Die nächste Blase

06. November 2008

Obama und Merkel sei dank: Die Finanzkrise ist kurzerhand ein wenig in den Hintergrund gerückt. Das Versprechen der Bundesregierung, alle Geldvermögen zu garantieren wird zauberhaft flankiert von Briefen, die fast jede Bank an ihre Kunden schickt und darin deutlich macht: “Wir sind sicher! Wir gehören dem Einlagensicherungsfond an und haben hier noch eine Versicherung Ihrer Einlagen und außerdem hat die Bundesregierung eine Staatsgarantie abgegeben”. Wenn alles so sicher ist, wozu dann solch eine Brief-Offensive?

Die Krux der Staatsgarantie ist die, daß die Steuerzahler letztlich über Papa Staat für ihre eigenen Einlagen garantieren. Die Geld-Illusion geht weiter, so lange diese Zusammen-Hänge nicht in der breiten Masse ankommen. Dass dies nicht thematisiert wird macht Sinn, könnten allzu negative Nachrichten und Gedankenfetzen doch schnell zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden, womit die Illusion-Haftigkeit des Finanziellen eigentlich noch deutlicher wird. An der Psyche hängt das ganze System…

Doch die nächste Welle ist schon im Anmarsch. Die Abstände zwischen den zerstörerischen Schüben im Finanzsystem wurden in den letzten 2 Jahren immer kürzer, ich rechne spätestens mit Beginn des nächsten Jahres mit den nächsten Finanzleichen, die irgendeinem Tresor ausgegraben werden die Branche und uns Wirtschaftsteilnehmer aufschrecken werden. Größter Favorit derzeit: Die Kreditkartenblase. Nicht nur, daß vor allem US-Banken Wucherzinsen von ihren “Kunden” verlangen, nun hat die Branche offenbar Probleme, ihre Kredite weiterzuverkaufen. Denn dies war bislang in diesem Spielfeld des Finanzbereichs immer noch möglich. Sicherlich: Auch Kreditkarten-Firmen werden sich unter den “Finanz-Schutzschirm” der USA oder Europas flüchten, aber die Offenbarung weiterer Pleiten und Probleme wird das Mißtrauen ins Gesamtsystem verstärken und damit den Abzug der Mittel aus dem System. Genau das wollen die Banken mit ihren Briefen verhindern. Die Frage, wer heute eigentlich noch Geld hortet, wird in diesen Zeiten sehr schnell beantwortet. Dass dem auf Liquidität angewiesenen Wirtschaftssystem ruckzuck das Flussmittel ausgeht, wenn Geld nicht kursiert sondern rumliegt, wird deutlich. Gegen solche systemischen Krisen hilft auch kein Einlagensicherungsfond, was sich zunehmend rumspricht.

Die Zinssenkungen in Japan, USA und Europa werden die Probleme kaum lösen, bereits jetzt gibt es große Differenzen zwischen den Zinsen, die die Banken für Zentralbankgeld zahlen müssen und den Zinsen, die sie ihren Kunden anbieten. Zu hoffen, die grosse Politik fände Lösungen, erscheint mir zu spät. Man ist dort Verwalter, nicht Visionär. Deshalb möchte ich die Aufmerksamkeit gern mal wieder auf die kleinen, basisdemokratischen Entwicklungen lenken, die hierzulande vor sich gehen:

3 Kommentare zu “Die nächste Blase”

  1. Mimo schreibt:

    Regiogeld.

    Verfolge nun schon seit einiger Zeit deinen Blog. Nice Work.

    Ich glaube aber nicht dass Regiogeld wirklich das Problem löst. Das Problem ist zu Global.
    Regiogeld führt zur Abschottung und das ist nicht gut. Einheitswährungen haben sich nicht grundlos durchgesetzt. Der Mensch sucht immer wieder nach einheitlichen Dingen, damit der Austausch einfacher ist. Ich weiß auch (noch) nicht was die Lösung sein kann, glaube aber dass das Internet dabei eine große Rolle spielen wird.

  2. Spalmo schreibt:

    James Howard Kunstler beschreibt in sehr genau in seinem Buch “The Long Emergency” wie es weitergeht nach Peak-Oil and Finanz-Crash, vielleich ein “Worst Case Scenario” – aber dennoch – alles was unter den Teppich gekehrt oder als “zu negativ” bewertet wird ist mutig offengelegt.

    Kunstler schreibt, “How could such a catastrophe be so close at hand, and yet civilized, educated people in free countries with free news media and transparent institutions be so uninformed about it? I do not believe that the general ignorance about the coming catastrophic end of the cheap-oil era is the product of a conspiracy. Mostly it is a matter of cultural inertia, aggravated by collective delusion, and nursed in the growth medium of comfort and complacency. Author Erik Davis referred to this as the ‘consensus trance’.”

    http://www.officialwire.com/main.php?action=posted_news&rid=80410

    Siehe auch Kunstler’s Blog:

    http://jameshowardkunstler.typepad.com/

  3. Norbert schreibt:

    @Mimo: Ich denke auch, daß vom Internet noch interessante Entwicklungen zu erwarten sind. Ich suche ja immer noch nach Mitdenkern, Multiplikatoren und Entwicklern für diesen Ansatz hier:
    http://wiki.regionales-wirtschaften.de/index.php/Dezentrale_Finanzsysteme

    Müssen für globale Probleme auch globale Lösungen gefunden werden? Ich habe da meine Zweifel. Die immer weiterschreitenden Gigantisierung von Prozessen und Strukturen hat nicht unbedingt zu mehr Stabilität geführt. Im Gegenteil: Wenn alle Membranen fallen pflanzen sich Probleme im System ungebremst in alle Gegenden fort. Ganz klar plädiere ich deshalb dafür, sich auch Gedanken über Strukturierungen des Globus zu machen. “Der Globus” ist ja kein Einheitsbrei, die Natur baut alle paar Meter die Umgebung um. Ein Plädoyer für “Einheitswährungen” überzeugt mich also nicht, wenn es sich nur auf die bisherige (politisch gewollte) Entwicklung bezieht.

    Den Gedanken einer regionalen Gliederung des Globus finde ich dagegen sehr sympatisch und vorausschauend! Regionen sollten die lebensnotwendigen Produkte und Dienste aus sich selbst heraus erbringen können, das schafft Stabilität! Dafür sind Regiogelder sehr hilfreiche Werkzeuge. Daß man zusätzlich auf überregionale Märkte mittels überregionaler Währungssysteme zurückgreift, ist nur logisch. Aber Monokultur durch globales Einheitsgeld ist Dummheit, denn eine alleinige globale Währung würde sich recht schnell in Produktions- und Finanzzentren konzentrieren und alle anderen Gegenden verarmt zurücklassen.
    Die Demokratisierung der Finanzsysteme ist dringend nötig. Und demokratisierung heißt auch: Überschaubarkeit. Dazu gehört einerseits Transparenz (Hallo Bankgeheimnis!?) und andererseits Beeinflussbarkeit – und das läßt sich leichter realisieren, wenn die Gelder nah am Menschen sind. Ansonsten entstehen wieder nur Gigantik-Strukturen, die von wenigen gelenkt werden.

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