Opel zerstören

30. Mai 2009

Ich hätte mir schwer träumen lassen, daß ich einmal Sympathien für einen Wirtschaftsminister der CSU hegen könnte. Ausgelöst wurden sie soeben durch diesen Spiegel-Artikel, der noch einmal die Opel-Problematik der letzten Stunden darlegt. Wie man weiß ist Opel nah an der Zahlungsunfähigkeit, der Mutterkonzern General Motors aus den USA hat dasselbe Problem und neben Fiat will Magna den Laden haben – und wird ihn jetzt wohl auch kriegen.

Guttenberg, der CSU-Wirtschaftsminister, schätzt das Risiko des Magna-Planes anders ein, als jene, die diesem Plan zugestimmt haben. So zitiert der Spiegel den Fraktionsvorsitzenden der Linken mit den Worten “Wer die Kosten der Arbeitslosigkeit der Opelaner gegen den Einsatz staatlicher Mittel für den Opel-Erhalt rechnet, entpuppt sich als zynischer Arbeitsplatzvernichter.” Ähnliche Zitate kommen aus SPD, von Autoexperten und aus den Gewerkschaften und man könnte sie allesamt so zusammenfassen: “Frei macht, was Arbeit schafft.”

Der “Autoexperte Dudenhöffer” kritisiert Guttenberg, dieser Wolle “Opel zerstören”. Nun will ich Dudenhöffer mal nicht gleich Fetischismus unterstellen, aber ihn mal mit den Zahlen dieser Welt konfrontieren:

In Deutschland gibt es über 40 Millionen Autos.  Jeder zweite Deutsche, vom Säugling bis zum Greis, besitzt einen PKW. 4 Sitze in jedem dieser Karossen bedeutet zwei Sitze pro Hintern. Allein in diesem Land. Wir wissen: Die Deutschen wollten zuletzt keine Autos mehr kaufen. Man nennt dieses Phänomen Sättigung. Natürlich wurde die Sättigung sehr plötzlich sichtbar, als die globale Finanzkrise ihre ersten Wellen schlug. Aber unabhängig davon wird dieses Problem bleiben: Die Straßen sind voll, die Garagen sind voll, die Menschen sind satt – es gibt mehr Autos und mehr Auto-Produktionskapazitäten als es Käufer gibt. Und: Es gibt in Deutschland eine Autodichte, die der Planet nicht ansatzweise ertragen würde, wenn wir sie in andere Länder exportieren. Wir werden inden kommenden Jahren zudem mit einem Anstieg der Kosten für fossile Energieträger wie Öl zu kämpfen haben, welche die Attraktivität von explosionsgetriebenen Fahrzeugen nicht unbedingt steigern wird. Alles in Allem können wir sagen: Es scheint mir zwangsläufige Notwendigkeit, die Kapazitäten des Autobaus auf ein gesundes Maß zurückzuschrumpfen. Und das bedeutet eben auch: Fabriken stilllegen!

Ob Guttenberg nun ausgerechnet “Opel zerstören”  will, weil er als Bayer vielleicht eher BMW-gesponsort ist – man kann ja nichts mehr ausschließen. Aber dieses ewige Arbeitsplatzerhaltungsgedöns der politischen Kaste klingt wie aus der Aktuellen Kamera. Arbeit als Lebenssinn halte ich für ziemlichen Blödsinn. Dass Arbeit heutzutage mit Lebensunterhalt verbunden ist muss, wie wir aus neueren Ideen wissen, nicht zwangsläufig so bleiben. Eine Wirtschaft sollte nicht darauf ausgerichtet werden, möglichst viel Arbeit zu produzieren. Sie sollte uns helfen, uns von überflüssiger Arbeit zu befreien. Aber klar: Es ist Wahlkampf und das Dogma der Arbeit und die Ideologie des Wachstums sind immer noch dermaßen tief verankert in den führenden Köpfen, die sich aus dem letzten Jahrtausend “rübergerettet” haben, dass aus dieser Ebene kaum grundlegend neue Ansichten zu erwarten sind…

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