Wie geht die Finanzkrise weiter?

13. Januar 2009

Wie gehts weiter in Sachen Finanzkrise? War’s das schon? Man könnte meinen, alles ist gesagt, das meiste ist klar: Staatsgarantie für Spareinlagen, die (bislang) größten Problemkinder der Bankenszene verstaatlicht, Konjunkturpakete für’s Ankurbeln der Wirtschaft. Na super. Alles wie immer, eine Wirtschaftsflaute wie jede andere auch… ?

Nein.

ARD Jahresrückblick – 2008 – Wie das Land am finanziellen GAU vorbeischlitterte.

Im Herbst stand Deutschland drei Wochen lang am Rand des finanziellen GAU. Ein paar Tage noch und die Geldautomaten hätten keine Scheine mehr ausgespuckt. Wie konnte es so weit kommen? Und wer eilte zur Rettung? Ein Blick zurück in den Abgrund.

http://www.tagesschau.de/wirtschaft/finanzkrise250.html

Das System war also schon so zerbrechlich, daß gar nicht mehr viel fehlte und die Geldautomaten wären zu gewesen. Die Staatsgarantie der deutschen Bundeskanzlerin hatte den Abfluss der Einlagen der Bürger zweifellos gebremst und damit sicherlich seinen Teil dazu beigetragen, das Gesamtsystem lauffähig zu halten. Wenn alle ihe Ersparnisse unters Kopfkissen gelegt hätten, wäre das System mangels Geld zusammengebrochen. Zwar wäre dann auch die Kohle unterm Kopfkissen nicht mehr soviel wert gewesen, aber so weit denken ja die wenigsten. Der Staat ist immer noch eine mächtige Autorität, der wir alle sehr viel Glauben schenken. Trotz aller Meckerei auf die Politik.

Ein paar interessante Hinweise, wie es mit der Finanzkrise weitergeht, liefert Nadine Oberhuber in der FAZ. Sie fragt: Staatsanleihen – Wann platzt die erste? Sie stellt fest, daß US-Geldanleger bereit sind, eine negative Verzinsung zu akzeptieren, um ihr Geld in US-Staatsanleihen anzulegen. Also in Schuldscheinen der US-Regierung, mit dem diese ihre Kredite finanziert. Den Anlegern ist es also lieber, sie verzichten auf eine Verzinsung oder akzeptieren sogar ein kleines Abschmelzen ihres Vermögens, um es in “Sicherheit” zu bringen. Wobei die Sicherheit trügerisch ist, wie auch der FAZ-Artikel bemerkt. Denn bislang ist ja nicht viel passiert im Gesamtsystem Wirtschaft. Selbst wenn die Banken 1,4 Billionen Dollar abschreiben werden (zweite Schätzung des Internationalen Währungsfonds IWF, dessen Pleite auch nicht mehr auszuschließen ist), ist dies ein Klacks gegen die Summen, die rund um den Globus renditehungrig vagabundieren. Und es relativiert sich, wenn man die Summen zusammenfasst, die die Nationalstaaten für Sicherungsmaßnahmen und Konjunkturpakete locker machen. 500 Milliarden Euro in Deutschland, 700 Milliarden Dollar in den USA für Staatsgarantien, dazu hunderte Milliarden als Konjunkturpakete – und der Planet umfasst mehr Länder als nur das 80-Millionen-Land in Mitteleuropa und die 250 Millionen in Nordamerika. Billionen werden rund um den Globus auf Staatswegen in die Wirtschaft gepumpt und damit auch das wirtschaftliche Gewebe enorm umgebaut. Denn der Staat nimmt zunehmend Einfluss und zentralisiert noch mehr Wirtschaftsfelder – grade über Bankbeteiligungen, die zentrale Schaltstellen im Wirtschaftsleben sind. Doch die intensive Ausweitung der Staatsanleihen verbunden mit Krisensymptomen im Wirtschaftssystem lassen die Preise für die Absicherung der Kredite explodieren. Die FAZ:

Es gibt einen Markt, der misst, wie hoch das Risiko ist, dass ein Staat als Rückzahler ausfällt und am Ende der Laufzeit seine Schulden nicht begleichen kann. Den Markt der „Credit Default Swaps“ (CDS), der Wertpapiere, mit denen Länder und Firmen sich gegen den Ausfall von Krediten absichern. Auch dort steigen die Preise so stark, dass es Sorgen macht.

Noch vor zwei Jahren reichte ein Dollar, um eine zehnjährige amerikanische Staatsanleihe über 10.000 Dollar ein Jahr lang abzusichern. Anfang 2008 waren es rund acht Dollar, und jetzt kostet es sogar 62. Für deutsche Papiere sieht es nicht viel besser aus, die werden jetzt für 43 Dollar versichert.

FAZ

Die Übernahme der (privaten) Kredite der Banken in die Bücher des Staates stellen letztlich nur eine Verschiebung des Problems dar. Keine Lösung. Der Staat ist in die Lücke gesprungen, die die ersten Vertrauensverluste in das Finanzsystem gerissen haben. Aber die Gründe für die Vertrauensverluste, sind die tatsächlich getilgt?

Das nächste Schlacht-Feld könnten also die Staaten sein. Nach der Pleite diverser Banken stehen uns die Pleiten diverser Staaten bevor. Wenn auch zu den Staaten keine Kredite mehr fließen, müssen sie höhere Zinsen zahlen, um Geld anzulocken. Doch das Risiko in Staatsanleihen nimmt exponentiell zu, schon heute gehen fast 25% der deutschen Steuereinnahmen als Zinszahlungen an die Gläubiger. Und wieviel wird es “nach derWirtschaftskrise” sein? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit einer Rückzahlung der Staatskredite? Wann bricht auch hier der Glauben? Und wohin fließen die existierenden Gelder dann, wenn sie sich weder an den Weltbörsen noch bei den Staaten blicken lassen wollen? In Grund und Boden. Und sie entladen sich in steigenden Preisen, was man gemeinhin Inflation nennt. Aber bevor es dahin kommt, wird das Vertrauen in die Staatsgebilde schwinden und der Druck auf die Politik zunehmen.

Doch Menschen werden nicht einfach dastehen und Prozesse ablaufen lassen, die sie für wenig wünschenswert halten. Aktio = Reaktio dürfte in diesem Fall den Aufbau neuer Währungsysteme beschleunigen. Wir wissen, was mp3 und das Internet mit der Musikindustrie angestellt haben, wir können ahnen, was elektronische Verrechnungssysteme und Internet mit der Finanzbranche anstellen…

1 Kommentar zu “Wie geht die Finanzkrise weiter?”

  1. Quotex schreibt:

    Ich denke viele sind sich der Tragweite dieser Krise nicht bewusst.Der Konjunkturmotor der Welt ist ausgefallen und ich bezweifel ob sich so schnell ein neuer finden läßt,selbst wenn die aktuelle Krise glimpflich beendet werden kann und sich die USA nach einem weiter so wie bisher noch mehr verschuldet als sie ohnehin schon sind dann wage ich es jetzt schon zu prognostizieren das es eine neue Krise geben wird die dafür umso heftiger ausfallen wird.
    Die wahrscheinlichere variante ist das uns der totale Crash unmittelbar bevor steht der sich aber wie uns die Geschichte gelehrt hat über mehrere Jahre hinweg vollziehen kann.
    Man kann eigentlich nur hoffen das es dabei nicht zu kriegerischen Reaktionen kommt wie es in Deutschland und später Jugoslawien,welches den Inflationsrekord von über 2 Millionen Prozent hält ,kommt.

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