Renaissance der Planwirtschaft?
16. Januar 2009Der EU-Industriekommissar Verheugen warnt vor einem Sterben großer Autokonzerne. Um 20% brach der Umsatz der Konzerne im letzten Quartal 2008 ein. Millionen Arbeitsplätze laufen Gefahr, abgewickelt zu werden. Also wird darüber nachgedacht, wie staatliche Hilfen für die Autoindustrie aussehen könnten…
Es scheint in der Tat so zu sein, daß das Konzept der Marktwirtschaft, daß die Kunden über Erfolg und Überleben einzelner Unternehmen entscheiden, ausgehebelt wird. Im Rahmen der Wirtschaftskrise wird der Standard-Ansatz der letzten Jahre und Jahrzehnte komplett auf den Kopf gestellt. Nun wird die Reaktion der Kunden, der letztlich zu einem Umsatzrückgang bei den Autoherstellern führt, quasi als “unzulässig” angesehen. Und die Beamten der Eurokratie wollen eingreifen, um die gewachsenen Strukturen zu bewahren – unabhängig davon, was die Autokäufer tun. Das Geld, was zur Unterstützung notwendig ist, kommt letztlich natürlich aus Steuerngeldern. Übertrieben könnte man sagen: Wenn ihr euer Geld nicht für Autos ausgebt, geben wir eben eure Steuern für die Autohersteller aus.
Eine Wirtschaftskrise ist eine außergewöhnliche Situation. Und es liegt nicht im Interesse der Angestellten der Branche und all der mit den Autoherstellern vernetzten Unternehmen, ihre Jobs zu verlieren. Aber ist es nicht trotzdem fragwürdig, wenn die Bürokratie sich zentral für den Erhalt bestimmter Industriestrukturen einsetzt? Zumal wenn man bedenkt, daß plötzlich Milliarden verfügbar gemacht werden, um Banken und Industriestrukturen zu stützen, wo jahrelang Geld im sozialen Bereich, in der Kultur und bei der Bildung gekürzt wurden. Und zeigt nicht der Rückgang in der Autoindustrie, daß Autos vielleicht doch eher Luxusgüter sind, die sich die Konsumenten in Krisenzeiten eben als erstes “abschminken”, weil es doch nicht so nötig ist, die schnellen Produktlebenszyklen mitzumachen, die von der Industrie vorgeben werden (und per Werbung massenwirksam umgesetzt werden)?
Die zentralstaatlichen Eingriffe der Bürokratie, die an planwirtschaftliche Aktivitäten erinnern, sind auch insofern kritikwürdig, als dass staatliche Steuermechanismen eigentlich schon vor Jahren hätten eingesetzt werden sollen. Vorausschauend. Nicht re-agierend. Dann hätten schon vor Jahren Anreize gesetzt werden können, um die Autoindustrie zu einer Mobilitäts-Domain (*) umzubauen. Integrierterte Verkehrsdienste statt bloßem Verkauf von Fahr-Zeugen, im Sinne der Schaffung eines Systems, daß Mobilität gewährleistet statt den Verkauf von Fahrzeugen zu maximieren (auf Kosten von Ressourcen, Straßenraum, Energieeffizienz und Umwelt). Der Aktionismus, der sich derzeit auf zentralstaatlicher Ebene zeigt, sieht eher nach einem pathologischen Erhalt des Status Quo aus statt danach, die Krise als solche anzuerkennen und zu akzeptieren: Eine Krise unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems, das auf ökonomischer, psychologischer und ökologischer Ebene an seine Grenzen kommt. Die Lösung dieser Krise kann nicht darin bestehen, die Strukturen des 20. Jahrhunderts künstlich aufrechtzuerhalten, sie ist nur lösbar, indem unserem Wirtschaften SINN gegeben wird. Und dieser kann nicht zentralstaatlich geplant werden, er muss sich aus dem reflektierten Willen der Menschen ergeben. Die dazugehörige öffentliche Debatte nach dem Wozu? und dem Wie? einer modernen Wirtschaft muss erst noch geführt werden. Hoffentlich bald.
* siehe John Naisbitts “Mind Set!”, der die Entwicklung der Ökonomie weg von nationalstaatlich organisierten Konstrukten hin zu wertschöpfungsorientierten Branchennetzen (=Domains) sieht






21.Januar 2009 13:36
ZItat Wirtschaftswoche 21.01.2009 :
“…Staatsmonopolkapitalismus… In der vom Trierer Ökonomen und Moralphilosophen Karl Marx begründeten Theorie führt der Kapitalismus irgendwann unweigerlich zur Bildung großer Konzerne, die dann auch den Staat beherrschen und die Politik bestimmen. Daher, so die Theorie, handelten die Regierenden im Interesse der Monopole und sicherten deren Existenz. Der Staat übernehme Verluste und entlaste die Monopole vom unternehmerischen Risiko.”
26.Januar 2009 22:55
Es wäre wirklich schön, wenn die Krise tatsächlich dazu führen würde, dieses künstliche Aufrechterhalten des Fetischs Auto zu überdenken. Derzeit sieht es aber nicht danach aus, da wird Leuten der Autokauf eher als Staatsbürgerpflicht auferlegt.
“Übertrieben könnte man sagen: Wenn ihr euer Geld nicht für Autos ausgebt, geben wir eben eure Steuern für die Autohersteller aus.”
Sehr gut gesagt! :-)
10.März 2009 00:58
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12.März 2009 19:02
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