Fast wie im Film: Systemkrise ahoi!

08. Oktober 2008

Seltsame Blüten zeigen sich am medialen Himmel unter der Sonne der “finanziellen Kernschmelze”: Selbstkritik wird machbar. Und das nicht nur im Vatikan:

Der Papst zur Finanzkrise

Auch im SPIEGEL. Dort findet sich der selbstkritische Artikel von Wolfgang Kaden, der Schuldige und ihre Komplizen beschreibt. Darunter auch: Journalisten. Aber nicht zu früh gefreut: Auch wir Otto Normalanleger werden genannt. Und das möchte sein! Schließlich sind auch wir Teil des Systems und nutzten seine Eigendynamik bislang unkritisch zum eigenen Vorteil aus. Wie lange noch? Und eine interessante Frage wirft der Artikel im Spiegel auf: Wie hoch sollten Wachstumserwartungen künftig sein? Hoffen wir, daß diese Fragen im medialen Universum künftig eine Rolle spielen…

Ebenfallsim SPIEGEL: Ein Interview mit Noam Chomsky. Grundsätzliche Systemkritik bekommt eine mediale Bühne. Chomsky, der mit Kapitalismuskritik und anarchistischen Ideen schon länger durch die Lande zieht, spricht nochmal das Einparteiensystem der USA, die Illusion der Europäer bezüglich Barack Obama und den Wahn der Konsumreligion an. Mehr davon, bitte!

Der drohende Staatsbankrott Islands führt nicht nur zu verstärkten Besucherzahlen auf diesen Seiten (allein gestern 56 Besucher, die über Google nach “Staatsbankrott” suchend auf diesen Artikel von 2004 stolperten), er führt auch zu Gerüchten. So wird nämlich derzeit die angebliche Kreditzusage von Rußland an Island gehandelt. Angeblich gibt es noch gar keine Absprachen zwischen den beiden Ländern. Interessant wäre es aber auf jeden Fall, schließlich sind Kreditverbindungen immer ein interessantes Mittel, Einfluß zu nehmen. Davon wissen die Entwicklungsländer ein Lied zu singen, hängen sie doch teilweise seit Jahrzehnten am Kredit-Tropf der Nordländer. Wobei die Zinszahlungen für die Kredite die jährliche Entwicklungshilfe um ein Vielfaches übertrifft. Bilden wir uns bloß nicht ein, wir zahlen faire Marktpreise für Bananen und Rohstoffe aus dem Süden…

7 Notenbanken senken die Zinsen, während die Tagesgeldzinsen im Steigen befindlich sind. Das könnte kurzfristig was bringen, dürfte aber mittelfristig zeigen, daß die Instrumente der Notenbanken nicht ausreichend sind, um auf systemische Krisen zu reagieren (vielleicht sollten sie dann mal in der Bibliothek der FED Dallas kramen). Die Leute kaufen Gold (denkt dran: Kann man nicht essen!). Die Börsen gehen tendenziell in den Keller, haben aber im Tagesverlauf Schwankungen von mehreren Prozent, so daß ich mich manchmal ärgere, daß ich kein Millionär bin und mich mit dem Thema auskenne, sonst ließen sich sicherlich am Tag 10 bis 20% verdienen – Hoch-Zeit für Spekulanten! Verdoppelt hat sich das Vermögen von Besitzern von VW-Aktien seit Anfang September. Was dort derzeit los ist, weiß keiner. Während die meisten Aktien massiv verlieren legt Volkswagen zu, so als sei es der einzige Konzern, der Peak Oil ein Schnippchen schlägt und das erste “Perpetuum Mobil” auf den Markt bringt. Wer weiß!? Die Stammaktie legte allein am Dienstag um über 50% zu, obwohl Automobile derzeit nicht besonders beliebt sind. Bei der Financial Times ist dazu zu lesen: Der Börsenkurs verliert jeden Bezug zur realen wirtschaftlichen Lage. Man kommt sich bissl vor, wie im Film, oder?

Na dann, mal gucken, was die nächste Folge bringt…

PS: Apropos Kredite und so. Die CIA hat ein Ranking auf ihrer Seite. Betrachtet man den Planet Erde als große Bank, bei der das eine Land im Plus und das andere Land im Minus ist, dann sahen die Kontostände Stand 2007 so aus. Die Liste zeigt also: Wer schuldet wem? Oben die Lieferanten, die noch auf Gegenleistung warten, unten die Empfänger der letzten Jahre, die eigentlich noch liefern müssten… Naja. Vielleicht doch lieber ein Schuldenerlassjahr?

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