Archiv Januar 2009

Volkseigene Betriebe, Teil II

31. Januar 2009

Vor 20 Jahren wurde hierzulande das Konzept angewickelt, Unternehmen sollten überwiegend staatseigen sein – ach nein, volkseigen. Die Wirtschaft der DDR sprach ein scheinbar eindeutiges Bild: Volkseigene Betriebe (VEBs) waren nicht sonderlich innovativ, nicht besonders einfallsreich und nicht besonders schlank. Mit der Wende, die wir dieses Jahr zum 20. Mal feiern, wurde das Projekt Planwirtschaft abgewrackt (mit Abwrackprämien für so manche treue Hand).

20 Jahre drauf zeigt der Kapitalismus öffentlich, daß er auch nicht grade das Beste aller Systeme ist.  Er tat dies schon länger, schließlich sind Millionen Arbeitslose auch nicht grade effizient, aber nun steht’s in der Zeitung: Die Banken wanken, Versicherungen sind verunsichert und bei Autokonzerne steh’n die Räder still. Wo das Systemrisiko zu groß wurde, sprang Papa Staat ein, gelenkt von der alten Pionierin Mama Merkel. Sie hat keine Wahl, schließlich sind Arbeitsplätze bedroht und das war in den letzten 20 Jahren schon immer wichtiger als andere bedrohte Arten. Nach den ersten Finanzinstituten wollen sich jetzt die ersten Industrieinstitute verstaatlichen lassen. Schaeffler, die Firma, die sich an Conti übernahm, Airbus, der europäische Flugverkehrslärmproduzent und natürlich rufen die Autohersteller und das taumelnde Silicon Saxony (Qimonda) nach staatlichem Geldregen. Und im Spiegel fragt man sich: Hilfe für DAX-Konzerne: Auf dem Weg in die Staatswirtschaft? Nun könnte da ja jeder kommen: Jedes Unternehmen bietet die bedrohte Ware Arbeitsplätze, jedes Unternehmen hat Zulieferer, die im Fall eines Bankrottes mitbedroht wären, jedes Unternehmen löst einen Dominoeffekt aus, wenn es fällt – und sei es nur einen kleinen. Und ist es nicht das, was mehr oder weniger “Sozialisten” seit Jahren fordern: Die Verstaatlichung großer Konzerne?

Da muß man sich jetzt fragen: Sind die Hardcore-”Kapitalisten” plötzlich zu “Sozialisten”  mutiert oder haben die “Sozialisten” den “Kapitalismus” schon immer besser verstanden als die die “Kapitalisten” selbst?

Versuchen wir, dieses seltsame Spiel mal konstruktiv zu betrachten. Frau Schaeffler, die “angeschlagene Milliardärin mit dem Faible für Autoreifen”, schreit vermutlich nicht deswegen nach Staatsknete, weil ihr Weltbild dazu neigt, alle Menschen an dem von ihr mitaufgebautem Reichtum teilhaben zu lassen. Es ist wahrscheinlicher: Die will eher ihren Pelzmantel behalten. Und ihren Einfluss. Konsequent wäre, wenn Papa Staat und Mama Merkel ganz klar sagen: Wie helfen gern, dafür kürzen wir der Milliardärs- und Aktionärsriege das Vermögen auf gehobenen Durchschnitt (= eine Vierzimmerwohnung, 1 PKW, 55.000 Euro Geldvermögen). Kann ja auch nicht angehen, daß ich mich monatlich wegen meiner paar Piepen mit dem Steuerkram quäle, um Frau Schaeffler ihren Mantel zu bezahlen. Und wenn ihr das nicht passt, steht ihr ja HartzIV offen, entworfen von einem vorausschauenden Manager der Automobilindustrie. Quasi ein Kollege.

Und gleichsam verfolgen wir konsequent das in den letzten Jahren immer mal wieder diskutierte Modell, Arbeitnehmer mehr am Unternehmenserfolg zu beteiligen und geben jedem Einwohner des Landes ein Achtzigmillionstel der Unternehmen Schaeffler, Conti & Co. Etwas, was man im Übrigen auch mit der Bahn machen könnte. Verkauf- und handelbar wären diese Eigentumspapiere nicht, um keine erneute Eigentumskonzentration aufkommen zu lassen, stattdessen gibt es eben einmal jährlich Wirtschaftswahlen, wo wir Aktionäre darüber abstimmen, in welche Richtung die Unternehmen zu gehen haben und wer den Vorstand stellt. Das Übliche eben, wie man es von Aktionärsversammlungen oder der Bundestagswahl eben so kennt. Und wer nicht mitwählen will, wählt eben nicht, auch das ist ja nicht unüblich.

Unvorstellbar? Na warten wir mal ab, wer sich in nächster Zeit noch so verstaatlichen lassen will….

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VideoVortrag, Vernetzungen & Creative Commons

28. Januar 2009

Daß ich es für mich nicht als ausreichend empfunden habe, als Informationsverarbeiter hier zu bloggen, habe ich vor einigen Jahren schon geschrieben. Seitdem habe ich versucht, mich in ein Thema einzuarbeiten und es auf verschiedene Weise voranzutreiben, von dem ich überzeugt bin, daß es wichtig und wirksam ist: Die Kreation neuer Währungen.

Als direkt beeinflussbares Anwendungsbeispiel traten dabei die Regionalwährungen in den Vordergrund. In ihnen kombinieren sich die Ideen anderer Finanzsysteme mit den Ideen Leopold Kohrs: Kleine gesellschaftliche Einheiten sind leichter überblickbar und für den Einzelnen beeinflussbar. Ein Planet geformt aus Regionen scheint mir einerseits geeignet, den Nationalismus zu überwinden und andererseits Macht zu den Menschen zu transferieren. Und auch ein Schuß Kropotkin ist in den Regiogeld-Ideen zu finden: Selbstorganisation.

Ich habe kürzlich einen Teil meines Regiogeld-Vortrages fürs Web aufbereitet und online gestellt:

Der Vortrag als auch die Vortragsfolien stehen unter der CC-Lizenz. Das heißt: Beides kann frei verbreitet und verwendet werden, soweit es ohne kommerzielle Absicht und unter Nennung der Quelle geschieht. Mit diesem offenen Ansatz möchte ich einerseits dazu beitragen, die Ideen zu verbreiten und andererseits andere einladen, ähnliches zu tun. Welche Änderungen stünden unserer Welt bevor, wenn Wissen frei verfügbar und nutzbar wäre? Wenn Patente nicht nur dazu da wären, andere von der Nutzung auszuschließen, sondern wenn nützliche Maschinen und Produktionsabläufe überall auf dem Planeten intensiv eingesetzt werden könnten? Die Urheberrechtsdebatte, ausgelöst durch das Internet und intensiviert durch mp3 und Tauschbörsen, ist ein Teil einer grundsätzlichen Debatte: Wie wollen wir wirtschaften? Wem gehört was? Wie definieren wir “Eigentum” und wie weit darf “Eigentum” gehen? Bis in unseren “Geist” (Stichwort: “geistiges Eigentum”)?

OpenSource zeigt, wie Wissen und Eigentum noch gedacht werden kann. Seit jüngstem kommen Ideen wie “Open Hardware” oder “OpenPatents” ins Gespräch, die begleitet werden von gesellschaftlichen Entwicklungen wie den Transition Towns. Für mich wird der Aspekt der Vernetzung immer wichtiger: Allein sind wir nur wenig wirksam, als Netz von Individuen können wir viel größere und intensivere Prozesse gestalten. Auch deshalb habe ich einen Kalender für Veranstaltungen aus dem Regionalentwicklungs- und Nachhaltigkeitsbereich entwickelt, der künftig auch in anderem Kontext eine Rolle spielen wird. Ich möchte hiermit dazu einladen, diese Kalender zu füllen und bei Veranstaltungen aufzutauchen, um die Vernetzung mit anderen Akteuren, die in dem Bereich arbeiten, voranzutreiben:

http://www.regionalentwicklung.de/veranstaltungen/

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Zwischen Staatsbankrott und Überproduktion

23. Januar 2009

In den Statistiken von feldpolitik.de liegt seit ein paar Wochen ein Suchbegriff ganz vorn, mit dem die Besucher aus den Suchmaschinen kommen: STAATSBANKROTT. Sie finden einen Artikel von November 2004. Die Frage, ob die Bundesrepublik Deutschland ihre Schulden je zurückzahlen kann (und an wen eigentlich), stand schon damals im Raum. Später sendete der Deutschlandfunk eine Sendung von Jens Jarisch: Das Geheimnis des geliehenen Geldes. Jens Jarisch ging darin, untermalt von Tocotronic-Stimme Dirk von Lowtzow, der Frage nach, wie die Politik mit dem Problem der Staatsschulden umgeht. Das nach dem Schema “Ich weiß, das ich nichts weiß” entstandene Feature zeugt davon, wie absurd die Situation bereits 2007 in der BRD war. Doch heute kommen die Meldungen mit dem Stichwort STAATSBANKROTT erstmal von anderswo…

Nach Island, Ungarn, Ukraine stehen nun Lettland, Spanien und Großbritannien auf der Liste der gefährdeten Staaten. Die Kreditwürdigkeit der einzelnen Länder wird teilweise herabgestuft, die Zinsen für die Staatshaushalte werden entsprechend steigen. Steigende Zinsen bei exorbinantem Verschuldungsgrad führt bekanntermaßen nicht unbedingt zu mehr Stabilisierung, sondern eher zum Gegenteil. Das Problem: Unser Finanzsystem kennt keine antizyklischen Elemente, es ist grundsätzlich auf Wachstum programmiert und kann mit Sättigungs- oder gar Schrumpfungsprozessen nicht umgehen. Es kann kein Gleichgewicht herstellen sondern verfällt immer in massive Krisen, wenn nicht von Staatswegen gegengesteuert wird. Doch wenn der Staat selbst nicht mehr zahlungsfähig ist, wer soll als nächster Schuldner auftreten, der frisches Geld ins System pumpt?

Zulauf bekommen deshalb im Pfunds-Land Großbritannien die EURO-Befürworter. Doch den Herren des Euro sollte klar sein, welche Krankheit sie sich einfangen, wenn quasibankrotte Staaten aufgenommen werden: Die Schulden bleiben natürlich, werden nur auf breitere Schultern (nämlich auf alle Euro-Länder) verteilt. Doch die Schwäche der Volkswirtschaften wird sich  in einem Vertrauensverlust im Geld ablesen lassen. Bereits mit Kandidaten wie Spanien hat der Euro-Raum ein Problem, wenn die ehemalige Kolonialmacht Großbritannien Hals über Kopf unter das (noch) schützende Dach des Euro schlüpft, wird das der europäischen Währung nicht gut tun. Kaum besser, daß es dem Dollar letztlich ähnlich geht: Auch die USA sind hemmungslos im Schuldenrausch.

Szenenwechsel. Edeka, gleich um die Ecke. Ein Büromaterialienshop bietet gleich neben dem Zeitungsladen 2009er Kalender an, nackte Frauen, süße Tiere, Landschaften. Das Jahr ist schon in vollem Gange und die Kalender sind mit roten Zahlen versehen, die täglich roter werden. Niemand kauft und man fragt sich unweigerlich: Ist das die Überproduktion, von der Marxisten immer sprechen?

Szenenwechsel 2. Qimonda, draußen in Dresden Klotzsche. Vor einigen Jahren ausgegliedert aus dem Infineon-Konzern fuhren bis kürzlich immer noch Straßenbahnen herum, die den neuen Namen des Unternehmens in der Stadt bekannt machten. Man fragt sich, ob die Situation der Qimonda-Produktlinie schon damals absehbar war und Infineon den Unternehmenszweig vorsorglich ausgliederte und abstieß? Dank Gesellschaften mit beschränkter Haftung ist das ja kein persönliches Problem der Entscheider… Ein Insider verrät: Auch die anderen Konzerne auf dem Planeten, die ähnliche Mikrochips herstellen wie das deutsch-amerikanische Unternehmen haben dieselben Probleme mit der Zahlungsfähigkeit. Und angeblich hat Qimonda die weltweit besten Produkte zu den planetar günstigsten Preisen und da fragt man sich doch, wieso es dem Laden so schlecht geht. Frage an den Insider: Liegt das daran, daß sich die Unternehmen untereinander herunterkonkurrieren oder daran, daß die Produktionsmenge der Gesamtbranche weit über dem liegt, was die Leute “außerhalb” abkaufen? Antwort: Letzteres.

Sicher: Der Markt bereinigt. Milliardeninvestitionen werden abgeschrieben, ein paar Fabriken stillgelegt und dann sind die Preise irgendwann wieder so, daß sie die Kosten decken. Doch bis dahin sind Jahre vergangen, in denen Fabriken gebaut und Leute ausgebildet wurden, die möglicherweise mit ihrer Lebensplanung nach der “Neustrukturierung der Branche” nichts mehr anfangen können. Und gefördert durch Milliardensteuermittel, die von wirklich weitblickenden Politikern dafür gegeben wurden, ein Silicon Saxony zu erbauen – was für eine grandiose Verschwendung!

Und so plagen wir uns weiterhin mit einem vorsintflutlichen Wirtschaftssystem herum, gesteuert von Ideologen, denen Wachstum, Wachstum über alles geht (zuviele Chips, zu viele Kalender und zu viel Beton an Spaniens Küsten) und warten auf den Tag, da eben nichts mehr geht.

(Später gab es von Jens Jarisch bei WDR5 eine Sendung namens “Zum Wachstum verdammt“. Falls mir die jemand zukommen lassen kann wäre ich dankbar. Wer sich für die Sendung “Das Geheimnis des geliehenen Geldes” interessiert, möge in die einschlägigen Börsen gucken oder sich melden. Privatkopien zu Bildungszwecken geh’n doch noch, oder, Herr Schäuble?)

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Renaissance der Planwirtschaft?

16. Januar 2009

Der EU-Industriekommissar Verheugen warnt vor einem Sterben großer Autokonzerne. Um 20% brach der Umsatz der Konzerne im letzten Quartal 2008 ein. Millionen Arbeitsplätze laufen Gefahr, abgewickelt zu werden. Also wird darüber nachgedacht, wie staatliche Hilfen für die Autoindustrie aussehen könnten…

Es scheint in der Tat so zu sein, daß das Konzept der Marktwirtschaft, daß die Kunden über Erfolg und Überleben einzelner Unternehmen entscheiden, ausgehebelt wird. Im Rahmen der Wirtschaftskrise wird der Standard-Ansatz der letzten Jahre und Jahrzehnte komplett auf den Kopf gestellt. Nun wird die Reaktion der Kunden, der letztlich zu einem Umsatzrückgang bei den Autoherstellern führt, quasi als “unzulässig” angesehen. Und die Beamten der Eurokratie wollen eingreifen, um die gewachsenen Strukturen zu bewahren – unabhängig davon, was die Autokäufer tun. Das Geld, was zur Unterstützung notwendig ist, kommt letztlich natürlich aus Steuerngeldern. Übertrieben könnte man sagen: Wenn ihr euer Geld nicht für Autos ausgebt, geben wir eben eure Steuern für die Autohersteller aus.

Eine Wirtschaftskrise ist eine außergewöhnliche Situation. Und es liegt nicht im Interesse der Angestellten der Branche und all der mit den Autoherstellern vernetzten Unternehmen, ihre Jobs zu verlieren. Aber ist es nicht trotzdem fragwürdig, wenn die Bürokratie sich zentral für den Erhalt bestimmter Industriestrukturen einsetzt? Zumal wenn man bedenkt, daß plötzlich Milliarden verfügbar gemacht werden, um Banken und Industriestrukturen zu stützen, wo jahrelang Geld im sozialen Bereich, in der Kultur und bei der Bildung gekürzt wurden. Und zeigt nicht der Rückgang in der Autoindustrie, daß Autos vielleicht doch eher Luxusgüter sind, die sich die Konsumenten in Krisenzeiten eben als erstes “abschminken”, weil es doch nicht so nötig ist, die schnellen Produktlebenszyklen mitzumachen, die von der Industrie vorgeben werden (und per Werbung massenwirksam umgesetzt werden)?

Die zentralstaatlichen Eingriffe der Bürokratie, die an planwirtschaftliche Aktivitäten erinnern, sind auch insofern kritikwürdig, als dass staatliche Steuermechanismen eigentlich schon vor Jahren hätten eingesetzt werden sollen. Vorausschauend. Nicht re-agierend. Dann hätten schon vor Jahren Anreize gesetzt werden können, um die Autoindustrie zu einer Mobilitäts-Domain (*) umzubauen. Integrierterte Verkehrsdienste statt bloßem Verkauf von Fahr-Zeugen, im Sinne der Schaffung eines Systems, daß Mobilität gewährleistet statt den Verkauf von Fahrzeugen zu maximieren (auf Kosten von Ressourcen, Straßenraum, Energieeffizienz und Umwelt). Der Aktionismus, der sich derzeit auf zentralstaatlicher Ebene zeigt, sieht eher nach einem pathologischen Erhalt des Status Quo aus statt danach, die Krise als solche anzuerkennen und zu akzeptieren: Eine Krise unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems, das auf ökonomischer, psychologischer und ökologischer Ebene an seine Grenzen kommt. Die Lösung dieser Krise kann nicht darin bestehen, die Strukturen des 20. Jahrhunderts künstlich aufrechtzuerhalten, sie ist nur lösbar, indem unserem Wirtschaften SINN gegeben wird. Und dieser kann nicht zentralstaatlich geplant werden, er muss sich aus dem reflektierten Willen der Menschen ergeben. Die dazugehörige öffentliche Debatte nach dem Wozu? und dem Wie? einer modernen Wirtschaft muss erst noch geführt werden. Hoffentlich bald.

* siehe John Naisbitts “Mind Set!”, der die Entwicklung der Ökonomie weg von nationalstaatlich organisierten Konstrukten hin zu wertschöpfungsorientierten Branchennetzen (=Domains) sieht

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Wie geht die Finanzkrise weiter?

13. Januar 2009

Wie gehts weiter in Sachen Finanzkrise? War’s das schon? Man könnte meinen, alles ist gesagt, das meiste ist klar: Staatsgarantie für Spareinlagen, die (bislang) größten Problemkinder der Bankenszene verstaatlicht, Konjunkturpakete für’s Ankurbeln der Wirtschaft. Na super. Alles wie immer, eine Wirtschaftsflaute wie jede andere auch… ?

Nein.

ARD Jahresrückblick – 2008 – Wie das Land am finanziellen GAU vorbeischlitterte.

Im Herbst stand Deutschland drei Wochen lang am Rand des finanziellen GAU. Ein paar Tage noch und die Geldautomaten hätten keine Scheine mehr ausgespuckt. Wie konnte es so weit kommen? Und wer eilte zur Rettung? Ein Blick zurück in den Abgrund.

http://www.tagesschau.de/wirtschaft/finanzkrise250.html

Das System war also schon so zerbrechlich, daß gar nicht mehr viel fehlte und die Geldautomaten wären zu gewesen. Die Staatsgarantie der deutschen Bundeskanzlerin hatte den Abfluss der Einlagen der Bürger zweifellos gebremst und damit sicherlich seinen Teil dazu beigetragen, das Gesamtsystem lauffähig zu halten. Wenn alle ihe Ersparnisse unters Kopfkissen gelegt hätten, wäre das System mangels Geld zusammengebrochen. Zwar wäre dann auch die Kohle unterm Kopfkissen nicht mehr soviel wert gewesen, aber so weit denken ja die wenigsten. Der Staat ist immer noch eine mächtige Autorität, der wir alle sehr viel Glauben schenken. Trotz aller Meckerei auf die Politik.

Ein paar interessante Hinweise, wie es mit der Finanzkrise weitergeht, liefert Nadine Oberhuber in der FAZ. Sie fragt: Staatsanleihen – Wann platzt die erste? Sie stellt fest, daß US-Geldanleger bereit sind, eine negative Verzinsung zu akzeptieren, um ihr Geld in US-Staatsanleihen anzulegen. Also in Schuldscheinen der US-Regierung, mit dem diese ihre Kredite finanziert. Den Anlegern ist es also lieber, sie verzichten auf eine Verzinsung oder akzeptieren sogar ein kleines Abschmelzen ihres Vermögens, um es in “Sicherheit” zu bringen. Wobei die Sicherheit trügerisch ist, wie auch der FAZ-Artikel bemerkt. Denn bislang ist ja nicht viel passiert im Gesamtsystem Wirtschaft. Selbst wenn die Banken 1,4 Billionen Dollar abschreiben werden (zweite Schätzung des Internationalen Währungsfonds IWF, dessen Pleite auch nicht mehr auszuschließen ist), ist dies ein Klacks gegen die Summen, die rund um den Globus renditehungrig vagabundieren. Und es relativiert sich, wenn man die Summen zusammenfasst, die die Nationalstaaten für Sicherungsmaßnahmen und Konjunkturpakete locker machen. 500 Milliarden Euro in Deutschland, 700 Milliarden Dollar in den USA für Staatsgarantien, dazu hunderte Milliarden als Konjunkturpakete – und der Planet umfasst mehr Länder als nur das 80-Millionen-Land in Mitteleuropa und die 250 Millionen in Nordamerika. Billionen werden rund um den Globus auf Staatswegen in die Wirtschaft gepumpt und damit auch das wirtschaftliche Gewebe enorm umgebaut. Denn der Staat nimmt zunehmend Einfluss und zentralisiert noch mehr Wirtschaftsfelder – grade über Bankbeteiligungen, die zentrale Schaltstellen im Wirtschaftsleben sind. Doch die intensive Ausweitung der Staatsanleihen verbunden mit Krisensymptomen im Wirtschaftssystem lassen die Preise für die Absicherung der Kredite explodieren. Die FAZ:

Es gibt einen Markt, der misst, wie hoch das Risiko ist, dass ein Staat als Rückzahler ausfällt und am Ende der Laufzeit seine Schulden nicht begleichen kann. Den Markt der „Credit Default Swaps“ (CDS), der Wertpapiere, mit denen Länder und Firmen sich gegen den Ausfall von Krediten absichern. Auch dort steigen die Preise so stark, dass es Sorgen macht.

Noch vor zwei Jahren reichte ein Dollar, um eine zehnjährige amerikanische Staatsanleihe über 10.000 Dollar ein Jahr lang abzusichern. Anfang 2008 waren es rund acht Dollar, und jetzt kostet es sogar 62. Für deutsche Papiere sieht es nicht viel besser aus, die werden jetzt für 43 Dollar versichert.

FAZ

Die Übernahme der (privaten) Kredite der Banken in die Bücher des Staates stellen letztlich nur eine Verschiebung des Problems dar. Keine Lösung. Der Staat ist in die Lücke gesprungen, die die ersten Vertrauensverluste in das Finanzsystem gerissen haben. Aber die Gründe für die Vertrauensverluste, sind die tatsächlich getilgt?

Das nächste Schlacht-Feld könnten also die Staaten sein. Nach der Pleite diverser Banken stehen uns die Pleiten diverser Staaten bevor. Wenn auch zu den Staaten keine Kredite mehr fließen, müssen sie höhere Zinsen zahlen, um Geld anzulocken. Doch das Risiko in Staatsanleihen nimmt exponentiell zu, schon heute gehen fast 25% der deutschen Steuereinnahmen als Zinszahlungen an die Gläubiger. Und wieviel wird es “nach derWirtschaftskrise” sein? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit einer Rückzahlung der Staatskredite? Wann bricht auch hier der Glauben? Und wohin fließen die existierenden Gelder dann, wenn sie sich weder an den Weltbörsen noch bei den Staaten blicken lassen wollen? In Grund und Boden. Und sie entladen sich in steigenden Preisen, was man gemeinhin Inflation nennt. Aber bevor es dahin kommt, wird das Vertrauen in die Staatsgebilde schwinden und der Druck auf die Politik zunehmen.

Doch Menschen werden nicht einfach dastehen und Prozesse ablaufen lassen, die sie für wenig wünschenswert halten. Aktio = Reaktio dürfte in diesem Fall den Aufbau neuer Währungsysteme beschleunigen. Wir wissen, was mp3 und das Internet mit der Musikindustrie angestellt haben, wir können ahnen, was elektronische Verrechnungssysteme und Internet mit der Finanzbranche anstellen…

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Let’s play capitalism!

06. Januar 2009

Wo doch jetzt jeder jedem ALLES GUTE wünscht und uns alle ein “gesundes Jahr” erwartet, erzähle ich lieber eine Geschichte. Das andere habt ihr ja eh alles schon gehört.

Mein Schwager erzählte, wie er letztens die Geschichte von MONOP*LY gehört hat. Die wahre Geschichte natürlich. Und die geht so, daß eine Frau das Spiel ursprünglich dafür entwickelte, um deutlich zu machen, welche Wirkungen Privateigentum an Grund und Boden in einer Gesellschaft haben. Das Spiel verkaufte sich nicht so gut, bis jemand auf die Idee kam, das Prinzip umzudrehen: Jetzt gewinnt, wer am meisten Kohle macht und die Moral von der Geschichte bleibt einfach – ähm – unerzählt. Und dann kam da noch die Weltwirtschaftskrise und da jeder den Traum vom großen Geld träumte konnte man ihn sich wenigstens am heimischen Küchentüch beim Ausbooten der Kinder und der restlichen Verwandschaft in der Schloßallee herbeispielen…

Ich hab die Story nich überprüft. Wozu auch? Heute glaubt doch eh jeder, was ihm genehm ist…

Von der nächsten Geschichte ist auf jeden Fall wahr, daß sie gedruckt wurde. In der Frankfurter Rundschau nämlich. Und ich empfehle, sie zu lesen, denn ich kann sie nicht so schön erzählen: Big Mother is watching you. Ich bin ja ein Fan von Dezentralisierung. Aber manchmal gehts zu weit. Wenn die Dezentralisierung der Überwachung konsequent durchdacht wird, observieren wir demnächst alle unsere Kinder mit all den Spielzeugen, die frei verkäuflich sind. Kinderhandys zum Beispiel:

Nehmen wir zum Beispiel das “Kinderhandy Junior Tel” für 189 Euro inklusive Mehrwertsteuer – “eines der einfachsten Handys der Welt mit außergewöhnlichen Betreuungsfunktionen”, wie es bei einem “Fach- und Versandhandel für spezielle Lösungen im Bereich Mobilfunk und Festnetz” heißt. Das kleine Gerät verfügt über eine Betreuungsfunktion, zu deutsch “Set Care”, über die sich vier Uhrzeiten pro Tag festlegen lassen, zu denen das Kind durch Drücken einer beliebigen Handy-Taste signalisieren muss, dass es ihm gut geht. Bleibt das Drücken aus, schickt das Handy zum Beispiel eine SMS an die Eltern – denen es infolgedessen sicher auch nicht gut gehen dürfte. Derlei gemeinsames Erleben ist wichtig für den familiären Zusammenhalt.

Walter Schmidt in der Frankfurter Rundschau

Naja, wir müssen ja alle mit irgendwas “unser Geld” verdienen…

Und dann ist da noch die dritte Geschichte, denn in Artikeln solcher Art wie diesem ist es immer fein, wenn man die Sache rund machen kann. Gefunden bei net-news-global.de, wo ich alle zwei Wochen reinschaue, mehr ertrag ich derzeit nicht und ich will meine Zeit auch noch anderswo investieren, Lob trotzdem an die Konsequenz der Macher. Die dritte Geschichte knüpft an Peak Oil an (investierte Zeit beispielsweise hier: http://www.peak-oil.com, Gruss nach China :) ). Und da ist doch glatt jemandem beim Handelsblatt aufgefallen:

Ölmultis investieren in Aktien statt in Zukunft

Was ist passiert? Ganz einfach: Die Ölkonzerne nutzen die Gewinne, die sie in den Hochpreis-Monaten gemacht haben, um eigene Aktien zurückzukaufen. Warum kauft ein Unternehmen eigene Aktien zurück?

  1. Weil es zuviel Geld hat (Aha, da isses also! Herr Merkle hat’s gewusst, als er sich von einem Elektro-Zug statt einem ÖLKW überfahren liess…)
  2. Man kauft aus Shareholder-Value-Gründen natürlich grundsätzlich nur etwas, wenn man davon ausgeht, daß es später MEHR wert ist.

Also gehen die Ölkonzerne davon aus, daß es sich mehr lohnt, in eigene Aktien zu investieren statt in den Ausbau der Förderung oder in die Suche nach neuen Quellen. Geht man davon aus, daß Peak Oil real wird, daß also die Menge des global zu fördernden Öls sich nicht ewig steigern läßt, so ist bei Wirtschaftswachstumswahn irgendwann sowieso mit steigenden Preisen zu rechnen: Sinkendes Angebot bei steigender Nachfrage. Kommt es außerdem dazu, daß die Firmen, die für die Förderung von Öl zuständig sind, ihr Geld nicht in ihre unternehmerischen Tätigkeiten stecken, sondern in anderer Leute Taschen, dann ist eine Verknappung von Öl nur eine Frage der Zeit. Mit der Knappheit steigt der Preis, was natürlich denen nützlich ist, die Öl verkaufen. Und das sind – Bingo! – die Ölkonzerne.

Wenn Peak Oil also natürlich nicht durch natürliche Begrenzungen, wie ein “zu langsames Nachbilden von Erdöl im Boden” ausgelöst wird, dann durch die Verknappung des Rohstoffes durch die Lieferanten selbst. Junkie Business eben (Teil I anno 2004 bei Telepolis).  Es ist so einfach, einem Süchtigen Monopolpreise abzuknüpfen und eine Variante des Monopols ist ein Kartell: Leben in der OPECratie. Und siehe da, da ist er schon, der Bogen zum Anfang des Artikels:

Monopoly, Monopoly:

Bist doch nur ‘ne Randfigur

in einem schlechten Spiel.

Klaus Lage, “Monopoli” auf “Schweißperlen”, 1984

Naja, und wer jetzt noch Lust auf Spielen hat und sich für 2009 noch nix vorgenommen hat: sc::rollenspielers paradies

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