Eine Party der anderen Sorte

17. September 2008

Rutschpartien fand man früher lustig, wenn es heute bergab geht, fragt sich selbst die BiLD, ob das Geld der Sparer noch sicher ist. DerStandard berichtet, daß man in Innsbruck um sein Geld bangt. Dort hat man das Kanalnetz der Stadt vor einigen Jahren in die USA vermietet, um es dann wieder zurückzumieten. Cross-Border-Leasing nennt sich das, war seit einigen Jahren schon heftig in der Kritik, hielt aber trotzdem einige besonders schlaue Pappnasen nicht davon ab, per grenzüberschreitendem Steuersparmodell ein paar Millionen mehr in die mauen Kassen zu spülen. Naja, einen Vorteil hat die Situation für die Innsbrucker: Die Amis werden sich “ihr Kanalnetz” ganz sicher nicht abholen… (was im Standard-Forum zu bissigen Kommentaren führte)

Fakt ist: Es geht derzeit gut durcheinander. Die viertgrößte US-Bank Lehmann Brothers pleite, die Hypothekenfinanzierer Freddy und Fannie verstaatlicht (wer hätte das gedacht). Eine große Versicherung nah am Kollaps und in Großbritannien gleich die nächste Bank. Schon fast komisch mutet da an, daß aus der deutschen KfW-Bank noch am Montagmorgen, also kurz vor der offiziellen Bankrotterklärung im Hause Lehmann nochmal schnell 300 Millionen Euro Kredit vergeben wurden. Man hofft, daß man 50% davon wiedersieht. DAS nenne ich Rendite!

Meine Freundin fühlte sich angesichts des Peanuts-Kredits angeregt zu fragen, wieso eine Bank, die früher “Kreditanstalt für Wiederaufbau” hieß (und jetzt nur noch KfW-Bank ohne Bedeutung der Buchstaben heißen soll) eigentlich soviel Geld in die Staaten schickt. Was bauen die denn da auf?

Abbauen ist zur Zeit eher angesagt! Der Zusammenbruch der Firma Lehmann schlägt sogar auf den deutschen Einlagensicherungsfond durch. Denn die deutsche Tochter der US-Investmentbank hängt da nunmal mit drin – und dadurch der deutsche Sparer/Steuerzahler. Und man kommt mit dem Aufzählen gar nicht so recht nach, denn soeben trudelt die Nachricht ein, daß Anleger die Schieflage von Morgan Stanley befürchten. Taumelt da der nächste Riese am Finanzhorizont? Wieviele Milliarden wollen die Zentralbanken noch “einschießen”, um das System zu stabilieren? Oder sind das alles nur Gerüchte? Fast egal, denn unser Finanzsystem beruht auf Vertrauen (Kredit kommt immer noch von credere=vertrauen) und für Vertrauen sind selbst Gerüchte Sprengstoff.

Ich hab ja das Gefühl, ich wiederhole mich hier eh nur. Wer mag, darf gern im Archiv stöbern und beispielsweise zwei Artikel von 2004 lesen:

Der Fluch des Global Money

Global Domino (Fluch des Global Money Reloaded)

Ich gebe zu, ich hätte damals nicht unbedingt gedacht, daß noch 4 Jahre vergehen, aber ich mußte ja allgemein lernen, daß diese Welt recht träge ist. Oft leider an den falschen Stellen… Insofern wiederhole ich mich gern erneut, indem ich auf Zinssystem und Staatsbankrott von Bernd Senf verweise, auf Gedanken zu Sicherungssystemen im Finanzsystem sowie auf das Treffen von Regiogeld-Initiativen in Bielefeld.

Es kann sein, daß das alles nicht so wild ist, wie es derzeit an den “Märkten” gekocht wird. Da Vertrauen die Basis des Systems ist, entscheidet die Fähigkeit der Spin-Doktoren und Meinungsmacher darüber, ob sich das System wieder fängt. Das kann durchaus passieren und es können wieder Monate bis Jahre vergehen, bis die nächste Stufe der Entwicklung zündet. Aber ich bleibe bei meiner Prognose: 2012 leben wir in einer anderen Welt.

PS:

- Banken in Rußland mißtrauen sich und leihen sich kein Geld mehr untereinander. Zentralbank reagiert mit massivem Absenken der Mindesreservesätze (Inflationsgefahr!)

- US-Börsenaufsicht versucht, den Spekulationen per Verboten beizukommen. Systemanalyse wäre besser…

1 Kommentar zu “Eine Party der anderen Sorte”

  1. Heiko schreibt:

    Na endlich mal wieder ein Beitrag hier. ^^

    Die Zeche wird wohl die ganze Welt (dank der Noch-Leitwährung US-$) bezahlen und so können die Amis wieder mal ihren Import-Haushalt sanieren. Ich wollte auch schon immer einmal eine Gelddruckmaschine im Kellerchen stehen haben und darauf hoffen das alle zu mir kommen. Ja, man hats dort perfektioniert aus dem Nichts Werte zu schaffen.

    Würden die Chinesen etwas Courage besitzen würden sie jetzt ihre 1500 Mrd. $ Devisen-Reserven auf den Markt schmeißen. ^^

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