Archiv Dezember 2008

BKA

19. Dezember 2008

Bloss Keine Angst!

Das neue BKA-Gesetz kommt: Endlich!

Die deutsche Regierung ist demokratisch gewählt, wird die von ihr initiierten Gesetze also immer und bei jeder Gelegenheit im Sinne des Volkes einsetzen. Um Terroristen zu jagen. Steuerhinterzieher vielleicht noch.  Und Herr Schäuble, der oberste Minister über dieses Gesetz, ist doch offensichtlich der glaubwürdigste Regierungspolitiker überhaupt! Also: Bloss Keine Angst!

Wer nichts zu verbergen hat, braucht sowieso keine Angst zu haben. Die deutschen Behörden behelligen immer nur Leute, die Dreck am Stecken haben. Was Dreck ist ist klar in den deutschen Gesetzen definiert – natürlich so klar und eindeutig, wie es nur geht. Dass die Pressevertreter meinen, man rücke ihren Quellen auf die Pelle soll doch nur davon ablenken, daß Journalismus hierzulande schon lange überwiegend nur noch von Praktikanten und Volontären gemacht und von Privatunternehmen bezahlt wird. Online-Durchsuchungen, wie sie das Gesetz ermöglichen soll, sind doch sowieso schon lange Usus, wie die Deutsche Telekom in den letzten Jahren gezeigt hat. Und was privaten Unternehmen möglich ist sollte dem Staat doch schließlich sowieso zur Verfügung stehen. Es geht schließlich auch um die staatliche Sicherheit! *sic!* Also: Bloss Keine Angst!

PS:

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Sie denken, das geht wieder weg?

16. Dezember 2008

Sie denken, das geht wieder weg? Denken Sie besser nochmal!

Stellen Sie sich eine Welt vor, in der man alles hat. In der die Leute nichtmal wissen, was sie sich zu Weihnachten schenken sollen, weil man eigentlich nichts mehr braucht. Jedenfalls in den Milieus, wo man gut bezahlt in Arbeit steht. Wie will man denen jedes Jahr noch mehr verkaufen, um die jährliche (Wirtschaftswachstum genannte) Planübererfüllung hinzukriegen?

Stellen Sie sich andererseits eine Welt vor, wo man vieles brauchen könnte, aber kein Geld hat, es zu kaufen. Wo Kredit immer teurer wird und die Kleinstsummen, die man für eine überschaubare Existenzgründung braucht, gar nicht zu kriegen sind. Wo die Kapitalien dieser Welt bereits verteilt sind, teilweise jahrhundertelang in Dynastien vererbt und ständig anständig vermehrt wurden. Natürlich auf Kosten anderer, denn in einer endlichen Welt läßt sich nichts dauerhaft vermehren, ohne anderen etwas wegzunehmen. Und sei es Mutter Natur.

Stellen Sie sich diese zwei Welten vor: Auf demselben Planeten. Die reiche, gesättigte und übersättigte Welt die nicht noch mehr braucht und die arme, abgedrängte Welt, die nichts mehr kriegt und bis zum Hals in Schulden steckt. Ein Planet, in dem die Habenden den Habenichtsen nichts mehr leihen, weil sie Angst haben, es nicht mehr wiederzukriegen.

Sie denken, das geht wieder weg? Aber bestimmt nicht dadurch, daß Angela Merkel Milliarden für den Straßenbau ausgibt – was ja nichts anderes ist als die planwirtschaftliche Beschäftigung von Straßenbauarbeitern, die jenen Teil der gesellschaftlichen Infratstruktur ausbauen, die mangels Neuwagenverkauf immer weniger Leute nutzen werden.

Denken Sie nochmal! Neue Straßen sind schnell sichtbar, da muß man nicht lange denken, wenn man ein Land regiert, da kann man auf den jahrzehntelang erprobten Propagandatrick zurückgreifen und Beton in die Landschaft kippen, als gäbe es kein Morgen. An morgen zu denken würde bedeuten, heute Kindergärtner auszubilden, die aber natürlich erst in 3, 4 oder 5 Jahren verfügbar wären. Wer will so lange warten, bis Erfolge sichtbar sind?

Sie denken, die Wirtschaftskrise geht wieder weg? Schauen Sie nach Griechenland, dort sehen Sie die Zukunft! Die Zukunft einer Krise, die konsequent globale Ausmaße annimmt und als 2. Weltwirtschaftskrise ihren Weg in die Geschichtsbücher nehmen wird. Das heißt nicht, daß alles so wird, wie beim ersten Mal (wir sind sowohl technisch als auch bewußtseinsmäßig schon ein Stückl weiter), aber Weltwirtschaftskrise bedeutet auch nicht, daß ein bissl Straßenbaumilliarden, eine „Bad Bank“ oder 500 Milliarden Steuergelder für die Stabilisierung privater Finanzinstitute plötzlich alles wieder rosig machen. Vergessen wir nicht: Ein sattes System zu noch mehr Wachstum zu zwingen ist Unsinn. Aber das ist nunmal die Philosophie unserer Zeit, das hat mit DENKEN nicht mehr viel zu tun.

Sie denken also, das geht wieder weg? Ganz bestimmt nicht, bevor Die Große Kunst Des Neuen Denkens Schule macht. So lange gilt: Denken Sie besser nochmal!

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Kauft um euer Leben!

05. Dezember 2008

Zwischen “Autos, Autos über alles” und “Kauft um euer Leben!” schwanken die Zeitungsmeldungen dieser Tage. Eine Wirtschaftskrise zieht herauf. Niemand mag sie, aber trotzdem kommt sie. Und dies, obwohl Wirtschaft nichts anderes ist als das Ergebnis des Handelns aller Menschen, die gar keine Wirtschaftskrise wollen. Wir sind die Zauberlehrlinge, die ihre Geister nicht mehr loswerden…

Versuchen wir einen anderen Blick auf diese Krise. Daß die Leute keine Autos mehr kaufen deutet darauf hin, daß sie keine Autos BRAUCHEN. Zwar wurden “Milliarden” an Buchgeld im Zuge der Finanzkrise umgeschichtet, aber die meisten Menschen in Europa sind von echten Verlusten verschont geblieben. Geld zum Autokauf ist also da, aber offenbar ist der Kauf nicht NÖTIG. Was bedeutet das? Bedeutet das nicht, daß seit Jahren mehr Autos produziert und verkauft werden, als eigentlich GEBRAUCHT werden? Haben wir es mit einer Auto-Blase zu tun, die grade etwas Luft läßt?

Na klar, das Problem ist ja ein anderes: Werden weniger Autos gekauft, fahren die Autoproduzenten ihre Produktion zurück. Sie entlassen Leute und stornieren Aufträge bei Zulieferern, was letztlich entlang der Wertschöpfungskette zu Entlassungen und Einsparungen führt. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere Seite sieht so aus, daß ja eigentlich nur das WENIGER gekauft wird, was offenbar gar nicht so dringend GEBRAUCHT wird. Aus gesellschaftlicher Sicht heißt das, daß wir mit derselben Menge an Autos klarkommen. Wir haben also erstmal denselben Wohlstand wie zuvor. Aber: Wir sparen Zeit! Muss bei selbem Wohlstandsniveau weniger Arbeitszeit investiert werden, so bleibt mehr Freizeit! Das mag zynisch gegenüber jenen klingen, die grade von Entlassungen bedroht sind, soll aber folgendes verdeutlichen:

Wir jammern darüber, daß wir selbst und unsere Mitmenschen weniger einkaufen. Warum nutzen wir diese Situation nicht einmal, um darüber nachzudenken, warum wir Wirtschaft bislang so organisiert haben, dass möglichst VIEL zu tun ist? Was ist so gut daran, möglichst viele Autos zu herzustellen und möglichst jedes Jahr noch ein Stück Wachstum obendraufzulegen? Steigern die überfüllten Strassen unser Wohlbefinden? Macht Arbeit so viel Spaß, daß wir immer mehr davon haben müssen?

Wie würde wohl unser Leben aussehen, wenn wir nicht die ständige Ausweitung der Produktion betreiben, sondern unser Wirtschaftssystem auf Arbeitseinsparungen optimieren? Statt Sollbruchstellen in Konsumgütern einzubauen, damit sie möglichst schnell ersetzt werden können (Arbeit!!), möglichst lang haltbare Produkte herzustellen? Was ist so schlecht daran, wenn ein Auto 30 Jahre hält, statt im 10-Jahres-Zyklus verschrottet um dann mit enormem gesellschaftlichen und energetischen Aufwand wieder runderneuert zu werden?

Ich glaube es ist kein Wunder, daß die Suche nach SINN bei vielen Menschen verstärkt aufkommt. “Kauft um euer Leben” ist nichts, was langfristig SINN verspricht. Shopping als Ersatzhandlung kennt sicher jeder von uns, aber voran bringt uns das nicht. Weder dich und mich als Individuum noch uns als Gesellschaft. Mal aus dem ökonomischen Kontext rauszuspringen und Umwelt und Natur einzubeziehen, das wäre ein sinnvoller Punkt für die derzeit anlaufende öffentliche Diskussion. Und wir alle, die wir kaufen wollen und kaufen sollen wie die Blöden sollten uns mal fragen: Wieviel unserer Lebenszeit verbringen wir wohl gemeinschaftlich damit, Dinge zu kaufen, die wir nicht wirklich brauchen und diese Dinge herzustellen? Was würden wir wohl mit unserem Leben anfangen, wenn wir Wirtschaft etwas SINNvoller organisieren würden?

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