchiert. Ich wollte einfach mal einen Seitenhieb auf das Privatfernsehen loslassen.
Von Norbert am Monday, 06. December 2004, 17:23
@Achim: Also ich denk ja jeder ist selbst Schuld. Wir wollen doch Privatfernsehen, oder? Wir wollten doch Kohl, oder? Und wir wollen doch auch Profite, oder?
Und wenn nicht, was wollen wir denn sonst?
Von Michael am Monday, 06. December 2004, 20:47
Die Chance welche die ('89er)Bundesrepublik mit dem Plattmachen der ostdeutschen,industriellen Kerne, mit dem Nichtnutzen des geistigen und tatkräftigen Potentials an Menschen vertan hat, ist ... passe. Wie es hätte passieren können, sieht man sehr anschaulich an der heutigen VR_China! Whatever, ich finde es irgendwie drollig(um nicht unter die Gürtellinie zu schlagen) wenn sich hier Gedanken über die Ostzone gemacht werden, die so unnütze sind wie; sagen wir 'mal; der Bundesrat. Die Entindustriealisierung des Nord-,West-, und Südteils der BRD ist doch schon in vollem Gange. Aber nicht nur hier, auch in Frankreich oder England oder gar USA sieht es nicht anders aus! Kann hier gegen eine neue Regionalwährung helfen? Kaufen Sie für 49.- Euro einen taiwanesichen DVD-Player oder 110.- Euro oder 470.- Hinkelsteine ein deutsches Produkt der selben Qualität. Alle ernsthaften Ökonomen dieses Planeten sagen die Entwicklung zur 20/80 Gesellschaft voraus. Das soll heißen: Es werden unter diesen Umständen nie mehr alle arbeitsfähigen(-willigen) Menschen arbeiten können. Nein das ist alles nur Symptomdoktorei. Wir sollten ernsthaft die Stellung der Geldes in unserer Welt überdenken. Ich sage Euch. Wenn es Geld dafür gäbe, unseren Planeten in die Luft zu sprengen, würden wir schon längst nicht mehr so fröhlich palavern!
Von Norbert am Monday, 06. December 2004, 21:27
@Michael: Wenn ein deutsches Produkt das 4fache kostet, so verdient der daran Arbeitende auch entsprechend das 4fache. Wenn alle 100 Euro Richtung Taiwan weggeben muß sich niemand wundern, wenn hier keine Jobs mehr sind, die Leute kein Geld verdienen und sich irgendwann auch keine taiwanesischen Produkte mehr leisten können.
Es ist nicht wichtig, wie teuer ein Produkt ist, sondern wie teuer ein Produkt im Verhältnis zum Verdienst ist. Und da helfen Regionalgelder. Denn sie sorgen dafür, daß die Kaufkraft in der Gegend bleibt. Im Laufe der Zeit würde deshalb eine ganz eigene Elektronik-Industrie entstehen.
Aber du hast Recht: Alles andere läuft auf eine 20/80-Gesellschaft hinaus, die dann eine 10/90-Gesellschaft wird, dann 5/95 und irgendwann gibts wieder Krieg. Denn: Es gibt leider Geld dafür, den Planeten in die Luft zu sprengen, genau das ist ja das Problem...
Von Ralf am Wednesday, 08. December 2004, 11:31
@Norbert: Ich halte es für reine Spekulation, dass hier eine Proportion vorliegt. Eher ist es doch so, dass in Fernost (oder wo auch sonst noch) höhere Profite zu erzielen sind. Und diese Profite entstehen durch verschiedenste Formen wirtschaftlicher Ausbeutung (Natur, Arbeitnehmer/Zwangsarbeiter, Produktpiraterie etc.)
Ein einschneidendes Problem stellt der Handel dar. In der BRD gab es einen "Aufschwung" durch den Konsumboom in den Ostländern. Als aber ab 1993 der zollfreie Handel innerhalb der EU startete, wurden durch diese (wegen erhöhter Nachfrage gestiegenen Preise) plötzlich torpediert von unverzollten, billigeren EU-(Import-)waren. Die Leidtragenden: kleinere Unternehmen und der Einzelhandel. Die Blue-Chips nutzten den Handel im großen Stil und forcierten zunehmend auch den Welthandel...
Problematisch bleibt, dass Regionalgeld nur in der Region "wirksam" bleibt. Die Metro AG wird da nicht mitmachen, genauso wenig wie die Einkaufstempel auf den "Grünen Wiesen". Selbst wenn dann noch der (oft aus Fördermitteln finanzierte) Regionalförderer 'ne schöne Kuschel-Rede auf der Regionalmesse hält, so hält er sie doch meist nur deshalb, weil er ja dafür sein Gehalt kriegt.
Schuld - und da bin ich mir ganz sicher - ist der moralische Verfall dieser Gesellschaft! Diese "Geiz ist geil"-Mentalität, das bewusste (!) Ausnutzen von Notsituationen (z.B. "Abschöpfen", vs. Beiseiteschaffen von Fördermitteln), die Enwicklungstendenzen der Medienlandschaft...
Sicher ist Freigeld eine vieler Möglichkeiten, um das gegenseitige Fördern/Zusammenleben wieder zu beleben. Wenn das aber nicht auf breiter, gesellschaftlicher Ebene passiert, dann machen sich alle nur was selber vor.
Von Achim am Wednesday, 08. December 2004, 22:32
Die Ursache des moralischen Verfalls ist der Kapitalismus.
Als Erholungsurlaub von unserer zwischenmenschlichen Kälte empfehle ich Aufenthalte in nicht-westlichen Staaten. Dabei die Nähe zu Einheimischen suchen (nicht im Luxushotel einbunkern) und die Landessprache lernen.