Globalisierung gestalten durch regionales Geld

02. August 2007

Anläßlich der Meldung “Erste sächsische Regionalwährung “Zschopautaler” startet am 17. August 2007” möchte ich ein paar Worte zu diesem Phänomen verlieren, welches ich für extrem bedeutsam halte. Nicht nur, weil schon der Gedanke (r)evolutionär erscheint, daß eine Gruppe von Akteuren ihr eigenes Geld macht, sondern auch, weil ich die Wirkung von regionalem Geld im Prozess der Globalisierung für wegweisend halte. Ja ich will sogar soweit gehen: Regionalgeld bietet den Menschen die Möglichkeit, sich an der Gestaltung des Prozesses namens “Globalisierung” überhaupt zu beteiligen!

Wo hat mensch denn heute noch Mitsprachemöglichkeiten? In der Politik durchs Kreuzchenmachen alle 4 Jahre? Durch Abstimmung mit den Füßen, indem man “nach drüben” geht? Die Macht des Geldbeutels ist die einzige Macht, die Konsumenten noch bleibt, aber selbst diese wird zunehmend beschnitten, indem immer mehr Produktionsprozesse sich in immer weniger Händen sammeln. Allein die Tatsache, daß Regionalgeld Alternativen zur bestehenden Monopolisierung des Geldsystems und der damit einhergehenden Einbahnstraßenmentalität der Ökonomie möglich macht, allein das ist es Wert, diese Entwicklung zu beobachten und zu unterstützen.

Ich habe die letzten feldpolitik-armen Monate und Jahre damit verbracht, mich mit diesem Thema intensiv zu befassen. Intensivere Auseinandersetzungen finden sich auf www.regionales-wirtschaften.de. Wir haben dem Regiogeld-Verband ein neues Image samt Imagemappe und Messestand gebaut und auch eine neue Webseite wird demnächst folgen. Ziel des Ganzen: Die Idee zu verbreiten und Unterstützer zu finden. Fördermitglieder jederzeit willkommen: www.regiogeld.de

Über 50 Regiogeld-Initiativen und ca. 20 umlaufende Regionalgelder gibt es inzwischen im deutschsprachigen Raum. Über 2000 Unternehmen akzeptieren solche alternativen Zahlungsmittel und dank der lokalen Arbeit der einzelnen Initiativen werden es täglich mehr. Das Werkzeug Regionalgeld hilft nicht nur, neue Netzwerke zwischen den meist kleinen Firmen zu knüpfen, es sorgt auch dafür, daß die Kaufkraft nicht unbedingt in die Kanäle der riesigen global operierenden Firmen fließt. Das ist bei den aktuellen Größenordnungen dieses Phänomens alles andere als spektakulär, aber es läßt vielleicht erahnen, was sich entwickeln kann. (Hinzu kommt: Das Vertrauen in das etabliertes Wirtschaftssystem ist auf wackeligem Sand gebaut.)

Viel Erfolg den Menschen im Zschopautal, viel Erfolg den anderen Regiogeld-Initiatoren. Möge die Idee sich verbreiten und möge jeder einmal die interessante Erfahrung machen, mit “Selbstgemachtem” einkaufen zu gehen…

3 Kommentare zu “Globalisierung gestalten durch regionales Geld”

  1. Thomas Hoffmann schreibt:

    Hoffentlich werde ich mit meinen 38 Jahren noch erleben dürfen, wie Freigeld an den Türmen der Finanzoligarchen rüttelt.

  2. Norbert schreibt:

    hallo thomas. rütteln tut ja derzeit erstmal ganz anderes geld. aber da wo sich lücken auftun strebt bekanntlich neues hin. nur allein WARTEN wird nicht reichen, da müssen den wünschen schon aktivitäten folgen, sonst bleibt alles nur wunschdenken. wie gesagt: der regiogeld-verband sucht noch fördernde mitglieder…

  3. Thomas Hoffmann schreibt:

    hallo norbert. ich weiß, dass man selber aktiv werden muss, damit eine veränderung eintreten kann. hier im raum frankfurt/m (vorort von frankfurt) habe ich dieses jahr einige gewerbetreibende angeschrieben, mit der bitte, sich über eine lokalwährung zu informieren und eine lokalwährung neben dem euro einzuführen. infomaterial von artfond.de od. egon w. kreutzer gabs dazu. alles anonym meinerseits, da ich nicht als spinner abgestempelt werden möchte. bis heute kann ich nirgendswo in meinem ort mit freigeld bezahlen ;-)…vielleicht habe ich in ein od. zwei personen die neugierde geweckt? wer weiss. vielleicht kommen ja die gewerbetreibenden irgendwann einmal dahinter, dass unser geld,- und wirtschaftssystem keine zukunft hat – jedenfalls nicht für die breite masse der bevölkerung. wachsdumm über alles! ich kann es nicht mehr hören. alles was nicht von alleine aufhört zu wachsen, ist KRANK.

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