Remember, remember, the 5th of November!
Ron Paul. Republikaner. 72 Jahre alt. Präsidentschaftskandidat in den USA. Ein Phänomen.
Ron Paul? Aussichtsreicher Außenseiter? Revolutionär? Eine selbsterfüllende Prophezeiung?
Die Wahrscheinlichkeit ist nicht besonders groß, daß der Name dieses Mannes, der schonmal für die Libertäre Partei angetreten ist, besonders vielen Europäern bekannt ist. Selbst in seinem Heimatland taucht sein Name selten in der herkömmlichen Presse auf. Funk, Fernsehen und Fachzeitschriften orientieren sich meist an bereits bekannten Namen, denn mensch liest das und hört dahin, wo er Bekanntes entdeckt. So funktioniert die Promibasierte Aufmerksamkeitsökonomie nunmal.
Trotzdem ist der Name bemerkenswert. Nicht deshalb, weil er vielleicht wirklich die Chance auf die US-Präsidentschaft hat. (Dies wäre nochmal zu beleuchten, falls er wirklich in die engere Wahl kommen sollte.) Doch vor allem wegen seiner politischen Ansichten. Und wegen der “seltsamen Kampagne”, die vor allem online für ihn wirbt und wirkt. Klar ist es nämlich nicht immer: Ist Ron Paul wirklich so erfolgreich oder ist es die Suggestivkraft seiner Unterstützer, die mit dem Anschein des Erfolges erst jenen Erfolg hervorbringen, über den zu berichten sie vorgeben? Wo sich Ursache und Wirkung verkehren wird die Macht selbsterfüllender Prophezeiungen deutlich…
Ron Paul fordert die Abschaffung der FED, der Zentralbank der USA.
Ron Paul ist für eine Lockerung der Drogenpolitik (und für eine Lockerung des Waffenbesitzes).
Ron Paul will die US-Truppen aus dem Irak sofort abziehen und die interventionistische Außenpolitik der USA beenden.
Ron Paul will die nationale Steuerbehörde und die Einkommensteuer abschaffen. (Siehe dazu “America: Freedom to Facism”, eine Doku von Aaron Russo)
Ron Paul scheint ein Freund des Gold-Währungsstandards und Anhänger der “österreichischen Schule” (Mises, Hayek).
So ein Mann will Präsident der USA werden…
Ob er es schafft ist ungewiss. Gewiss ist, seine Anhänger wollen morgen heute, den 16. Dezember eine Tea-Party feiern, anläßlich des Aufruhrs der Siedler in Amerika gegen die britische Herrschaft 1776 – die Boston Tea Party ist sicher ein Begriff. Ron Pauls Tee Party besteht darin, die Online-Gemeinschaft zu Spenden aufzufordern, um neue Rekorde aufzustellen. Denn dies ist eine Lehre aus dem Spendenerfolg vom 5. November (V!), bei dem der Kandidat 4.3-Millionen-Spendendollar innerhalb von 24 Stunden einnahm – und dies (oh monetäres Wunder) war der herkömmlichen Presse dann doch einiges an Aufmerksamkeit wert. Es ist nicht ganz zweitrangig, ob Ron Paul die parteiinternen Vorkämpfe innerhalb der Republikaner gewinnt oder nicht, Fakt ist, daß er Ansichten transportiert und “salonfähig” macht, die sonst kaum jemand innerhalb und außerhalb des etablierten Parteienkartells zu denken getraut.
Und während Ron Paul mit der Spendenbüchse klappert, klappern seine Anhänger Internetforen, News-Portale und Blogs ab, um Spuren zu hinterlassen und den Schwung der selbsterfüllenden Prophezeiung neue Nahrung zu geben…
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