Börsengang: Warum die UNO Facebook enteignen sollte
17. Mai 2012100 Milliarden US-Dollar will der 28jährige Zuckerberg von stimmrechtslosen Aktionären seines “Gesichtsbuchs” einsammeln, wo die Frage gestattet sein muss: Was genau an Facebook ist eigentlich soviel Geld wert? Geld verdienen, das tut Facebook mit Werbung. Werbung, das sei jenen gesagt, die Werbeblocker nutzen und ihre Aufmerksamkeit anderen Dingen widmen, ist der Versuch von Unternehmen, Menschen auf subtilem Wege davon zu überzeugen, Dinge zu kaufen. Werbung selbst hat wenig Nutzen, auch wenn es mancher Marketingmann schafft, ihnen etwas Witz zu geben und somit wenigstens einen Hauch von Freude zu produzieren. Fernsehwerbung ist schon lange keine Freude mehr, sondern Diebstahl der Lebenszeit der Zuschauer.
Facebook ist ein global wirkendes Unternehmen. Global betrachtet aber muss die Frage gestellt werden: Was genau bringt uns als menschlicher Gesellschaft eigentlich dieses Unternehmen. Und noch mehr: Was bringt es uns, dass ein Pimpf wie Zuckerberg die diktatorische Macht über diese Plattform hat. Der Verweis auf die Diktatur des Unternehmensgründers ist wichtig, denn mit 900 Millionen Nutzern ist Facebook eben keine kleine Klitsche aus der Nachbargarage, sondern eine Plattform von globaler Bedeutung. Eben diese Größenordnung ist es auch, die immer mal wieder Vergleiche mit einem Staat aufkommen ließen – sind 900 Millionen Nutzer doch fast soviel wie die Chinesische Volksrepublik an Bewohnern hat und mehr als doppelt so viel, wie es Europäer gibt.
Facebook ist ein kommerzielles Unternehmen. Der “Börsengang”, also der Verkauf von Unternehmensanteilen, betont diese kommerzielle Ausrichtung. Zwiespältig ist sie vor allem, weil Facebook selbst ja als “soziales Netzwerk” gilt und die Kommerzialisierung des Sozialen selten ein Weg war, der viel Soziales übrig ließ. Dennoch ist erstaunlich, welche Bedeutung dieses Plattform erreicht hat: Hunderte Millionen Menschen aus allen Ecken der Welt kommunizieren über dieses System! Doch es ist als Verschwendung anzusehen, wenn der einzige Nutzen dieser Plattform letztlich sein soll, Werbeanzeigen zu verkaufen oder – fast noch schlimmer – die Werbung, diesen modernen Lebenszeitfresser, so “sozialisieren”, noch “intelligenter” zu machen, um noch mehr Mist zu verkaufen – dessen Produktion immer mit der Nutzung der zunehmend knapper werdenden Ressourcen einhergeht. Um wieviel interessanter wäre es denn, wenn nicht Werbeschaltungen die “hidden agenda” dieser Plattform wären, sondern die Evolution der globalen Demokratie?
Daher die Aufforderung: Die UNO als derzeit wichtigste globale Vertretung, sollte Facebook enteignen und de Plattform unter der Zielstellung, die Menschen aller Kulturen einander näher zu bringen, einsetzen. Facebook könnte um wahrlich soziale Werkzeuge erweitert werden: Um Kommunikationskanäle zu den wichtigen globalen Fragestellungen, um (digitale) öffentliche Räume, um an Lösungswegen für relevante Probleme zu arbeiten, um Abstimmungstools, um Demokratie zu ermöglichen – in Ländern, die heute schon als Demokratie gelten, in solchen, die es noch nicht tun und vor allem: Als Tool für eine echte globale Demokratie!
Solcherart Demokratiewerkzeug ist mit dem kommerziellen Ansatz nicht vereinbar, in den Facebook sich mit dem Börsengang in beschleunigtem Maße hineinbegibt. Exponentiell drückende Zinsansprüche auf eingesetztes Kapital neigen dazu, das Verkaufen in den Vordergrund zu stellen und drücken alles beiseite, was sich nicht in Dollar messen läßt. Doch die Nationen dieser Welt könnten mit Hilfe dieses Tools sehr schnell etwas erreichen, was es noch nicht in der Geschichte der Menschheit gab: Einen runden Tisch, an dem bereits heute fast 20% der Menschheit sitzen.
Artikel lesen...