Archiv November 2008

492.000 Euro für andere Welten

16. November 2008

Über eine Maillingliste erreichte mich folgender Link:

http://www.17-s.info/i-have-robbed-492000-euros-whom-most-rob-us-order-denounce-them-and-build-some-alternatives-society

Auf der Seite beschreibt ein kalonischer Aktivist (Enric?), wie er fast eine halbe Million Euro durch Kredite von Banken bekommen hat, die er zum Auf- und Ausbau alternativer Wirtschafts- und Lebensformen einsetzen will. Laut dem Text hat er von 39 Bank- und Kreditinstituten Kredite für persönliche oder unternehmerische Aktivitäten bekommen, die er nicht beabsichtigt, zurückzuzahlen. Die Liste der “Spender”enthält Namen wie American Express, Santander, Barclays, Deutsche Bank oder die Volkswagen Bank. Er sieht seine Aktion nicht als kriminellen Akt sondern als Ausdruck zivilen Ungehorsams gegenüber eines für ihn nicht vertretbaren Wirtschaftssystems. Seiner Aussage nach üben große Wirtschaftsakteure, wie die von ihm belangten Banken, nicht nur Einfluss im Wirtschaftsleben sondern insbesondere auch auf die Politik aus. Er beschuldigt sie, für Kriege und Umweltzerstörung verantwortlich zu sein.

Laut dem verlinkten Text ist er abgetaucht, um den möglichen juristischen Konsequenzen zu entgehen. Ihm ist klar, daß er damit sein weiteres Leben in seinem bisherigen sozialen Umfeld aufs Spiel setzt. Seine persönlichen Aktivitäten will er außerhalb Kataloniens fortsetzen, bis die wirtschaftlichen und politischen Gegebenheiten sich geändert haben. Er ruft die Leser der Webseite auf, eigene Aktionen zu starten, zu denen er Vorschläge macht. Mit dem Aufruf eines Miet-Streiks oder der Verweigerung von Kreditdiensten setzt er scheinbar bewusst an den Schwachstellen des Finanzsystems an. Er sieht seine Aktion, die wohl seit 2006 gereift ist, in der Tradition von “el grupo de los solidarios”, die 1923 die Bank von Spanien beraubte oder von Aktivisten wie Buenaventura Durruti, Quico Sabaté oder Salvador Puigantich, die alle in der Tradition des spanischen Anarchismus standen, sowie Martin Luther King und Ghandi, die durch gewaltlose Aktionen gesellschaftliche Veränderungen initiierten.

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Die nächste Blase

06. November 2008

Obama und Merkel sei dank: Die Finanzkrise ist kurzerhand ein wenig in den Hintergrund gerückt. Das Versprechen der Bundesregierung, alle Geldvermögen zu garantieren wird zauberhaft flankiert von Briefen, die fast jede Bank an ihre Kunden schickt und darin deutlich macht: “Wir sind sicher! Wir gehören dem Einlagensicherungsfond an und haben hier noch eine Versicherung Ihrer Einlagen und außerdem hat die Bundesregierung eine Staatsgarantie abgegeben”. Wenn alles so sicher ist, wozu dann solch eine Brief-Offensive?

Die Krux der Staatsgarantie ist die, daß die Steuerzahler letztlich über Papa Staat für ihre eigenen Einlagen garantieren. Die Geld-Illusion geht weiter, so lange diese Zusammen-Hänge nicht in der breiten Masse ankommen. Dass dies nicht thematisiert wird macht Sinn, könnten allzu negative Nachrichten und Gedankenfetzen doch schnell zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden, womit die Illusion-Haftigkeit des Finanziellen eigentlich noch deutlicher wird. An der Psyche hängt das ganze System…

Doch die nächste Welle ist schon im Anmarsch. Die Abstände zwischen den zerstörerischen Schüben im Finanzsystem wurden in den letzten 2 Jahren immer kürzer, ich rechne spätestens mit Beginn des nächsten Jahres mit den nächsten Finanzleichen, die irgendeinem Tresor ausgegraben werden die Branche und uns Wirtschaftsteilnehmer aufschrecken werden. Größter Favorit derzeit: Die Kreditkartenblase. Nicht nur, daß vor allem US-Banken Wucherzinsen von ihren “Kunden” verlangen, nun hat die Branche offenbar Probleme, ihre Kredite weiterzuverkaufen. Denn dies war bislang in diesem Spielfeld des Finanzbereichs immer noch möglich. Sicherlich: Auch Kreditkarten-Firmen werden sich unter den “Finanz-Schutzschirm” der USA oder Europas flüchten, aber die Offenbarung weiterer Pleiten und Probleme wird das Mißtrauen ins Gesamtsystem verstärken und damit den Abzug der Mittel aus dem System. Genau das wollen die Banken mit ihren Briefen verhindern. Die Frage, wer heute eigentlich noch Geld hortet, wird in diesen Zeiten sehr schnell beantwortet. Dass dem auf Liquidität angewiesenen Wirtschaftssystem ruckzuck das Flussmittel ausgeht, wenn Geld nicht kursiert sondern rumliegt, wird deutlich. Gegen solche systemischen Krisen hilft auch kein Einlagensicherungsfond, was sich zunehmend rumspricht.

Die Zinssenkungen in Japan, USA und Europa werden die Probleme kaum lösen, bereits jetzt gibt es große Differenzen zwischen den Zinsen, die die Banken für Zentralbankgeld zahlen müssen und den Zinsen, die sie ihren Kunden anbieten. Zu hoffen, die grosse Politik fände Lösungen, erscheint mir zu spät. Man ist dort Verwalter, nicht Visionär. Deshalb möchte ich die Aufmerksamkeit gern mal wieder auf die kleinen, basisdemokratischen Entwicklungen lenken, die hierzulande vor sich gehen:

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8 Jahre Hölle…

05. November 2008

Ich erinnere mich nur vage an den Moment der Wahl von George W. Bush anno 2000. Ungemütlich war mir der Gedanke schon, diesen Mann als Lenker der schlagkräftigsten Nation des Planeten zu sehen, aber dass es so kommen würde, wie es kam, konnte damals keiner ahnen. Und zugegeben: Mein Engagement steckte grade in ganz anderen Sachen als in der (Welt-)Politik.

Der 11. September hat dann klar in den Vordergrund gerückt, was vorher dunkle Ahnung war. Zwei Kriege hat Bush junior daraufhin vom Zaun gebrochen, einen ganzen Planeten mit Mißtrauen und Paraoia infiziert, ein außerrechtsstaatliches Konzentrationslager eröffnet, Angriffskriege legitim gemacht, einen Kreuzzug gegen kaum faßbare Terroristen aufgemacht und damit anderen Leuten den Weg geebnet, die in seiner Bugwelle mitschwammen. Man denke nur an die Überwachungsmaßnahmen des deutschen Innenministeriums. Mathias Bröckers Skepsis gegenüber der Berichterstattung zu 9/11 bei Telepolis hat den Impuls gegeben, diesen Seiten aufzubauen und immer war hier die Kritik an der Politik des US-Präsidenten präsent.

Nun also gibt es einen neuen Präsidenten und auch wenn ich seinen künftigen Aktivitäten erstmal reserviert gebenüberstehe, sollte uns klar sein, daß sich hier tatsächlich ein historischer Moment zeigt. Nicht nur, daß die Zeit der Bush-Dynastie vorerst beendet ist, es ist ein Symbol von globaler Bedeutung: Ein Schwarzer wird die schlagkräftigste Nation des Planeten lenken. Herzlichen Glückwunsch, Barack Obama!

Machen wir uns nichts vor, es wird ein harter Job. Mitten in der Finanzkrise, zu Beginn der 2. Weltwirtschaftskrise, verwickelt in 2 Kriege und den “Krieg gegen den Terror”, am Vorabend von Peak Oil würde ich nicht Chef der USA sein wollen. Der gestrige Wahlerfolg von Obama ist ein weiterer Schritt in einer grundlegenden Veränderung dieses Planeten. Dazu hat Bush’s Desaster einiges beigetragen, denn es hat Unruhe und Veränderungswilligkeither vorgebracht. Wohin die Reise geht, wissen wir noch nicht. Daß es aber grundsätzlich nicht so weiter geht wie bisher, wird immer mehr Leuten klar. Schauen wir also neugierig aber nicht kritiklos auf das, was Barack Obama und seine Leute in den Vereinigten Staaten von Amerika anstoßen werden…

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