Das Dollar-Euro-Kuddelmuddel
21. September 2007Warum interessiert es jemanden, der täglich sein Frühstücksbrötchen mit Papier bezahlt, auf dem “Euro” steht, wie es dem Dollar geht?
Zitat Spiegel: Airbus schlägt Alarm wegen Euro-Höhenflug – Die EZB müsse den Kurs der Gemeinschaftwährung drücken. Also halten wir mal fest: Die europäische Firma Airbus hat Probleme mit dem aktuellen Dollar-Kurs. Das liegt daran, daß die Firma ihre Produkte “auf dem Weltmarkt” verkauft. Und “dort” handelt man meist mit Dollar. Da die Firma aber zuhause Euro braucht, muß sie ihre eingenommenen Dollar gegen Euro verkaufen. Bei der aktuellen Entwicklung des Euro-Dollar-Kurses heißt das aber, daß sie für jeden Dollar immer weniger Euro bekommt und entsprechend Miese macht.
Und nun will die Firma, daß die Europäische Zentralbank dafür sorgt, daß der Wechselkurs der beiden Währungen sich nicht mehr so rasant entwickelt wie in den letzten Wochen. Die Firma ist nicht die einzige, die ein Interesse daran hat: Die deutsche Wirtschaft ist “Exportweltmeister” und einige Kurzsichtige sind darauf mächtig stolz. Die aktuelle Dollar-Schwäche macht deutlich, warum diese Exportorientierung ein Problem darstellt: Wenn eine Ökonomie darauf ausgerichtet ist, möglichst viele Produkte für den Export herzustellen, so bekommt diese Ökonomie ein Problem, wenn sich die Produkte im Ausland nicht mehr absetzen lassen – oder wenn die erlösten Dollars sich eben nicht mehr in die erwarteten Mengen Euro umsilbern lassen. Bereits jetzt jammern die ersten Wirtschaftsinstitute sinkende Wachstumszahlen daher (HWWI senkt Wachstumsprognose [Spiegel]) und das wird noch deftiger, wenn der Dollar immer billiger wird – dann lohnt es sich zwar zunehmend für Euro-Besitzer im Dollar-Raum zu kaufen, verkaufen wird aber schwieriger. “Dann hat Deutschland ein Problem” hat das Manager-Magazin ein Interview mit Jim O’Neill, dem Chef-Volkswirt von Goldman Sachs, überschrieben.
Warum hat der Dollar ein Problem? Zum Beispiel, weil die US-Regierung seit Jahrzehnten ihre Kriege auf Pump finanziert hat und jetzt immer weniger weltweit verteilte Akteure bereit sind, diesen Mist mitzuspielen. Und weil zunehmend weniger Menschen daran glauben, daß die USA ihre Schulden je wieder zurückzahlen können – in Form von harten Produkten statt grünen Scheinchen. Mehrere Gründe:
- Die Schulden sind so riesig, daß eine Rückzahlung kaum absehbar ist. Die USA importiert täglich 2 Milliarden Dollar mehr Produkte und Leistungen als sie im Gegenzug ausliefert (darunter viel Ööööl)
- Die Wirtschaft der USA schwächelt [Frankfurter Rundschau]. Womit will diese Volkswirtschaft ihre Schulden zurückzahlen, wenn die produktive Basis immer löchriger wird? Gut, man kann Panzer, Bomben, Hollywoodfilme und Patente dort kaufen, man kann das meiste davon aber auch kopieren…
Es liegen so viele Dollars auf dem Planeten rum, daß inzwischen jeder der welche hat nervös schaut, ob die anderen ihr Papier schon einlösen. In der Tat passiert dies zunehmend (Notenbanken bauen ihre Bestände an US-Staatsanleihen ab [Telepolis]), wodurch eine sich selbst verstärkende Dynamik in Gang gesetzt wird, denn mit jedem Dollar, der in Produkte, Rohstoffe oder Leistungen umgesetzt wird steigen die Preise der gekauften Produkte und machen die “noch rumliegenden Dollar-Reserven” wertloser. Ein Blick auf den Goldpreis zeigt, wohin die Reise geht…
Hubschrauber-Bernanke, der frische Chef der US-Notenbank, hat kürzlich die Zinsen gesenkt (und hat vor längerer Zeit verfügt, daß die Geldmenge M3 nicht mehr veröffentlich wird, man verheimlicht uns also was…) und wird auf diesem Wege mehr Dollar in die Welt pusten. Damit mit ihnen Öl gekauft wird. Damit mit ihnen Schulden bezahlt werden können. Damit die US-Amerikaner weiter fleißig shoppen gehen können. Aber es ist absehbar: Die Inflation wird die US-Ökonomie einholen, bei der Menge an existierenden Dollars eine Inflation, wie sie die USA noch nicht erlebt hat!
Dumm für Exporteure. Noch dümmer, wenn die Europäische Zentralbank auf deren Forderungen eingeht, und sich von der Inflationsgrippe anstecken läßt. Das könnte sie tun, indem sie Euro “druckt” und mit diesen die vielen Dollars aufkauft. Denn so könnte sie den Euro-Dollar-Kurs stabilisieren, könnte die Exportwirtschaft weiter am laufen halten – würde jedoch den Grundstein dafür legen, daß der Euro-Raum sich an der Dollar-Inflation ansteckt. Zu welchem Preis?
Die Vernetzung der globalen Ökonomie ist eng, sehr eng. Wenn ein paar Hypotheken in den USA nicht zurückgezahlt werden, wird Georg (König von Sachsen) Milbradt seine Bank los (Slogan der SachsenLB: “Sächsisch als Erfolgsprinzip.”) und Joseph “V.”Ackermann setzt 30 Milliarden Kundeneinlagen in den Sand (oder wird das diesmal mit den Dividenden verrechnet?) Daß Öl und Rohstoffe weltweit in Dollar abgewickelt werden läßt erahnen, welches Kuddelmuddel dem Planeten noch bevorsteht, wenn das grüne Papier und mit ihm der Weltpolizist am Rande des Ruins stehen.
…buckle your seatbelt, Dorothy, ’cause Kansas is going bye-bye.






21.Oktober 2007 18:11
Früher gab es einen Trade Dollar. Später wurden Goldbarren von einem Tresorraum in den benachbarten geschoben. Der “Rat für gegenseitige Russenbewirtschaftung” funktionierte mit einem Umrechnungsrubel. Warum wird nicht einfach eine fiktive Globowährung für den Handel geschaffen, während die Staaten und Länder mit ihren Währungen frei agieren ? Sie können dann froh und munter Geld um die Wette drucken, daß nach außen nur an seiner Stärke zur Handelswährung gemessen wird. Wer soundso viele Prozent in der Bilanz abweicht gewichtet an der Gesamtmasse hat, muß auf- oder abwerten. Das Problem ist, daß die Amis glauben, die Welt bräuchte ihre Dollars. Das trifft nicht zu. In der Tat sorgt der schwache Dollar für erhebliche Spannungen in der Eurozone, und ich denke, das ist auch das Ziel. Es ist erst dann vorbei, wenn €uropa über “eigene” Energie- und Rohstoffquellen verzichtet. Die könnte man in Rußland sehen und deshalb sind unsere polnischen Nachbarn ganz heiß darauf amerikanische Raketenzäune aufzustellen. Sie vergaßen, daß sie von deutschen Steuergeldern ernährt werden, aber wenn Frau Kanzlerin die nächste Krise verkünden muß, wird es ihnen sicher bewußt. Genauso die beiderseitigen Opfer in Folge der Weltkriege.
22.Oktober 2007 10:33
Die Tricks der Statistik
http://www.jjahnke.net/gedanken14.html#statistik
Noch ein Zitat
Die Einigung auf den Reformvertrag wird in Lissabon von massiven Protesten der Bevölkerung gegen das Konzept einer “Flexicurity” begleitet
http://www.nachdenkseiten.de/?p=2708
22.Oktober 2007 10:40
Der Versuch die Banken zu retten zeigt den totalen Bankrott der Finanzpolitik von Matthias Chang
http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2007/10/der-totale-bankrott-der-finanzpolitik.html
Auszüge:
27.Oktober 2007 10:58
Eine weitere Betrugsmasche der Banken
…
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……
25.November 2007 16:44
Absolut korekt!
Nicht zu vergessen: Die US Druckerpressen laufen jeden Tag. Der Dollar müsste noch viel tiefer stehen. Und wenn die Chinesen nicht Dollars kaufen würden wäre dem Treiben schon längst ein Ende gesetzt.
Der Crash ist nur eine Frage der Zeit.
17.Dezember 2007 23:29
Hier wäre ein Blick auf die Beziehung zwischen Dollar und Öl (s. Petro-Dollar) nicht verkehrt. Interessante Zusammenhänge stellt ein F.W. Engdahl in seinem Buch “Mit der Ölwaffe zur Weltmacht” auf.