Irak 2007

27. August 2007

Geschichtlich war der Irak-Krieg die konsequente Folge dreier einstürzender Hochhäuser, weltweit und in Berlin demonstrierten Millionen gegen ihn – vorher! Die Weitsicht all der Demonstranten war größer als die der kriegstreibenden Regierungen, denn es war absehbar, daß tausende Unschuldige sterben und die Gefahr eines chaotischen Fiaskos größer war als die Hoffnung auf Verbesserung der Lage. Krieg ist keine Option des 3. Jahrtausends!

Es ist viel passiert in den USA seitdem und in den letzten Monaten. Rund um Bush werden die Reihen dünner, ganz frisch ist der Justizminister Gonzales zurückgetreten, zuvor hatte es Perle, Wolfowitz und Rumsfeld erwischt, nur Cheney scheint einer der wenigen der alten Garde zu sein, die noch im Amt sind. Und die Diskussion über Hintergründe und Motive für den Einmarsch werden offensiver diskutiert (Spiegel: So erloschen der Glanz). Kommt nun der Abzug der US-Truppen aus dem Irak?

Ich hoffe, er kommt nicht. Verwunderung?

Erklärung:

Die USA hat als Nation einen Krieg vom Zaun gebrochen, der immer noch im Gange ist. Die Gefahr ist nicht gebannt, dass er auf weitere Regionen im arabischen Raum übergreift. Erst recht nicht, wenn wie von Bush veranlaßt, die umliegenden Staaten aufgerüstet werden. Das Vakuum, welches ein Abzug der Truppen hinterlassen würde, könnte durch lokale Extremisten ausgenutzt werden, die derzeit beinahe täglich dutzende Menschen in den Tod bomben oder von umliegenden Staaten, die ihr Einflußgebiet zu gern erweitern würden. Wer schützt die Bevölkerung vor dem heimischen Terror? Die schlecht ausgebildete Polizei oder das irakische Militär (welches aus Menschen besteht, die jederzeit auf die eine oder andere “Seite” eines internen Konfliktes gezogen werden könnten)? Zweifelhaft.

Die USA hat als Nation einen Krieg vom Zaun gebrochen, nun sollen die US-Amerikaner die Verantwortung dafür übernehmen! Der Militäreinsatz sollte langsam zu einer zivilen Aufbauhilfe umstrukturiert werden, um das Leben im Land auf das Niveau vor der Invasion zu heben und damit den Extremisten die bombige Grundlage zu entziehen, auf der sie ihren Nachwuchs rekrutieren und ihre Ideologien säen können. Die Soldaten sollten ihre Schußwaffen gegen Handwerkszeug tauschen, um beim Bau öffentlicher Infrastruktur zu helfen und auf diesem Wege Reparationsleistungen gegenüber dem überfallenen Land zu leisten. Die US-Wirtschaft sollte auf Patente verzichten und sie dem Irak frei zur Verfügung stellen sowie grundlegende Wirtschaftshilfe in Form von Maschinen, Rohstoffen und Material erbringen. Ziel sollte es sein – und dabei können die umfunktionierten Truppen logistische, organisatorische und schützende Hilfe leisten – die Iraker in die Lage zu versetzen, autark zu wirtschaften und für sich selbst ein lebenswertes Land aufzubauen.

Das scheint mir wichtiger zu sein als auf einen übereilten Abzug der US-Truppen zu pochen.

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