Der Tod der Kapitalgedeckten Rente?

08. Oktober 2008

Soeben schwappt durch die medialen Kanäle die Meldung:

US-Pensionskassen haben in den vergangenen 15 Monaten 2 Billionen Dollar an Wert verloren. Diese Werte sind eigentlich dafür gedacht, daß Menschen, die in diese Fonds investieren, im Alter davon leben können – indem sie ihre Anteile wieder verkaufen und zu Geld machen, mit dem sie ihre Brötchen kaufen.

In den letzten Jahren wurden auch in Europa kapitalgedeckte Modelle intensiv beworben, sogar staatlich gefördert, und das gesetzliche Modell wurde eher zum Auslaufmodell erklärt. Vorgeblicher Grund: Im Kapitalgedeckten Rentensystem gibt es höhere Renditen, über die Zeit ja bekanntlich mit Zins und Zinseszins. Und auf dem Papier ergibt das natürlich hübsche Zahlen…

Nun ist aber das Problem, daß man Zahlen nicht essen kann. Geld im Computer sind nur ANSPRÜCHE auf Leistung, nie die Leistung selbst. Nur wenn es einer Gesellschaft gelingt, im selben Maße Güter und Leistungen zu produzieren, wie die Ansprüche anwachsen, ist das Geld noch dasselbe Wert wie die Leistungen, die man damit irgendwann kaufen will.

Systemisch gesehen sind hier aber mehr Parameter zu beachten als nur die auf dem Papier stehende Geldmenge. Es ist beispielsweise nicht unwichtig, wie hoch die Wirtschaftskraft einer Gesellschaft ist und ob aus dieser Wirtschaftskraft überhaupt die geforderten Leistungen beziehbar sind. Problematisch wird es beispielsweise, wenn eine Gesellschaft “überaltert”, wenn also tendenziell weniger arbeitende Menschen mehr Rentnern gegenüberstehen. Es sollte LOGISCH sein, daß dann vermutlich weniger produziert wird, obwohl MEHR Menschen versorgt werden müssen.

Ein Umlageverfahren, wie es die gesetzliche Rentenversicherung in Deutschland darstellt, kommt nur bei unsinniger Berechnung (“Rentenformel”) in den Zwiespalt, mehr zu versprechen als es leisten kann. Beim Umlageverfahren werden Einnahmen der Rentenkasse SOFORT wieder verwendet, um die DERZEITIGEN Rentner zu versorgen. Es müssen keine – risikoreichen – zwischenzeitlichen Umverteilungen innerhalb des Wirtschaftssystems vorgenommen werden, um Verzinsungen zu erwirtschaften, sondern es ist klar und deutlich: Es kann nicht mehr gegessen werden, als produziert wird.

Natürlich behebt solch ein Rentensystem nicht das Problem der Überalterung. Aber es bewahrt vor der Illusion, “die Rente sei sicher” und stellt außerdem klar: Rentner gibt es nur durch gesellschaftliche Solidarität! Nur wenn die Arbeitsfähigen willens und in der Lage sind, die älteren Menschen mit zu versorgen, gibt es eine Altersvorsorge.
Bricht dieser “Generationenvertrag” oder wird er durch den Umweg über Kapitaldeckung gebrochen (was nichts anderes als der Versuch ist, Einzelne in ihren Rentenansprüchen zu übervorteilen, was logischerweise auf Kosten anderer geht, denn es kann ja nicht mehr verteilt werden, als produziert wird); wird also dieser Generationenvertrag gebrochen, ist Geld nur noch Papier.

Was lernen wir also aus den Entwicklungen der US-Pensionsfonds…?

4 Kommentare zu “Der Tod der Kapitalgedeckten Rente?”

  1. herr_schlapf schreibt:

    eine kleine aber nicht unerhebliche falschaussage finde ich in deinem text.
    und zwar das mit der überalterung.
    unsere bevölkerung wächst kaum noch oder stagniert und das durchschnittsalter steigt an.
    das hat zur folge dass es immer mehr ältere menschen gibt und weniger junge.
    allein aus dieser tatsache ein versorgungsproblem der rentner zu kreierien lässt andere fakten völlig ausser acht.
    denn es werden nicht nur die alten menschen von der arbeitenden bevölkerung mitversorgt sondern auch die kinder. beide personengruppen, alte und kinder, müssen immer von der arbeitenden bevölkerung mitversorgt werden will man sie nicht verhungern lassen.

    überalterung bedeutet mehr alte menschen müssen mitversorgt ABER auch weniger kinder.
    will man das durchschnittsalter hoch halten das verhältnis von alten und arbeitern zugunsten der arbeiter verlagern, MÜSSEN mehr kinder in die welt gesetzt werden.
    hier müssen dann im verhältnis gesehen weniger alte mitversorgt werden aber auch mehr kinder.
    dies hat ein ständiges bevölkerungswachstum zur folge. und ewig können wir uns ja auch nicht vermehren.immer mehr menschen brauchen immer mehr ressourcen und die sind ja begrenzt.
    die lösung eine überalterung der gesellschaft durch immer mehr kinder zu verhindern ist also von vorneherein zum scheitern verurteilt.
    eine lösung die funktionieren würde, wäre es das durschnittsalter der bevölkerung bei gleicher bevölkerungszahl zu senken. dies kann durch viele massnahmen geschehen, und die kosten nicht einmal viel :) z.b. keine medizinische versorgung ab 65, jeder rentner erhält nur noch was wer zum anziehen und zum essen braucht. das einzige was er noch erhält ist eine selbstmordpille. in diesem szenario dürfte schon der eine oder andere davon gebrauch machen.

    allerdings bin ich von dieser lösung nicht gerade begeistert.
    vor allem weil wir einen eminent wichtigen faktor für die versorgung der nichtarbeitenden bevölkerung (rentner und kinder) durch die arbeitende bevölkerung gänzlich ausser acht gelassen haben.
    nämlich die leistungsfähigkeit bzw. produktivität einer wirtschaft.
    es kommt hier niemals allein auf die zahl der arbeiter an wieviel eine wirtschaft produziert sondern wieviel die arbeiter mit hilfe der maschinen produzieren.
    vergleicht man die zahl der heute in der landwirtschaft tätigen menschen mit der zahl derjenigen die vor 100 jahren in der landwirtschaft tätig waren so dürfte sie vor 100 jahren um eine vielfaches höher gewesen sein. wobei die bevölkerung damals bei grösserer fläche (deutsches reich) kleiner war ( dürften so ca. 60 mio gewesen sein), die produktion der jetztigen landwirtschaft im vergleich zu der vor 100 jahren um ein vielfaches höher ist.

    jetzt – wenig arbeiter —> viel produktion
    früher viel arbeiter—-> niedrigere produktion

    wenn man hier die logik derjenigen anwendet, die ein versorgungsproblem darin erkennen dass es immer mehr alte menschen und immer weniger junge gibt, dann würde mich interessieren warum wir bis jetzt noch nicht verhungert sind, sondern dass es uns im gegenteil, was die versorgung mit nahrungsmitteln angeht, besser geht???

    vielleicht sollte man mal bei den bauern nachfragen warum es denn immer noch genug nahrungsmittel gibt, obwohl wir ja eigentlich nach aller logik (viele bauern —>viele nahrungsmittel—>gute versorgung/ wenig bauern—>wenig nahrungsmittel—>schlechte versorgung) schon lange am verhungern sein müssten.

  2. 2nd_Ralf schreibt:

    Nach langer Zeit wieder auf feldpolitik gestoßen (Totgeglaubte leben eben länger :)…

    Als dieses Riester-Elend begann wurden im Jahre 2004 die Unternehmer verpflichtet (!), dass deren Mitarbeiter während ihrer Arbeitszeit von privaten Versicherungsvertretern “beraten” werden. So hatte auch ich ein Pflicht-Beratungsgespräch und so erinnere ich mich noch an die schönen Powerpoint-Präsentationen mit den stetig ansteigenden Vermögenskurven, die ich da (wie jeder andere auch) vom schnittigen, erfolgsversprechenden Versicherungsvertreter präsentiert bekam. Meine provokante Frage, ob er mein Geld in seinem Garten “anlegen” und auch immer fein gießen würde, damit es “arbeiten” und wachsen möge, trieb ihm allerhand Zornröte ins Gesicht (mehr als Floskeln über das arbeitende Geld hatte ich auch nicht erwartet, geschweige denn bekommen). Wer von so einem System im Ganzen mehr Leistung für den Einzelnen wie auch für die Allgemeinheit (!) erwartet, der muss schön mächtig gutgläubig oder gar blöd sein. Politiker als “Leithammel” haben eine große gesellschaftliche Verantwortung, doch gerade jene, die dieses funktionierende Rentensystem attackiert und geschädigt haben, sind wohl in erster Linie genauso blöde wie alle anderen Schafe, oder verstecken sich vielleicht doch hier und da ein paar Wölfe in Schafspelz? Es wird Zeit, dass dieses System wieder korrigiert wird. Als Norbert Blüm damals den Satz “die Rente ist sicher” aus Überzeugung formuliert hatte, da lachten alle, aber wer dessen Überzeugung und Argumentationen kennt, der beginnt vielleicht zu verstehen, was Rente überhaupt sein soll.

    Das Geheule von Überalterung finde ich unerträglich. Jede/r Einzelne kann da gegensteuern, wenn er/sie nur will. Wer es noch nicht weiß, wie man zu einem Kind kommt (oder auch zu mehr), der melde sich bei mir, ich erkläre gerne wie es geht ;-) Ich würde wirklich mal wissen wollen, wie hoch die “Kinder-Quote” bei den Autoren und Lesern dieser Seite ist – beispielhaft als Abbild unserer Gesellschaft.

    Abgesehen davon haben früher Kindersterblichkeit, Seuchen, Armut, Kriege usw. für die typische “Generationen-Pyramide” verursacht. Wenn eine Gesellschaft es schafft, jene negativen Faktoren auszumerzen, nunmehr aber zusehends alles wieder “den Bach runter gehen lässt”, dann sollte sich diese Gesellschaft – und mit ihr jeder Einzelne – fragen, welche moralisch-ethischen Grundsätze inzwischen verloren gegangen sind! Hat es vielleicht etwas mit Egoismus zu tun? Wer Gemeinsinn, Solidarität, das Teilen, Tragen und Mittragen verpönt und einzig die Selbstverwirklichung des Individuums zum Ziel erklärt, der sollte sich hernach nicht wundern.

    @ herr_schlapf :
    Was die Bauern angeht, so gehen die ja nicht mehr mit der Sense oder dem Gaul über den Acker. Die Produktivität ist gestiegen und damit einhergehend auch der Ertrag, das muss doch nicht zwangsläufig böse sein.

  3. herr_schlapf schreibt:

    das ist auch nicht böse dass die bauern heute wesentlich weniger als früher die sense benutzen :) die “überalterung” der bevölkerung ist alleine kein grundsätzliches problem welches die versorgung der alten ausser frage stellt. sie wird erst dann zum problem wenn die produktivitätssteigerungen, das weniger an menschlicher arbeitskraft, nicht mehr ausgleichen können. aber davon sind wir ja noch meilenweit entfernt.
    im gegenteil, wir können es uns ja sogar leisten etliche millionen menschen, von denen der grösste teil auch etwas arbeiten will, im wertschöpfungsprozess aussen vor zu lassen.

    wenn wir wirklcih mal wieder vollbeschäftigung haben sollten und zugleich kein mehr an produktion aufgrund von mehr oder besseren maschinen möglich ist, erst dann braucht man sich über eine “überalterung” der bevölkerung gedanken zu machen.

    vorher ist das völliger quatsch, dann ist das wohl viel eher ein verteilungsproblem unseres wirtschaftssystems unter dem die alten zu leiden haben und kein problem im herstellungsbereich unseres wirtschaftssystems.

  4. 2nd_Ralf schreibt:

    Zukunftsprognosen sind sowieso nur begrenzt haltbar – meist werden sie von der Gegenwart eingeholt ;-)
    Vielleicht gibt es ja mal soooo viele Rentner, dass die Grauen Panther wieder auferstehen und die Bundestagswahl im Jahr 2049 mit absoluter Mehrheit gewinnen, weil sie ihren Wählern die Staats-Rente zurück-versprechen. Ist das nicht eine Vision – die privaten Versicherer werden dazu noch enteignet, deren Versicherungsnehmer gütlich entschädigt – alle düsteren Prognosen platzen wie eine Seifenblase ??? Das setzt natürlich voraus, dass uns die Demokratie nicht verloren geht! Den Kuchen zur gegebenen Zeit neu aufzuteilen, sollte “uns Alten” dann nicht schwer fallen. Also Kopf hoch, lassen wir uns von diesen Lobby-Dummschwätzern nicht jeden Mist ins Gehirn blasen, Querdenken ist sinnvoller!

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