Das Bilderberger-Syndrom

11. Juni 2010

Wer hat Angst vor den Bilderbergern?

Für Neulinge: Die Bilderberger heißen so, weil “sie” sich in den 1950ern erstmals in einem gleichnamigen Hotel in Holland trafen. “Sie”, das waren und sind eine erlesene Gruppe von Menschen, die Schlüssel- und Entscheidungspositionen in Politik, Wirtschaft und Presse besetzen. Die letzte Konferenz fand jetzt Anfang Juni bei Barcelona statt und aus dem deutschsprachigen Raum waren unter anderem Herr Ackermann (Deutsche-Bank-Chef), Olaf Scholz (SPD-Vize) sowie Leute von Daimler, Siemens und Airbus da. Die Gruppe setzt sich aus Menschen aus Europa und den USA zusammen, womit der geopolitische Schwerpunkt schonmal geklärt ist.

Nun hat dieses Treffen für viele aber “seltsamen Charakter”. Es gibt keine Pressekonferenz, keine öffentlich nachlesbaren Beschlüsse, keine detaillierten Aussagen zu den besprochenen Themen. Dies führte in den letzten Jahren dazu, daß “die Bilderberger” ein gewisses Maß an Bekanntheit erlangten – speziell innerhalb der kritischen Szenerie im Internet. Diese Bekanntheit ist intensiv mit Mißtrauen verbunden, weshalb dem Treffen schonmal zugeschrieben wird, die geheime Weltregierung zu sein oder zumindest: sie anzustreben. Vielleicht, so kann man hier und da lesen, steuern die Bilderberger alles, was so passiert. Wehe dem, der dieser Truppe zu nahe kommt, es könne ihn das Leben kosten… !?

“Leben kosten”?

In letzter Zeit häufen sich Gespräche, bei denen mein Gegenüber (oder ein Bekannter des Gegenübers) um sein Leben fürchtet. Potentieller Lebensnehmer: Die Großindustrie. Oder wahlweise: Die Bilderberger oder eine vergleichbare Gruppe. Man fürchtet sich zunehmend. Wovor? Davor, daß man “denen da oben”, “den Großen” in die Quere kommt. Wodurch? Technische Innovationen (Stichwort: “freie Energie”) oder auch mal durch “zuviel Wissen”.

Seit 2001 mache ich “feldpolitik” und ich lebe immer noch. Aber ich erinnere mich an diese paranoide Phase, wo ich glaubte, ich sei so wichtig, daß im Hotel gegenüber die Kameras auf mein Fenster gerichtet sind, daß Leute mich verfolgen oder ich mit dem schlimmsten rechnen sollte. Sie hielt nur kurz, diese Phase. Ich nenne es: Das Bilderberger-Syndrom.

Daß man zuviel Angst oft nicht gebrauchen kann, stand schon anderswo geschrieben. Je länger der Auflösungsprozess des bestehenden Systems dauert, umso wichtiger wird diese Erkenntnis! Wer möchte in einer Gesellschaft leben, in der Mißtrauen und Angst die soziale Atmosphäre dominieren? Denn die Paranoia, die das Bilderberger-Syndrom auslöst, überträgt sich natürlich auch in das eigene, persönliche Umfeld. Wer weiß schon, wer “noch dazu gehört”?

Ich halte die Bilderberger-Konferenz inzwischen für ein ganz normales Treffen von Leuten, die miteinander nunmal zu tun haben. Die Organisatoren haben inzwischen auf den paranoiden Druck der Öffentlichkeit reagiert und eine Internetseite ins Netz gestellt, auf der Grundinformationen, eine Historie und Anwesenheitslisten zu finden sind: bilderbergmeetings.org. Dort wird betont, daß die dreitägige Zusammenkunft ohne Öffentlichkeit eine Chance für die Anwesenden ist, frei zu sprechen und ihre Gedanken auszutauschen. Daß man nicht mit jedem über alles reden kann, weil man dann schnell mal als Spinner etikettiert wird, wissen all jene, die sich mal mit “seltsamen Ideen” auseinandergesetzt haben und versucht haben, die im eigenen Umfeld zu diskutieren. Für Menschen, die als CEOs oder Vorstandsmitglieder in der Öffentlichkeit stehen, besteht das “eigene Umfeld” unter anderem aus der Presse. Und dass die sich auf “seltsame Aussagen hoher Funktionäre” gern stürzt, wissen wir alle. Wo und wie also soll Joseph Ackermann seine Gedanken über einen Zusammenbruch des Weltwährungssystems mal diskutieren, wenn nicht im kleinen Kreis? Diskutiert er darüber in der Öffentlichkeit, dann ist der Zusammenbruch übermorgen da, weil morgen die Presse die Meinung des Bankenchefs breittritt. Selbsterfüllende Prophezeiung eben…

Ich halte “Bilderberg” für ein Treffen von vielen, wo eben Leute zusammenkommen, die einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe angehören. Sowas macht jeder von uns und sei es in dem Moment, wo er sich mit Freunden in der Kneipe trifft. Der Haupt-Unterschied: Die Bilderberger-Teilnehmer haben (jeder für sich, nicht unbedingt alle dieselben!) Ziele. Wer sich mit Zielstellungen im Kopf mit anderen trifft, die ebenfalls zielorientiert denken, kann sehr zielgerichtet arbeiten. Das unterscheidet die Bilderberger- und meinetwegen auch die Davos-Treffen von einem Kneipengespräch.

Und genau hier liegt der Hase begraben. Oder besser: Er hockt hypnotisiert vor der Schlange – ebenfalls ein Bestandteil des Bilderberger-Syndroms. Die systemkritischsten Geister starren gebannt auf ein Treffen von Leuten, die sie nicht kennen, verschwenden ihre Zeit damit zu spekulieren, wer da was mit wem besprochen hat, anstatt sich eigene Ziele zu setzen und aktiv zu verfolgen. Die paranoide Stimmung der Szenerie führt dazu, daß man sich nicht trifft, nicht zusammenarbeitet, weil die anderen ja “zu den Bilderbergern” gehören könnten. Betrachtet man Politik als Wettkampf, dann haben “die anderen” derzeit eindeutig die bessere Strategie: Kooperation statt Konkurrenz.

Es ist erfreulich zu lesen, daß im Rahmen der Bundespräsidenten-Debatte die Aussage fiel “Dafür ist das neue Dagegen“. Diesen Satz muss man gären lassen. Und verinnerlichen. Seit Jahren kommen immer mehr Menschen auf ihrem Weg durch ihr Leben zu der Erkenntnis, daß irgendwas ziemlich schief läuft. Und sie beginnen, ihr Dagegensein zu kultivieren: Gegen das Zinssystem, gegen Zensursula, gegen den Klimawandel, gegen die Pharmaindustrie. Der nächste Schritt muss es sein, dieses Dagegen in etwas Konstruktives umzuwandeln! Egal, was notwendig ist, zu verändern, die wenigsten von uns haben Einfluss darauf. Wer von uns kann Entscheidungen der EZB zur Änderung des Finanzsystems beeinflussen? Wer kann die Politik der Pharmaindustrie verändern? Wer Zensursula aus dem Amt werfen? Nur ganz, ganz wenige. Was wir aber können ist, neue Strukturen zu schaffen. Von unten her. Selbst Apotheker zu werden. Selbst Landwirtschaft betreiben. Selbst zinsfreies Geld zu erschaffen. Selbst in die Politik einzusteigen. Was uns daran hindert? Das Bilderberger-Syndrom, was uns hypnotisiert zurückläßt wie die Schlange das Kaninchen.

Also: Scheiß auf die Bilderberger! Sollen die sich doch treffen! Verhindern kann man’s eh nicht! Wer aber ein Problem damit hat, daß “die anderen” sich vernetzen und ihre Projekte vorantreiben, sollte nicht nichts tun. Sondern sich treffen und vernetzen. Sich befruchten und sich verbünden. Sich zuhören und sich verschwören!

9 Kommentare zu “Das Bilderberger-Syndrom”

  1. Stefan Freichel schreibt:

    Hallo Norbert,

    danke für diesen schönen Artikel. Ich stimme deiner Auffasung voll zu, auch wenn ich gelegentlich vom Bilderberger-Syndrom befallen werden. Es ist vom Einzelindividuum halt manchmal ganz schön viel verlangt den glücklichen Sysiphus zu spielen.

    +++

    Prof. Dietrich Dörner: “Der Professor für Psychologie an der Universität Bamberg, Dietrich Dörner, stellte bei seinen Forschungen fest, dass Menschen dazu neigen, komplizierte Sachverhalte stark zu vereinfachen und möglichst auf eine einzige Ursache zu reduzieren. Das bringt Ordnung ins Chaos und macht die Welt verständlich. Der Glaube an eine Verschwörung, den geheimen Masterplan einer mächtigen Organisation, beruht meist auf einer eindimensionalen Sichtweise. Ursache und Wirkungen bilden eine lineare Kette. Mehrdeutigkeiten haben darin keinen Platz.. ”

    P.P.S.

    Ich werde wohl in den nächsten Tagen einen zweiten Versuch starten Regiogeld zum Thema in meiner Region zu machen und werde bezüglich Hilfestellung auf Dich zukommen.

    sonnige Gruesse aus Saarbrücken

  2. Norbert schreibt:

    @Stefan: Schöne Ergänzung. Hinsichtlich Regiogeld könnte dich das hier interessieren.

  3. lupo schreibt:

    @Stefan: Dörner ist für mich Standardliteratur. Jeder, dessen Lebensinhalt über die Bewirtung eines einzelnen Gartenbeetes hinausgeht, sollte sich damit beschäftigt haben.

    @Norbert: Hallo nach langer Zeit ;-) Ich würde sogar sagen, Überblicken ist das neue Dafür. Wenn man die Zusammenhänge versteht, sind die zu ziehenden Konsequenzen doch relativ eindeutig!

  4. Mind schreibt:

    Hallo Norbert, ich kann deinen Beitrag mal wieder nur unterschreiben. Egal ob es Verschwörungen gibt oder nicht, dass was der einzelne tun kann, ändert sich dadurch kein Stück. Veränderungen werden immer Gegner heraufbeschwören und deshalb muss man mit Widerständen rechnen und darauf reagieren.
    Wenn man neben seinen Veränderungswünschen die Leute noch mit Verschwörungen volltextet, schadet man der Sache nur, da der Normalbürger den Verschwörungstheoretiker – meist zu recht – in die Crackpot-Ecke schiebt.
    Wenn mir jemand was von einem tollen Geldsystem erzählen würde und dann erwähnt, dass die Zionisten die mittels Chemtrails die Bevölkerung reduzieren wollen gegen dieses Geldsystem sind, dann verschwende ich nicht meine knappe Lebenszeit mich mit den Thesen dieses Typen zu beschäftigen. Zum Glück bin ich erst nach meinen Beschäftigungen mit dem Geldsystem über die Verschwörungstheoretiker gestolpert :-)

    Alles Liebe,
    Mind

  5. exl deuss schreibt:

    …Norbert ich bin ganz Deiner Meinung!!…ich möchte hier noch ein Buch von Prof.Dr Bernd Senf empfehlen ” Die blinden Flecken der Ökonomie”…was sich sehr anschaulich mit unserem Geldsystem beschäftigt, und mir persönlich sehr viel klarheit brachte…übrigens ist Herr Senf auch Befürworter des ” bedingungslosen Grundeinkommens”…was ich nach abschafung des Zinses für ein weiterse Kriterium für eine gerechte Gesellschaft halte.

  6. exl deuss schreibt:

    …übriegens verstecken sich hinter vielen Internet-Seiten mit “verschwörungstheoretischem Inhalt oder den sogenannten Freien Medien” (zb. Koop-Verlag / infokrieg usw.)…Macher, die eindeutig dem rechten Spektrum zu zuordnen sind!!…Wobei ich diesen Fakt aber nicht Stigmatisieren möchte da meiner Meinung nach, jeder seine Meinung frei aüßern darf…nur sollte es für den Leser sofort ersichtlich sein mit wem oder was er es hier zu tun hat!!…mich beschleicht der Verdacht das hier auf ganz subtile Weise versucht wird Leute für die rechte Sache zu gewinnen!!…ps. schreibt mir falls ich mich irre!!

  7. Matthias schreibt:

    Es ist sehr schwer zu beurteilen. Allerdings muß man sagen, daß Dinge, die früher als absolute Verschwörungstheorie galten – z.B. die Neue Weltordnung – heute offen von Politikern proklamiert werden. Und es ist eindeutig, daß die Bestrebungen in Richtung Diktatur gehen.
    Übrigens – was heißt eigentlich genau rechtes Spektrum? Ich bin traditionell links, aber nach der Katastrophe mit dem Euro bin ich für nationales Geld, nach der Katastrophe mit der EU bin ich für nationale Selbstbestimmung. Wo fängt rechts an? Und ab wo ist es nicht mehr erlaubt? Ich lese gerne Scharf links, ich lese auch gerne den Kopp-Verlag – er hat durchaus gute Artikel. Früher waren diese ganzen Artikel auf Net News Global verlinkt, seit Marcel Bartels diese site übernommen hat und eine beispielslose Hetzjagd auf einige Blogs eröffnet hat, gelten diese plötzlich als rechts.
    Mir persönlich ist es mittlerweile egal, ob etwas aus der rechten oder aus der linken Ecke kommt. Die Frage für mich ist: Was ist wahr?

  8. Traumwaldschrat schreibt:

    Großartig, wirklich ein sehr guter Artikel!
    Denkt man aber etwas darüber nach, entdeckt man doch eine böse Schieflage des Artikels, nämlich daß die Arbeit der Bilderberger unbewertet bleibt. Im Zusammenhang mit diesen zu sagen, “laßt sie sich doch treffen!”, finde ich sehr kritisch, denn Beschlüsse solcher Treffen dienen nicht “zum Wohle der Menschheit”. Nein, eher ist das Gegenteil der Fall, deswegen tagen sie ja geheim, denn das, was dort beschlossen wird, bringt vermutlich immer unsägliches Leid und Zerstörung über den Globus, und das ist keine Verschwörungstheorie, sondern von wenigen kritischen Geschichtsschreibern, welche die unüberschaubaren Verflechtungen von Wirkungszusammenhängen entworren haben, mittlerweile belegt.
    Im weiteren Artikel dann auch noch in der Art zu verharmlosen, daß man sich doch nur selbst zu verschwören brauche, finde ich äußerst kurzsichtig. Natürlich ist es wichtig, nicht untätig zu sein, geschweige denn sich von der Angst paralysieren zu lassen, aber einfach irgendetwas “dafür” zu machen, hilft der Sache auch nicht weiter, weil es die Feinde übersieht, die dies zu vereiteln versuchen. Und die sitzen zum Beispiel in einer Bilderbergkonferenz und beratschlagen zu ihren Zielsetzungen zusätzlilch, wie jedliche Art von Protest und Gegeninitiative zu untergraben und von vorne herein auszuschalten ist.
    Nein, die Bilderberger einfach links liegen zu lassen (“scheiß auf die Bilderberger”) halte ich für sehr verwerflich, denn diese Treffen sind wahrscheinlich eben nicht wie alle anderen “ganz normale Treffen” und schon gar nicht mit einem Stammtisch vergleichbar, eher mit einer kriminellen Vereinigung, zumindest was das Völkerrecht und die Menschenrechte anbelangt. Daher wäre es, entgegen der Aussage des Artikels, dringend notwendig, auf alle Fälle gerade gegen diese Vereinigung anzurennen, um nämlich noch mehr Schaden vom Globus abzuwenden, aber was haben denn Bürgerproteste, Demonstrationen oder sonstiges gegen diese finanzielle Übermacht zu bieten? So etwas wird doch von den Bilderbergern weggehustet!
    Nein, diesen Artikel finde ich doch nicht gut, denn man sollte nicht den gleichen Fehler in grün, bloß blau machen. In der Tat gibt es nicht ernstzunehmende Verschwörungstheoretiker, die gewaltsam die Realität zu verbiegen versuchen zugunsten irgendeiner verschrobenen Idee, aber es gibt auch jene, die durch diesen Artikel unter den Tisch zu fallen drohen, die ganz unhysterisch uns unverblendet Tatsachen analysieren und dann nüchtern zu dem Schluß kommen, daß da etwas im Gange ist, was man durchaus als Verschwörung bezeichnen könnte. So sehr es auch den Verschwörungsparanoikern in die Hände spielt, sollte man dennoch sich eingestehen, daß auf der weltpoliltischen Bühne viele Verschwörungen laufen, aber in vielen Fällen auch deswegen, weil sie keiner wahrhaben will. Aber etwas nicht wahr haben wollen, ändert nichts an der Tatsache, daß es vielleicht so ist!

  9. Traumwaldschrat schreibt:

    (Nachtrag)
    Zum Beispiel ganz aktuell die EHEC-Epidemie. Nachdem ich F. William Engdahls Buch “Saat der Zerstörung” kenne, wurde ich äußerst hellhörig, als sogar eine Tageszeitung nach fünf Wochen erfolgloser Suche nach dem Ursprung der Epidemie deren Ausbruch als mysteriös bezeichnete. Doch schon allein die Erfolglosigkeit sollte stutzig machen, deswegen, finde ich, wäre es dringend notwendig, in Betracht zu ziehen, ob nicht eventuell doch der Erreger aus einem Labor absichtlich in die Welt gesetzt wurde. Überraschend fände ich das nicht, da Herr Engdahl darstellt, daß angeblich bereits 1925 von einflußreichen Personen ernsthaft in Erwägung gezogen wurde, mit gezielt verbreiteten Seuchen Bevölkerungsreduktion zu betreiben. Er beschreibt weiter, daß in den 1990er Jahren höhere Kreise für eben diese Zielsetzung solche biologischen Waffen als kostengünstigere Massenvernichtungswaffen angesehen haben, die zudem die besten Möglichkeiten bieten, entsprechende Angeiffe zu leugnen.
    Ob eine absichtlich verbreitete EHEC-Epidemie wirklich realistisch ist, läßt sich vielleicht vorläufig am ehesten einschätzen, wenn man überlegt, was so etwas bezwecken könnte. Die selbe Tageszeitung liefert da zwischen den Zeilen eventuell eine Antwort, wenn man genanntes Buch im Hinterkopf behält. Ein Artikel dieser Zeitung stellt indirekt die Konsequenz der Epidemie mit neuen Kontrollen, mehr Vorschriften, strengere Verordnungen dar, um eine Wiederholung vorzubeugen. Klingt vernünftig! Denkt man aber weiter, erkennt man die Möglichkeit, daß diese veränderte Gesetzeslage das Aus vieler Kleinbetriebe bedeuten könnte, da diese sich die Einhaltung strengerer Vorschriften nicht mehr leisten können. Nun kommt erneut Herr Engdahl zum Zug, der in genanntem und einem weiteren Buch immer wieder beschreibt, wie mächtige Konzernchefs, die tatsächlich von so etwas wie einer Weltherrschaft träumen, mit Hilfe solcher bedauerlichen, aber ganz bewußt provozierten Schicksalsschläge auf unscheinbare, aber recht nachhaltig zerstörerische Weise ihren Zielen entgegenarbeiten. Solche Leute wissen genau, was zu tun ist, um die (lästigen) Kleinbetriebe, die vor allem in Europa häufig sind, endlich zu beseitigen, damit irgendwann ein gigantisches Welthandelsmonpol installiert werden kann, in dem eine kleine Schar auserwählter Leute die weltweit alleinigen Nahrungsmittelliferanten sind; unbegrenzte Macht, schwindelerregender Reichtum.
    Somit scheint doch eine schlüssige These zu entstehen: mit der EHEC-Epidemie und der dadurch provozierten, verschärften Gesetzeslage werden in Europa Kleinbetriebe vernichtet, um die Monopolisierung voranzubringen. Das Unfaßbare bekommt auf einmal ein realistisches, nachvollziehbares Gesicht. Ich wäre vorsichtig, dieses Szenario als stupide Verschwörungsparanoia abzukanzeln, denn ich vermute, in solchen Kategorien wird auf weltpolitischer Bühne gedacht. Nein, vielmehr sollte man weiterdenken, gerade der obige Bilderberger-Artikel: war das der Zweck des Treffens, wurde diese Epidemie auf der letzten Bilderberger-Konferenz beschlossen? Das würde einleuchtend erklären, warum diese Treffen geheim sind! Gesetzt der Fall, diese Annahme wäre doch wahr, dann einfach zu sagen, “laßt sie sich doch treffen”, “das ist ein ganz normales Treffen wie jedes andere auch”, wäre das nicht – mörderisch unverantwortlich, erschreckend kurzsichtig und unbeschreiblich dumm?
    Ob es sich wirklich so verhält, kann ich nicht beurteilen, vielleicht ist es ganz anders, vielleicht ist es noch viel schlimmer, aber ich mahne noch einmal an: Was kann es für Verschwörer besseres geben als eine Verschwörung, die keiner wahr haben will, weil sich jeder für so vernünftig hält? Wäre es da nicht vernünftiger, Verschwörungen als reale Gefahr anzuerkennen?

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