Let’s play capitalism!
06. Januar 2009Wo doch jetzt jeder jedem ALLES GUTE wünscht und uns alle ein “gesundes Jahr” erwartet, erzähle ich lieber eine Geschichte. Das andere habt ihr ja eh alles schon gehört.
Mein Schwager erzählte, wie er letztens die Geschichte von MONOP*LY gehört hat. Die wahre Geschichte natürlich. Und die geht so, daß eine Frau das Spiel ursprünglich dafür entwickelte, um deutlich zu machen, welche Wirkungen Privateigentum an Grund und Boden in einer Gesellschaft haben. Das Spiel verkaufte sich nicht so gut, bis jemand auf die Idee kam, das Prinzip umzudrehen: Jetzt gewinnt, wer am meisten Kohle macht und die Moral von der Geschichte bleibt einfach – ähm – unerzählt. Und dann kam da noch die Weltwirtschaftskrise und da jeder den Traum vom großen Geld träumte konnte man ihn sich wenigstens am heimischen Küchentüch beim Ausbooten der Kinder und der restlichen Verwandschaft in der Schloßallee herbeispielen…
Ich hab die Story nich überprüft. Wozu auch? Heute glaubt doch eh jeder, was ihm genehm ist…
Von der nächsten Geschichte ist auf jeden Fall wahr, daß sie gedruckt wurde. In der Frankfurter Rundschau nämlich. Und ich empfehle, sie zu lesen, denn ich kann sie nicht so schön erzählen: Big Mother is watching you. Ich bin ja ein Fan von Dezentralisierung. Aber manchmal gehts zu weit. Wenn die Dezentralisierung der Überwachung konsequent durchdacht wird, observieren wir demnächst alle unsere Kinder mit all den Spielzeugen, die frei verkäuflich sind. Kinderhandys zum Beispiel:
Nehmen wir zum Beispiel das “Kinderhandy Junior Tel” für 189 Euro inklusive Mehrwertsteuer – “eines der einfachsten Handys der Welt mit außergewöhnlichen Betreuungsfunktionen”, wie es bei einem “Fach- und Versandhandel für spezielle Lösungen im Bereich Mobilfunk und Festnetz” heißt. Das kleine Gerät verfügt über eine Betreuungsfunktion, zu deutsch “Set Care”, über die sich vier Uhrzeiten pro Tag festlegen lassen, zu denen das Kind durch Drücken einer beliebigen Handy-Taste signalisieren muss, dass es ihm gut geht. Bleibt das Drücken aus, schickt das Handy zum Beispiel eine SMS an die Eltern – denen es infolgedessen sicher auch nicht gut gehen dürfte. Derlei gemeinsames Erleben ist wichtig für den familiären Zusammenhalt.
Naja, wir müssen ja alle mit irgendwas “unser Geld” verdienen…
Und dann ist da noch die dritte Geschichte, denn in Artikeln solcher Art wie diesem ist es immer fein, wenn man die Sache rund machen kann. Gefunden bei net-news-global.de, wo ich alle zwei Wochen reinschaue, mehr ertrag ich derzeit nicht und ich will meine Zeit auch noch anderswo investieren, Lob trotzdem an die Konsequenz der Macher. Die dritte Geschichte knüpft an Peak Oil an (investierte Zeit beispielsweise hier: http://www.peak-oil.com, Gruss nach China :) ). Und da ist doch glatt jemandem beim Handelsblatt aufgefallen:
Ölmultis investieren in Aktien statt in Zukunft
Was ist passiert? Ganz einfach: Die Ölkonzerne nutzen die Gewinne, die sie in den Hochpreis-Monaten gemacht haben, um eigene Aktien zurückzukaufen. Warum kauft ein Unternehmen eigene Aktien zurück?
- Weil es zuviel Geld hat (Aha, da isses also! Herr Merkle hat’s gewusst, als er sich von einem Elektro-Zug statt einem ÖLKW überfahren liess…)
- Man kauft aus Shareholder-Value-Gründen natürlich grundsätzlich nur etwas, wenn man davon ausgeht, daß es später MEHR wert ist.
Also gehen die Ölkonzerne davon aus, daß es sich mehr lohnt, in eigene Aktien zu investieren statt in den Ausbau der Förderung oder in die Suche nach neuen Quellen. Geht man davon aus, daß Peak Oil real wird, daß also die Menge des global zu fördernden Öls sich nicht ewig steigern läßt, so ist bei Wirtschaftswachstumswahn irgendwann sowieso mit steigenden Preisen zu rechnen: Sinkendes Angebot bei steigender Nachfrage. Kommt es außerdem dazu, daß die Firmen, die für die Förderung von Öl zuständig sind, ihr Geld nicht in ihre unternehmerischen Tätigkeiten stecken, sondern in anderer Leute Taschen, dann ist eine Verknappung von Öl nur eine Frage der Zeit. Mit der Knappheit steigt der Preis, was natürlich denen nützlich ist, die Öl verkaufen. Und das sind – Bingo! – die Ölkonzerne.
Wenn Peak Oil also natürlich nicht durch natürliche Begrenzungen, wie ein “zu langsames Nachbilden von Erdöl im Boden” ausgelöst wird, dann durch die Verknappung des Rohstoffes durch die Lieferanten selbst. Junkie Business eben (Teil I anno 2004 bei Telepolis). Es ist so einfach, einem Süchtigen Monopolpreise abzuknüpfen und eine Variante des Monopols ist ein Kartell: Leben in der OPECratie. Und siehe da, da ist er schon, der Bogen zum Anfang des Artikels:
Monopoly, Monopoly:
Bist doch nur ‘ne Randfigur
in einem schlechten Spiel.
Klaus Lage, “Monopoli” auf “Schweißperlen”, 1984
Naja, und wer jetzt noch Lust auf Spielen hat und sich für 2009 noch nix vorgenommen hat: sc::rollenspielers paradies






08.Januar 2009 18:06
He, Du hast an mich gedacht! Ich stimme Dir voll und ganz zu, sie wollen unser aller Bestes.
Beste Grüße aus China!
Ralf